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Erfolgreiches Role Model im Verlagswesen © Manz/Martin Steiger
© Manz/Martin Steiger

Redaktion 22.11.2019

Erfolgreiches Role Model im Verlagswesen

Wie Susanne Stein-Pressl das ­Familientraditionsunternehmen Manz für die digitalen Zeiten fit gemacht hat.

••• Von Paul Christian Jezek

Die Manz-Gruppe feierte heuer 170jähriges Jubiläum: Friedrich Manz begründete 1849 die „Manz’sche k.k. Hof-Verlags- und Universitätsbuchhandlung” in Wien.

2001 übersiedelte der Verlag gemeinsam mit der RDB Rechtsdatenbank GmbH, der Onlaw Internet Technologies GmbH und der Österreichischen Verlagsgesellschaft C. & E. Dworak GmbH (ÖVG) in die Wiener Johannesgasse 23. Franz Stein erwarb 2004 die Mehrheit an der Manz Holding und verstarb am 7.11.2005 unerwartet. Mit seinen Kindern Susanne und Andreas rückte die fünfte Generation in die Unternehmensführung nach.
medianet sprach mit Susanne Stein-Pressl über die Positionierung des Hauses Manz ebenso wie über die „­Gemeindeinitiative”.


medianet: Wie verlief Ihr Einstieg ins Familienunternehmen?
Susanne Stein-Pressl: Schon als Studentin habe ich in verschiedenen Manz-Abteilungen gejobbt und erste Erfahrungen gemacht. Dazu kamen Erfahrungen z.B. beim Stämpfli Verlag in der Schweiz oder auch beim Kitzler Verlag in Wien.

‚Wirklich' begonnen habe ich dann als Assistentin meines Vaters, mit Hauptverantwortung für die Rechtsabteilung. Vater ist dann leider sehr plötzlich und viel zu früh mit nur 61 Jahren gestorben. Mit 27 habe ich praktisch über Nacht die Geschäftsführung übernommen und bin damit ins kalte Wasser gesprungen.


medianet:
Wenn man ans biblische Gleichnis denkt: Was haben Sie aus den Ihnen anvertrauten Talenten gemacht?
Stein-Pressl: Gemeinsam mit Wolfgang Pichler und mit Geschäftsführer Peter Guggenberger habe ich das Core Business mit juristischer Fachinformation (Verlag und Fachbuchhandlung) um angrenzende Dienste und Angebote erweitert:

Das Geschäft geht aktuell erfreulich positiv, wobei wir im vergangenen Jahr zwei signifikante strukturelle Änderungen realisiert haben: Erstens haben wir die (Anm.: vergleichsweise kleine) Schulbuchsparte an die P&V Holding verkauft, weil der Bildungsmarkt zunehmend umkämpft und die Geldknappheit der öffentlichen Hand spürbar ist.
Weiters – und das ist für uns natürlich von besonderer Bedeutung – befindet sich Manz seit heuer wieder komplett in Familienbesitz. Seit 1997 war der internationale Fachinformationskonzern Wolters Kluwer mit 40 Prozent beteiligt, jetzt haben wir (Anm.: die Familie Stein und die zweite Eigentümerfamilie Fliri) sämtliche Anteile zurückgekauft.


medianet:
Waren Sie mit dem Partner unzufrieden?
Stein-Pressl: Wir haben mit Wolters Kluwer eine gute Partnerschaft gepflegt, aus der wir sehr viel mitgenommen haben.

Vor allem haben wir als Familienunternehmen gelernt, ein stärkeres Controlling sowie klarere Strukturen und Prozesse aufzubauen. Aber über die Jahre haben wir auch immer wieder Gespräche geführt, ob unsere Partnerschaft noch passt: auf der einen Seite ein Weltkonzern und auf der anderen das kleine Österreich …


medianet:
Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aktuell aus?
Stein-Pressl: Unsere Einnahmen kommen je etwa zur Hälfte aus gedruckten und aus digitalen Produkten, wobei der Digitalbereich stärker wächst als Print zurückgeht.

Unverzichtbar ist die Weiterentwicklung, in die wir rund zwei Drittel des Gewinns investieren.


medianet:
Sehen Sie Unterschiede z.B. im Führungsstil gegenüber dem Mitbewerb?
Stein-Pressl: Als Familienunternehmen können wir schnell und flexibel entscheiden und gleichzeitig sozusagen besonnener als ein Start-up agieren.

medianet:
‚Start-up' ist ein gutes Stichwort – Manz hat sich diesbezüglich ja sogar international betätigt?
Stein-Pressl: Sie meinen die Start-up Challenge ‚Future Village' rund um innovative Lösungen für Gemeinde-Digitalisierung, die wir gemeinsam mit dem Österreichischen Gemeindebund und Future Law veranstaltet haben.

Die Zukunft Österreichs ist wie jene unseres Familienunternehmens mit dem Thema Digitalisierung eng verknüpft, und die Mischung aus technischen Innovationen und Ideen, die das Zusammenleben in den Gemeinden erleichtern, ist für Manz von großem Interesse. Wir haben in den vier Kategorien Attraktiver Wohnraum, Zukunftssichere In­frastruktur, Lean Administration, Aktive Teilnahme, Qualitätspflege sowie Sozialer Zusammenhalt mehr als 20 Bewerbungen aus elf Ländern bekommen – und hatten auch jede Menge Spaß dabei …

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