••• Von Reinhard Krémer
Sparen ist angesagt: 85% der Betriebe verfolgen unverändert einen klaren Sparfokus – das sind um fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Angesichts dieser betrieblichen Ausrichtung ist eine großflächige Investitionsbereitschaft weiterhin nicht in Sicht. Lediglich jeder fünfte Betrieb will 2026 Geld für Investments in die Hand nehmen – insbesondere die Digitalisierung bzw. die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (59%) stehen dabei im Mittelpunkt. 90% der Investitionen erfolgen lediglich im geringen oder maximal moderaten Ausmaß.
Dazu wird am häufigsten auf Eigenmittel (68%) zurückgegriffen, finanziert wird aus dem Cashflow. Das geht aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervor. Eine Analyse der Ratingklassen aus der KSV1870 Wirtschaftsdatenbank zeichnet ein ähnliches Bild.
Mehrheit mit geringem Risiko
Zwar befinden sich 87% der Unternehmen nach wie vor in einer Ratingklasse mit geringem Risiko, jedoch gibt es innerhalb dieser Klassen Verschiebungen nach unten: Unternehmen aus der 2er-Klasse sind in die 3er- und 4er-Klasse abgerutscht. Aktuell befinden sich 85% (2025: 80%) der Unternehmen im Sparbetrieb – das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. 14% (2025: 13%) von ihnen haben derzeit ein „offizielles“ Sparprogramm installiert, weitere 71% (2025: 67%) „sparen im laufenden Betrieb“.
Zu jenen innerbetrieblichen Bereichen, die von Sparmaßnahmen häufig betroffen sind, zählen der Einkauf, das Energiemanagement und der Bereich Kommunikation/Werbung/Events. Dabei geht es auch um Sparpotenzial, das kurzfristig umgesetzt werden kann. Den größten Anteil an Unternehmen im Sparmodus verzeichnen die wissenschaftlichen/technischen Dienstleistungen – dazu zählen u.a. Architekturbüros, Forschung & Entwicklung, Rechts-/Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der Bereich Werbung/PR/Marktforschung und Unternehmensberater.
Wo weniger gespart wird …
Demgegenüber stehen Unternehmen aus den Sektoren „Erziehung und Unterricht“ (37%) sowie aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (30%), die am häufigsten ohne Sparmaßnahmen auskommen.
Unter dem massiven Kostenmanagement leidet auch die Investitionsbereitschaft in den Unternehmen. Lediglich 18% (2025: 16%) der Betriebe planen im Jahresverlauf konkrete Investments zu tätigen. Für weitere 35% (2025: 40%) sind diese eine Frage der wirtschaftlichen Machbarkeit, während 47% (2025: 44%) etwaige Investitionen bis Jahresende kategorisch ausschließt.
… und wer investieren will
Am ehesten sind Investments im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleister, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen geplant. Von jenen Unternehmen, die heuer tatsächlich investieren möchten, sagen jedoch nur zehn Prozent an, dass sie das „in hohem Ausmaß“ tun wollen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr spricht die deutliche Mehrheit (90%) von Investitionen in geringem (38%) oder maximal moderaten Ausmaß (52%).
KI & Digitalisierung im Fokus
Auf die Frage, was die aktuell wichtigsten Motive für Investitionen sind, haben 59% die Digitalisierung bzw. Implementierung von Künstlicher Intelligenz auf Platz eins gesetzt. „Auch wenn Österreichs Unternehmen derzeit nur in bescheidenem Ausmaß investieren, lässt sich zumindest ein klarer Fokus erkennen. Die Digitalisierung ist für die allermeisten Branchen ein zentraler Faktor, wenn es um die Frage der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit geht, insofern sind Investitionen in diesem Bereich zu begrüßen“, sagt Günther Fasching, Prokurist der KSV1870 Information GmbH.
Darüber hinaus wird aktuell am ehesten in Maßnahmen zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit (34%) investiert. Am dritthäufigsten wurden „Reine Ersatzinvestitionen“ (31%) genannt, die getätigt werden müssen, weil bisherige Lösungen, etwa Produktionsmittel) nicht mehr funktionieren – sie dienen vor allem dem Erhalt von Bestehendem.
Nach wie vor wird ein Großteil der Investments in Österreich aus Eigenmitteln (68%) finanziert – daran hat sich seit Jahren nichts Grundlegendes geändert. Auffallend ist jedoch, dass die Finanzierung mittels Cashflows in den vergangenen zwölf Monaten um neun Prozentpunkte auf 46% zugelegt hat. Überdurchschnittlich häufig wird diese Finanzierungsart in der Gastronomie/Beherbergung (56%) gewählt.
Cash für kleine Investments
Ein Grund ist, dass in der Gastronomie täglich Geld fließt, wodurch ein stetiger Cashflow entsteht, der unmittelbar für zumindest kleinere Investments genutzt werden kann. Auf Position drei liegen, wie zuletzt Bankkredite (22%), wobei die aktuelle KSV1870 Umfrage einmal mehr zeigt, dass auch in diesem Jahr die deutliche Mehrheit auf einen Kreditantrag verzichtet – lediglich neun Prozent haben einen solchen für 2026 fest eingeplant.
Weitere 15% haben in dieser Frage noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Es ist also durchaus möglich, dass die Marke von jenen 20%, die im Vorjahr einen Kredit beantragt haben, heuer nicht erreicht wird. Auch, weil zwei Drittel der Befragten den Prozess der Kreditaufnahme als unverändert schwierig bewerten.
Gefahr Abwanderung
Die aktuelle Geschäftslage der heimischen Unternehmen ist weiterhin deutlich zu niedrig und einen Aufschwung erwarten sie nicht. Nur 48% der Betriebe bewerten ihre gegenwärtige wirtschaftliche Situation mit „sehr gut“ oder „gut“. Das sind zwar um fünf Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2025, dennoch liegt dieses Ergebnis deutlich unter jenem aus Vorkrisenzeiten – hier liegt der Referenzwert bei mindestens 60%.
Infolgedessen denkt jedes sechste Unternehmen (17%) darüber nach, zumindest einzelne Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Und: Nur sechs Prozent der befragten Industrieunternehmen sind mit der seitens der Bundesregierung präsentierten „Industriestrategie Österreich 2035“ zufrieden.
Stetige Erosion der Wirtschaft
„Österreichs Wirtschaft ist seit einigen Jahren von einer sanften, aber stetigen Erosion geprägt. Ein Aufschwung wird von den Unternehmen für unser Hochpreisland kaum erwartet, denn eine Krise jagt die nächste und es scheint kein Ende in Sicht. Aktuell befeuert die Perspektivlosigkeit aufseiten der Betriebe Exitszenarien und es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mittelfeld abzurutschen“, sagt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG.
Laut der KSV1870 Umfrage sind lediglich 48% (2025: 43%) der Unternehmen mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage zufrieden. Zudem erwartet nur jeder fünfte Betrieb (22%), dass sich die Lage im Jahr 2026 entscheidend verbessern könnte. Zur aktuellen Situation sagt Vybiral: „Die Wellen sind mächtig; da wird noch der Eine oder Andere in Seenot kommen.“
