DESTINATION
Kein Buchungsknick © APA/Roland Schlager

Wien ist anders Sonderfall Wien: Für die Stadt Wien ist China nach den USA mittlerweile der zweitstärkste Überseemarkt.

© APA/Roland Schlager

Wien ist anders Sonderfall Wien: Für die Stadt Wien ist China nach den USA mittlerweile der zweitstärkste Überseemarkt.

Redaktion 14.02.2020

Kein Buchungsknick

Coronavirus: Das Wirtschaftsforschungsinstitut erwartet nur geringe Folgen für Österreichs Tourismus.

WIEN. Das Coronavirus bereitet der Tourismusbranche Sorgen. China hat Reisebeschränkungen über seine Bevölkerung verhängt; einige Länder – wie Australien oder Japan – haben bereits erste Auswirkungen auf die Touristenzahlen bemerkt. Für Österreich dürften die Folgen nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) limitiert bleiben.

Wifo-Experte Stefan Schiman ist zwar der Meinung, dass das Coronavirus den Tourismus und die Reisebranche besonders treffen wird, der Anteil der chinesischen Touristen in Österreich sei aber „sehr gering”. Laut Angaben des Wifo entfielen im vergangenen Jahr 2,2% aller Ankünfte in Österreich und 1,0% aller Nächtigungen auf chinesische Touristen. Für andere Länder – beispielsweise für Italien – dürfte der Effekt dagegen sehr viel deutlicher spürbar werden, so Schiman. Für Italien etwa gehört der chinesische Markt zu den wichtigsten. Wegen der Epidemie drohe dem italienischen Tourismus ein Umsatzrückgang in Höhe von 1,6 Mrd. €, außerdem ein Minus von 13 Mio. Übernachtungen, sagte Vittorio Messina, Präsident des Verbands der italienischen Touristiker, Assoturismo Confesercenti, laut Nachrichtenagentur ANSA.

Weniger Shoppingumsatz

Das Mehrwertsteuer-Rückerstattungsunternehmen Planet Payment rechnet wegen des Coronavirus mit Umsatzrückgängen bei den Shoppingausgaben chinesischer Gäste in Österreich: „71 Prozent der Tax Free-Einkäufer in Österreich kommen aus Asien, 33 Prozent aus China. Wir werden im Februar und März jedenfalls Umsatzrückgänge haben, davon gehen wir aus”, sagte Planet Payment-Österreich-Sprecherin Danielle Willert am Montag. Im Durchschnitt gaben Tax Free-Shopper in Österreich im vergangenen Jahr 525 € pro Einkauf aus, Gäste aus China rund 645 €, um zwölf Prozent mehr als 2018. Laut Daten von Wien Tourismus gibt in der Bundeshauptstadt jeder Reisende aus China pro Einkauf den Spitzenwert von durchschnittlich rund 950 € aus.

Wien wartet noch auf Zahlen

Für die Stadt Wien ist China nach den USA mittlerweile der zweitstärkste Überseemarkt. Die meisten Wien-Touristen kamen 2019 aus Deutschland, gefolgt von Österreich, den USA, Italien, Großbritannien, Spanien und China. 2019 entfielen 524.000 der insgesamt 17,6 Mio. Nächtigungen auf chinesische Gäste. In der Statistik merkt WienTourismus einstweilen noch nichts vom Coronavirus, allerdings liegen die Nächtigungszahlen immer erst mit einem Monat Verzögerung vor.

Im Jänner sei laut Planet Payment noch alles planmäßig verlaufen, die Tax Free-Umsätze mit chinesischen Touristen in Österreich zogen im Vergleich zum Vorjahr sogar um neun Prozent an. Auch die erste Februarwoche lief noch auf Plan. Die Erfahrung von Krisen wie die Infektionskrankheit SARS zeige, dass chinesische Käufer kurzfristige Umsatzrückgänge nach solchen Ereignissen rasch wieder kompensierten und die Umsätze nach der Krise sogar wieder überproportional ansteigen. Trotz der SARS-Epidemie-Krise im Jahr 2003 sei der chinesische Outbound-Tourismus um 22% gewachsen und im Folgejahr 2004 um 43%.

Potenzielle Risiken

Das Coronavirus dürfte aber auch die Industrie nicht verschonen; potenzielle Belastungsfaktoren seien vor allem unterbrochene Lieferketten und Produktionsstopps, so Wifo-Experte Schiman. Genaue Angaben zu den Auswirkungen könne man aber noch nicht machen, bisher sei jede Aussage dazu noch sehr spekulativ.

Anfang der Woche hatte bereits der Handelsdelegierte der österreichischen Wirtschaftskammer in China, Martin Glatz, vor längerfristigen Auswirkungen auf die globalen Lieferketten durch das Coronavirus gewarnt. (APA/red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL