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Welche Regeln brauchen die „Machtspielchen”? © Journalistinnen Kongress/APA-Fotoservice/Godany
© Journalistinnen Kongress/APA-Fotoservice/Godany

Redaktion 30.10.2020

Welche Regeln brauchen die „Machtspielchen”?

„Neues Spiel, neue Regeln”: Am 4. November findet der Journalistinnenkongress statt, erstmals als Hybrid-Event.

••• Von Helga Krémer

Seit 22 Jahren behandelt der Österreichische Journalistinnenkongress (JoKo) in jährlichen, ein- bis zweitägigen Kongressen jene Themen, die Frauen auf ihrem Weg „nach oben” in der Kommunikationsbranche fördern können – seit jeher unter dem Generalthema „Gläserne Decke”.

„Dieses Bild basiert auf einem Experiment mit Fischen, denen in ihrem Aquarium eine gläserne Decke eingezogen wurde. Nach einiger Zeit waren die Fische so konditioniert, dass sie auch nach Entfernen der gläsernen Decke nie mehr über diese Marke hinausgeschwommen sind”, erklärte damals Mit-Initiatorin Maria Rauch-Kallat bei der allerersten Jounalistinnenkongress-Eröffnung und machte eine gewisse Konditionierung bei Frauen zum Thema, die sich darin zeige, dass „sie sich oftmals gar nicht um Führungspositionen bewerben, weil sie sich für chancenlos halten”.

Coronabedingt vieles anders

Seit 1998 ist der Kongress also die Vernetzungsplattform und der Treffpunkt für rund 300 bis 400 Frauen aus Journalismus und PR. Beim 22. Kongress am 4. November wird coronabedingt – man mag das Wort schon gar nimmer schreiben – vieles anders sein. Referentinnen aus dem Ausland können nicht nach Wien kommen, das geplante Online-Streaming verlangt neue Formate, und so weiter …

Ursprünglich im Haus der Industrie in Wien mit dem Titel „Neues Spiel – Neue Regeln” geplant, werden sich die hochrangigen Referentinnen aus dem In- und Ausland via Stream für die Online-Teilnehmer kritisch mit den Errungenschaften der ­Digitalisierung und der sogenannten Zeitenwende auseinandersetzen.

Neues Spiel – neue Regeln

„Wie Frauen von der Transformation profitieren” – so lautet der Titel der diesjährigen Konferenz. Was bedeuten die neuen – auch durch Corona – entstandenen Lebenswelten? Wie gehen Medienfrauen mit der Belastung um, die sowohl durch Home­office als auch durch veränderte Arbeitsbedingungen entstanden ist? Ständige Neuorientierung – was die technischen Grundlagen und flüchtigen Entwicklungen betrifft – ist an der Tagesordnung. Lebenslanges Lernen wird im Berufsalltag mehr denn je gefordert.

Das ist aber nicht alles: „In den Herausgeber- und Chefredakteursetagen dominiert noch immer das Patriarchat. Das Männliche ist Norm, eine kritische Masse von führenden Medienfrauen noch immer nicht erreicht! Selbst Einschüchterungsversuche (#silencing) sind immer wieder an der Tagesordnung. Auch das ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, dem entgegengetreten werden muss!”, meint das JoKo-Team rund um Maria Rauch-Kallat unisono.
Es sei zudem erschreckend, dass auch die neueste technologische Entwicklung der digitalen Intelligenz wieder fast ausschließlich auf männlichen Denk- und Sprachmustern basiere und Algorithmen dies sogar noch verstärkten. Auch hier blieben Frauen vielfach unsichtbar.
Wie also damit umgehen? Wollen, können Frauen dieses Spiel mitmachen oder ist es notwendig, unser eigenes Spiel zu spielen? Bleiben wir angepasst oder brechen wir radikal die bestehenden Normen? Was ist notwendig? Was muss getan werden? Entscheidend ist, dass Frauen nicht außen vor bleiben, sondern mitgestalten und davon profitieren. Was uns zu den Medienlöwinnen bringt.

Die Medienlöwinnen

Wie immer, wenn der Österreichische Journalistinnenkongress tagt, ist auch klar: Die Medienlöwinnen werden am Abend davor vergeben. In der Gold-Kategorie wird eine Journalistin für ihr Lebenswerk, für bisheriges Schaffen, ihre Kreativität und ihre Vorbildfunktion geehrt.

Die Medienlöwin Silber wird für redaktionelle Beiträge verliehen, die sich mit der Lebenswelt von Frauen kritisch, realitätsnah und detailliert auseinandersetzen – ganz gleich, ob es sich um einen Printartikel, einen Audio- oder Fernsehbeitrag handelt.
Der Medienlöwe – der jüngste „JoKo”-Medienpreis – feiert heuer sein fünfjähriges Jubiläum. Eingeführt als Sonderpreis, hat er sich über die Jahre profiliert und wird jedes Jahr an eine Redaktion oder ein Journalisten-Team verliehen, das sich durch eine besonders frauenfreundliche, -stärkende und Frauen unterstützende Medienarbeit auszeichnet.

Living News – YoungStars

Ein weiterer Höhepunkt des Österreichischen Journalistinnenkongresses, die Living News, finden heuer aus gegebenem Anlass als Streaming-Serie am 11., 18., 25.11. und 2.12. jeweils von 18 bis ca. 20 Uhr statt.

Das YoungStars-Programm wurde 2013 vom Journalistinnenkongress ins Leben gerufen und soll jungen Frauen, die eine Laufbahn in der Kommunikationsbranche anstreben, den Weg ebnen und eine Starthilfe in den Beruf geben.
YoungStars deckt die Bereiche Pressearbeit, Social Media und Moderation ab und bietet einmalige Möglichkeiten, Top-Medienfrauen des Landes persönlich kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen und sie ohne Berührungsängste oder Hemmschwellen zu interviewen.

Programm und Ablauf

Die Medienlöwinnen sollten am 3. November im exklusivsten Rahmen vergeben werden – sollten, je nachdem, was Corona an maskierten Zusammenkünften noch zulassen wird.

Am Mittwoch, den 4. November, geht der Journalistinnenkongress jedenfalls um 8:30 Uhr mit dem „Networking Café JoKo-Digital Space” los und findet um 17:30 mit Abschluss und Ausblick sein Ende.
An sich wäre dann um 18 Uhr noch die Übertragung des Gala-Abends der Medienlöwinnen geplant – wäre, Corona, eh schon wissen …
Mehr Informationen zum Österreichischen Journalistinnenkongress, auch über lang vergangene – Lesetipp, unter: www.journalistinnenkongress.at

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