Geldvermögen liegt über dem Westeuropa-Schnitt
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FINANCENET Redaktion 09.10.2026

Geldvermögen liegt über dem Westeuropa-Schnitt

Allianz Global Wealth Report: In Österreich legen Wertpapiere stark zu, Bankeinlagen sind auf Tiefstand.

••• Reinhard Krémer

Das Geldvermögen privater Haushalte ist 2025 weltweit um +8,6% auf den Rekordwert von 268,4 Bio. € gestiegen. Das zeigt die 17. Ausgabe des Allianz Global Wealth Reports, der die Vermögens- und Verschuldungssituation in fast 60 Ländern analysiert. Österreich blieb mit +5,0% hinter der globalen Dynamik zurück, wuchs jedoch stärker als Westeuropa (+4,5%). Den größten Beitrag zum weltweiten Anstieg leisteten die Kapitalmärkte: Rund vier von fünf Euro des zusätzlichen Vermögens gehen auf Wertsteigerungen zurück.

Das Brutto-Geldvermögen der österreichischen Haushalte erhöhte sich 2025 um +5,0% auf 968,6 Mrd. € und wuchs damit stärker als der westeuropäische Durchschnitt (+4,5%).  Den kräftigsten Zuwachs verzeichneten Wertpapiere mit +8,0%, gefolgt von Bankeinlagen (+3,1%) sowie Versicherungen und Pensionen (+1,5%). Der Wertpapieranteil am Portfolio erreichte mit 46,2% einen Rekordwert und lag deutlich über dem westeuropäischen Schnitt von 36,8%.

Tiefpunkt bei Bankeinlagen
Der Anteil der Bankeinlagen fiel auf einen historischen Tiefpunkt von 37,3% – ein klares Zeichen für ein verändertes Anlageverhalten. Daniel Matić, CEO der Allianz Österreich, sagt: „Das Allzeithoch an Wertpapieren zeigt, dass die Menschen in Österreich renditeorientierter anlegen. Das ist ein positives Signal für den langfristigen Vermögensaufbau. Jetzt gilt es, diesen Schwung auch in die private Altersvorsorge zu tragen, denn Versicherungen und Pensionen wachsen nach wie vor nur verhalten.“
Wie sich die Präferenzen der Haushalte verschieben, spiegelt sich auch in den Sparentscheidungen des vergangenen Jahres wider. Die Neuanlagen gingen zwar um 7,6% auf 27,8 Mrd. € zurück, erreichten aber den zweithöchsten Wert seit Beginn der Datenreihe; nur im Rekordjahr 2024 wurde mehr gespart. 53,0% davon flossen in Wertpapiere, 41,3% in Bankeinlagen und 5,1% in Versicherungen und Pensionen – einer der höchsten Wertpapieranteile Westeuropas.

Höchstwert bei Wertpapieren
Die Wertpapierkäufe erreichten mit 14,8 Mrd. € einen neuen Höchstwert: 7,6 Mrd. € entfielen auf Investmentfonds, der zweithöchste Wert der Datenreihe, 5,8 Mrd. € auf sonstige Wertpapiere und 1,4 Mrd. € auf Aktien.

Im Jahr davor hatten österreichische Haushalte unterm Strich noch mehr Aktien verkauft als gekauft. Die Trendwende unterstreicht das wachsende Vertrauen in die Kapitalmärkte. Etwas verhaltener fällt die Bilanz aus, wenn man die Teuerung berücksichtigt. Inflationsbereinigt wuchs das Geldvermögen um +1,4%.

Seit 2019 stieg seine Kaufkraft um lediglich +1,7% – etwas mehr als in Westeuropa (+0,5%), aber weit weniger als im globalen Durchschnitt (+23%). Gegenüber dem Höchststand von 2021 liegt sie noch immer 8,1% niedriger: Der Inflationsschock ist nicht überwunden. Solide entwickelte sich hingegen die Schuldenseite der privaten Haushalte. Die Verbindlichkeiten nahmen um nur +0,9% auf 218,9 Mrd. € zu, Hypothekendarlehen sanken sogar um 0,6%. Das Netto-Geldver­mögen stieg dadurch um +6,3% auf 749,7 Mrd. €, die Verschuldungsquote fiel von 23,5% auf 22,6%.

Österreich weiter auf Rang 16
Mit 82.260 € pro Kopf belegt Österreich im weltweiten Ranking unverändert Rang 16.
Trotz schwierigen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds legten Wertpapiere weltweit um +12,4% zu – mehr als doppelt so stark wie Bankeinlagen (+5,7%) oder Versicherungen und Altersvorsorge (+5,0%). Ihr Anteil am globalen Geldvermögen stieg auf den Rekordwert von 46,9%.

Die Neuanlagen sanken hingegen um 5,4% auf 4,1 Bio. €. Besonders profitierten nordamerikanische Haushalte, deren Portfolios zu 60,7% aus Wertpapieren bestehen; auf die Region entfielen 51,4% des weltweiten Zuwachses. Über die vergangenen zehn Jahre gingen dort 71% des Vermögenswachstums auf Wertsteigerungen zurück, in Westeuropa nur 36%.

Die nackten Zahlen trügen
„Das globale Geldvermögen hat 2025 erneut einen Rekord erreicht – doch nominale Rekorde erzählen nur die halbe Geschichte“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz. „Seit 2019 ist das nominale Geldvermögen um 50% gestiegen, real, also bereinigt um die Inflation, jedoch nur um 23%. In Westeuropa ist die Entwicklung noch schwächer: Dort liegt das reale Geldvermögen lediglich 0,5% über dem Niveau von 2019. In Nordamerika sind es 21%, in China 70%.“

Ausblick für 2026
Für 2026 erwartet Allianz Research ein weltweites Wachstum des Geldvermögens von rund +9%. Mittelfristig trüben schwächeres Wirtschaftswachstum, anhaltender Inflationsdruck, geopolitische Fragmentierung und hohe Staatsschulden die Renditeaussichten. Künstliche Intelligenz wird damit zum entscheidenden Faktor: Höhere Produktivität und steigende Unternehmensgewinne könnten die Kapitalmarktrenditen stützen.
Zugleich macht die wachsende Abhängigkeit von KI-getriebenen Märkten Haushaltsvermögen verwundbarer. Seit Ende 2022 legte der S&P 500 um rund 95% zu. Eine Korrektur um 25% würde im Jahr des Schocks rund 27 Bio. USD an US-Haushaltsvermögen vernichten – fast 14% des gesamten Nettovermögens – und die US-Wirtschaft in eine Rezession drücken.

Motor der Vermögensbildung
„KI könnte zum nächsten großen Motor der Vermögensbildung werden. Doch entscheidend ist, wer die Vermögenswerte besitzt – und damit an den Erträgen teilhat“, sagt Katharina Utermöhl, Head of Thematic & Policy Research bei Allianz Research. „Wenn sich die Wertschöpfung durch KI stärker in Richtung Kapital verschiebt, werden eine breitere Beteiligung an Kapitalerträgen und Maßnahmen zur Unterstützung der Beschäftigten beim Wandel entscheidend sein, damit möglichst viele Menschen von der KI-Dividende profitieren.“

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