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Goldpreis hängt am Zinsen-Tropf: Was macht die Fed? © panthermedia.net/Oleksiy Mark
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23.10.2015

Goldpreis hängt am Zinsen-Tropf: Was macht die Fed?

Der Rückgang der Aktienmärkte und die bescheidene Konjunkturverleihen dem „sicheren Hafen” wieder mehr Glanz.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Ob die Währungshüter der amerikanischen Notenbank noch 2015 die Zinsen anheben werden, wird auch hierzulande immer stärker bezweifelt. Das sorgt für Verwirrung bei den internationalen Goldhändlern und -analysten: In einer Bloomberg-Erhebung zur Preisentwicklung des Edelmetalls rechnen 50% mit dem dritten Jahresminus in Folge, während die anderen 50% einen Anstieg erwarten.

Die zunehmende Ungewissheit über die Zinsentwicklung hat die Volatilität des Goldpreises in die Nähe eines Drei-Monats-Hochs getrieben. Auch die internationalen Hedgefonds haben die Orientierung verloren – in vier der vergangenen sieben Wochen lagen sie mit ihren Wetten auf die Tendenz der Preise daneben. Selbst jene beiden Prognostiker, die im letzten Quartal die treffsichersten Vorhersagen machten, schätzen die Auswirkungen der Fed-Entscheidungen auf den Goldpreis unterschiedlich ein.

1.200 Dollar in Sicht

„Einige Leute werden schier verrückt vom Warten”, sagt Alan ­Gayle, leitender Stratege bei RidgeWorth Investments in Atlanta. „Die Ungewissheit über die nächsten Aktionen der Notenbank macht es nicht eben einfach, Richtungsfaktoren für Gold zu benennen.”

In den letzten fünf Quartalen ist der Goldpreis gefallen; einen Abwärtstrend von dieser Dauer gab es zuletzt 1997. Vor dem Hintergrund einer beschleunigten Konjunkturerholung in den USA und erhöhter Beschäftigung galt es bis vor Kurzem als ausgemacht, dass die Fed ihre Ankündigungen wahrmachen und die Zinsen anheben werde. Doch im letzten Monat ist diese Gewissheit erschüttert worden – und prompt schloss der Goldpreis erstmals seit Mai über der 200-Tage-Linie. Das globale Finanzinstitut UBS sieht seine Prognose bestätigt: Im Juli konnte der Goldpreis einen Boden bilden, charttechnisch erkennbare Kaufsignale haben sich bestätigt, und der Preis des Edelmetalls startet Richtung Jahres­ende in die Erholung.
Anfang Oktober bildete sich eine größere Dreiecksformation. Mit dem Brechen der wichtigen Marke von 1.150 US-Dollar je Feinunze ergab sich ein Ausbruchssignal.
Mit dem Überwinden von 1.170 US-Dollar je Unze Gold sei, so die UBS, der Weg frei für einen weiteren Preisanstieg. Genau das ist nun passiert, der Goldpreis liegt aktuell bei 1.167 US-Dollar, und die 1.200 US-Dollar-Marke ist nah.
Der Rückgang der Aktienmärkte allgemein und eine weltweit noch nicht so ganz in die Gänge gekommene Konjunktur verleihen dem Gold wieder mehr Glanz; der oft zitierte sichere Hafen scheint also sehr wohl noch zu funktionieren.

Nichts Genaues weiß man nicht

Es gibt aber auch Gegenstimmen: 21 von 41 aktuell von Bloomberg befragte Analysten zwischen Sydney und New York rechnen für das Jahresende mit einem niedrigeren Goldpreis als Anfang Jänner 2015; die andere Hälfte geht von einem Plus aus.

Barnabas Gan von Oversea Chinese Banking Corp. erwartet, dass der Goldpreis in den letzten beiden Monaten des Jahres auf 1.050 US-Dollar fällt – wenn die Fed noch heuer erstmals seit 2006 die Zinsen anhebt. Tut sie das nicht, dann müsste Gan auch seinen Ausblick für 2016 revidieren, der derzeit einen Rückgang auf 950 US-Dollar vorsieht. „Selbst wenn die Zinsen länger niedrig bleiben, würde ich mein Geld nicht in Gold stecken”, kommentiert Robin Bhar von der Société Générale SA. „Ich sehe eher Aufwärtspotenzial bei Aktien.” Jede Rallye beim Goldpreis bewertet er als gute Gelegenheit zum Verkauf.
„Gold ist ein so riesiger Markt, der von so vielen Faktoren beeinflusst wird, dass es schlichtweg unmöglich ist, alle Möglichkeiten einzukalkulieren”, fasst Christopher Cruden, CEO bei Insch Capital Management, zusammen. „Am besten filtert man die ganzen Hintergrundgeräusche und die Emotionen heraus und hält sich beim Handel mit Gold an objektive Indikatoren.” Leicht gesagt ...

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