•• Reinhard Krémer
Die wirtschaftliche Stimmung in Österreich zeigt erste vorsichtige Zeichen der Erholung, allerdings auf weiterhin gedämpftem Niveau. Das zeigt die bereits vierte Auflage des Champagner-Index, des digitalen Research Instituts Marketagent. Dieses Konjunkturbarometer der etwas anderen Art misst Einstellungen durch implizite und metaphorische Fragestellungen für besonders authentische und unverfälschte Ergebnisse.
Der Champagner-Index von Marketagent legt die wirtschaftliche Einschätzung in bildhafte Vergleiche um: Wenn die Wirtschaftslage ein Champagnerglas wäre, wie voll wäre es aktuell? Im ersten Quartal 2026 bemessen die 290 befragten Unternehmensinsider den Füllstand im Schnitt mit 46,7%. Damit ist das Glas zwar wieder etwas voller als im Vorjahr, als der Wert auf 41,5% gefallen war, bleibt jedoch deutlich unter der viel optimistischeren Bewertung des ersten Befragungsjahres (2023: 53,4%).
Stimmung etwas stabilisiert
Die leichte Aufhellung deutet darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Stimmung etwas stabilisiert hat, von einer echten Aufbruchsstimmung kann jedoch noch keine Rede sein. Unsere Nachbarn in der Schweiz präsentieren sich mit durchschnittlich 62,7% Füllstand im metaphorischen Champagner-Glas zwar auf den ersten Blick deutlich zuversichtlicher.
Allerdings zeigt hier der Vergleich mit dem Vorjahr einen merklichen Rückgang: 2025 bewerteten die eidgenössischen Business-Insider die Lage noch mit 68,3%, was einem Minus von 5,6 Prozentpunkten entspricht. Die Schweizer Wirtschaft verliert damit etwas von ihrem Optimismus. Beim Blick auf das eigene Unternehmen zeigt sich 2026 eine verhaltenere Einschätzung als im Vorjahr. Nicht nur wird die erwartete Unternehmensperformance in den kommenden zwölf Monaten zurückhaltender bewertet als in den Vorjahren (26,6%/2025: 32,2%).
Investitionsbereitschaft sinkt
Auch die Investitionsbereitschaft in den eigenen Arbeitgeber ist rückläufig: 67,2% würden Aktien des eigenen Unternehmens kaufen, nach 78,2% im Vorjahr. Das spricht dafür, dass die Unsicherheit zunehmend auch die Einschätzung der Perspektiven des eigenen Betriebs prägt. Noch deutlich kritischer fällt die Einschätzung der österreichischen Bevölkerung aus. Unter Konsumenten liegt der Champagner-Index Wert aktuell nämlich nur noch bei 35,6% (Unternehmen: 46,7%). Damit hat sich die wirtschaftliche Stimmung in der Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr weiter eingetrübt.
Folgen der Inflation
Diese Entwicklung spiegelt die weiterhin spürbaren Folgen der Inflation, steigender Lebenshaltungskosten sowie allgemeiner wirtschaftlicher Unsicherheiten wider. Viele Haushalte haben ihre Ausgaben in den vergangenen Jahren anpassen müssen und reagieren entsprechend sensibel auf wirtschaftliche Entwicklungen. Besonders stark zeigt sich die Verunsicherung beim Blick auf die Sicherheit von Arbeitsplätzen. Nur noch rund ein Viertel der Bevölkerung sieht Jobs in Österreich als sicher (26,6%). Im Vergleich zur ersten Erhebungswelle 2023 mit 50,6% hat sich diese Einschätzung damit im Verlauf von gerade einmal drei Jahren fast halbiert.
Parallel dazu sinkt auch die Zustimmung zur Aussage „Arbeit lohnt sich noch“. Immer mehr Menschen zweifeln daran, dass sich Erwerbsarbeit finanziell ausreichend auszahlt (29,9%/2023: 21,2%). Ein Signal, das auch wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch zunehmend relevant wird.
Weniger Lebenszufriedenheit
Die wirtschaftlichen Sorgen dämpfen auch die persönliche Lebenszufriedenheit. Zwar gibt weiterhin die Mehrheit der Mensch an, mit ihrem Leben sehr oder eher zufrieden zu sein (63,8%).
Der Jahresvergleich offenbart hier jedoch einen deutlichen Abwärtstrend: Anfang 2023 äußerten sich noch sieben von zehn Personen positiv zur eigenen Lebenszufriedenheit. Im 14-Jahres-Vergleich zeigt sich ein noch deutlicherer Rückgang – damals lag der Wert bei 84%.
Auch der Blick in die Zukunft bleibt von Vorsicht geprägt. Mehr Menschen erwarten in den kommenden Monaten eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation (29,1%) als eine Verbesserung (23,7%). Hinzu kommen gesellschaftliche Umbrüche: Die Bewertung neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz fällt zunehmend ambivalent aus. Rund ein Drittel (35,5%) sieht KI eher als Chance, während fast vier von zehn (37,7%) mehrheitlich Risiken wahrnehmen. Die Erwartungen der Bevölkerung haben sich damit in den letzten Monaten stark relativiert. Im August 2025 glaubten noch 42,9%an das Chancenpotenzial durch künstliche Intelligenz.
Das Fazit
„Das Champagnerglas der österreichischen Wirtschaft ist zwar wieder etwas voller geworden, wirklich zum Anstoßen reicht es aber noch nicht. Die Unternehmen sehen erste Lichtblicke, doch bei den Konsumentinnen und Konsumenten überwiegt weiterhin die wirtschaftliche Vorsicht. Viele Haushalte spüren die Folgen von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten noch immer unmittelbar. Das prägt die wirtschaftliche Stimmung stark“, sagt Marketagent-Founder und Geschäftsführer Thomas Schwabl.
