Ritter Sport beim Absatz erstmals auf Platz zwei
© Ritter Sport/Martin Steiger
Wolfgang Stöhr ist seit März 2012 Geschäftsführer von Ritter Sport Österreich.
RETAIL Redaktion 06.11.2026

Ritter Sport beim Absatz erstmals auf Platz zwei

Der Schokoladenhersteller trotzt dem rückläufigen Markt und reüssiert mit Innovationen und Co-Branding.

•• Von Paul Hafner

Der heimische Tafelschokoladenmarkt erlebt heuer ein weiteres herausforderndes Jahr: Nachdem die Absatzzahlen bereits 2024 und 2025 rückläufig waren, steht heuer obendrein auch ein wertmäßiges Minus zu Buche. In den ersten drei Quartalen gingen die Branchenumsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,4% zurück.

Wie schon im Vorjahr fällt Ritter Sport auch heuer wieder aus der Reihe: Mit einem Umsatzplus von 4,6% performte man bis dato wesentlich stärker als der Mitbewerb und konnte auch den wertmäßigen Marktanteil signifikant um 0,7 Prozentpunkte auf nunmehr 7,7% steigern.

Während man beim Umsatz den dritten Platz festigen konnte, findet man sich beim Absatz seit Jänner 2026 erstmals auf Platz zwei wieder. „Es geht uns gut, die Entwicklung ist positiv. Wir sind sehr happy und können mit unserer Performance äußerst zufrieden sein“, fasst Wolfgang Stöhr im Interview mit medianet zusammen.

Einen einzelnen, entscheidenden Grund dafür, dass Ritter Sport so viel besser als der Gesamtmarkt performt, will Stöhr nicht sehen – vielmehr sei es ein Zusammenspiel aus Innovationsgeist bei den Produktneuheiten, einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie, „richtig gutem“ Markenmanagement und vor allem auch einer von Kontinuität geprägten Verlässlichkeit bezüglich des Qualitätsversprechens; ein Mix, dem die Konsumenten evidentermaßen eine „hohe Wertigkeit“ attestieren würden.

Pionier bei veganen Tafeln
Nicht zuletzt ist die Popularität von Ritter Sport für Stöhr auch ein Zeichen der von diversen Unsicherheiten geprägten, „volatilen und unruhigen Zeiten“: Wenn der Konsument bei einer Marke das Gefühl habe, dass diejenigen, die dahinterstehen, „einen wirklich guten Job machen und nachhaltig agieren“, dann sei das ein wesentliches Erfolgskriterium. In diesem Zusammenhang verweist Stöhr auch darauf, dass Ritter Sport „der einzige große Schokoladenhersteller ist, der keine Aromen verwendet“.

Eine Alleinstellung unter den „Großen“ hat Ritter Sport indes auch mit seinem veganen Sortiment, das es unter den klassischen Tafelschokoladen auf einen Marktanteil von spektakulär anmutenden 80% bringt. Sämtliche vegan gekennzeichneten Tafeln von Ritter Sport werden seit 2021 im burgenländischen Breitenbrunn – der einzigen Produktionsstätte von Ritter Sport außerhalb Deutschlands – produziert.

Marzipan ist Nummer 1
Apropos vegan: Die eigenständige Range ohne tierische Zutaten hat Ritter Sport bereits 2016 etabliert, das heurige Jahr steht im Zeichen ihres zehnjährigen Jubiläums. Begangen wurde dieses schon im Jänner mit der ersten Neukreation des Jahres, „Vegan Tropical Coconut“. Die Sorte habe „voll eingeschlagen“ und finde sich range-intern bereits auf Platz drei wieder – hinter Roasted Peanuts und Caramel. Das gesamte vegane Sortiment bleibt mit einem Plus von 6,9% weiter eine Wachstumskategorie, mittlerweile entfallen fünf Prozent des gesamten Umsatzes auf das Sortiment. Nicht miteingerechnet, weil nicht in Breitenbrunn hergestellt und kein ausgewiesener Teil der veganen Range, aber im Hinblick auf seine Inhaltsstoffe rein pflanzlich konzipiert, ist die Sorte Marzipan. Sie ist übrigens auch die österreichweit meistverkaufte Tafel des gesamten Sortiments – vor Nougat (der persönlichen Lieblingssorte Stöhrs), Pfefferminz und Alpenmilch.

Zartbittere Premiere
Eine andere, neue Erfolgskategorie ist die im Frühjahr lancierte „Edelkakao Klasse“. Mit drei Produkten gestartet, die sich hinsichtlich ihres Kakaoanteils unterscheiden, hat sie sich besonders schnell etabliert. Stöhr spricht im Hinblick auf die Single-Origins-Range von einer „echten Punktlandung“; man habe die Tafeln bewusst dünner konzipiert, der dafür verwendete Kakao kommt von der eigenen Plantage in Nicaragua. Besonders „Die Intensive“ (mit 81% Kakaoanteil) schlage „sensationell“ ein; für aktuelle Marktzahlen sei es noch zu früh, doch könne man am „Hineinverkauf und an der Rotation“ ablesen, dass sie stark nachgefragt werde.
Co-Branding mit Haribo
In eine ganz andere Richtung geht Ritter Sport mit der Ende Sommer lancierten Limited Edition „Haribo Pico-Balla“. Hinter ihr standen zwei Überlegungen: Zum einen beobachtete man schon länger, dass Kunden in der unternehmenseigenen Schokowerkstatt Waldenbuch besonders gerne Kombinationen mit Gummibonbons kreierten, zum anderen wollte man sich strategisch für Co-Branding öffnen. „Haribo ist eine super positive Riesenmarke mit einer enormen Zugkraft. Da ist schnell eine große Dynamik entstanden, weil die Idee auch den Leuten von Haribo extrem getaugt hat. Ich denke, dass diese Limited Edition auch unserer Marke wirklich gut tut, uns ein jugendliches Image verleiht und unseren Innovationsgeist unterstreicht“, so Stöhr.
Amicelli, Schokowürfel & Co.

Abseits der quadratischen Tafeln reüssiert Ritter Sport in Österreich auch mit der Marke Amicelli, die zuletzt ein wertmäßiges Wachstum von sieben Prozent aufwies und rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes von Ritter Sport ausmacht.

Noch keine Zahlen gibt es für die im September lancierte neue „Schokowürfel“-Range in den Sortierungen Creamy, Crunchy und Danke Special Selection, die sich „als Mitbringsel, als Geschenk, zum Teilen und Genießen“ anbieten und geschmacklich einen Multisensorik-Trend bedient.

Schon Anfang 2027 will man weitere Neuheiten präsentieren, Details dazu will sich Stöhr noch nicht entlocken lassen. Für den Rest des Jahres ist er zuversichtlich; den volatilen Kakaopreisen gegenüber traut er sich keine Prognose zu – hofft aber „vor allem auf Stabilität“.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL