Rückgang bei den Firmenpleiten
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Immer mehr Betriebe können die Kosten in der Höhe von 4.000 Euro für ein ordentliches Insolvenzverfahren nicht stemmen
FINANCENET Redaktion 27.03.2026

Rückgang bei den Firmenpleiten

Laut KSV ist die Zahl der Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr gesunken – keine nachhaltige Trendumkehr.

WIEN. Laut aktueller KSV1870-Hochrechnung mussten im ersten Quartal 2026 in Österreich 1.687 Unternehmen (–6% gegenüber 2025) Insolvenz anmelden. Das sind im Schnitt fast 19 Betriebe pro Tag. Zu den Insolvenztreibern zählen der Handel, das Baugewerbe und der Sektor Gastronomie/Beherbergung – sie verzeichnen seit Jahresbeginn 44% aller Firmenpleiten.

Vorläufige Passiva rückläufig
Die vorläufigen Passiva belaufen sich auf rund zwei Milliarden Euro (–23,6%). Ohne die bis dato größte Insolvenz des Jahres, jene der Laura Privatstiftung (rd. eine Milliarde Euro), würden die Passiva noch weitaus niedriger ausfallen.
Darüber hinaus sind seit Jahresbeginn 9.600 Gläubiger (–14,3%) und 6.000 Arbeitnehmer (+3,4%) betroffen. Mit Blickrichtung Jahresende ist eine seriöse Prognose aktuell nur bedingt möglich – aus heutiger Sicht dürfte das Vorjahresniveau jedoch eher nicht erreicht werden. Besonders besorgniserregend ist vor allem eine Entwicklung: Während die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren um rund zwölf Prozent gesunken ist, ist jene der mangels Masse nicht eröffneten Fälle um knapp fünf Prozent gestiegen. Mittlerweile machen die Nichteröffnungen bereits 41% aller Unternehmensinsolvenzen in Österreich aus.

Gefahr für den Standort
Für den heimischen Wirtschaftsstandort ist es ein Alarmsignal, dass immer mehr Betriebe nicht in der Lage sind, die Kosten in der Höhe von 4.000 € für ein ordentliches Insolvenzverfahren aufzubringen.  Zu Beginn des Jahres verzeichnen mit dem Handel (272 Fälle) und dem Baugewerbe (240) jene Branchen die meisten Insolvenzen, die bereits in den vergangenen Jahren mit besonders hohen Fallzahlen zu kämpfen hatten. Erfreulich ist jedoch, dass es sowohl im Handel (–10%), als auch im Baugewerbe (–14%) gegenüber dem Vorjahr zu spürbaren Rückgängen gekommen ist.  Darüber hinaus sind auch im Grundstücks- und Wohnungswesen (–25%) und im Bereich „Herstellung von Waren“ (–17%) die Fallzahlen signifikant gesunken.

Gastronomie unter Druck
Die Branche mit der drittgrößten Zahl an Insolvenzen ist wie zuletzt die Gastronomie/Beherbergung mit 226 Fällen (+14%). „Hier hat sich die Lage in den vergangenen Monaten weiter verschärft“, so KSV-Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze.
Die Gründe dafür liegen in einem Ursachenmix, der sich vorwiegend aus hohen Betriebskosten (Energie-, Lebensmittel-, Personalkosten), einer schwachen wirtschaftlichen Gesamtlage, wodurch Restaurantbesuche vermehrt reduziert werden, und strukturellen Problemen (geringe Gewinnmargen, starker Konkurrenzkampf; Anm.) zusammensetzt.

Woher die Schieflage kommt
Gleichzeitig müssen vielerorts die Öffnungszeiten der Gastronomiebetriebe verkürzt werden, etwa aufgrund von Personalmangel oder aus wirtschaftlichen Gründen. Dadurch wird es notwendig, dringend benötigte Einnahmen innerhalb einer kürzeren Zeitspanne zu erwirtschaften, was jedoch nicht immer gelingt und mittelfristig in finanzielle Schieflage führt.
Unsicherheitsfaktoren 2026

Im Angesicht globaler Spannungen und bestehender wirtschaftlicher Entwicklungen ist eine seriöse Prognose für das heurige Insolvenzjahr zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich. Was aktuell durchaus im Bereich des Möglichen liegt, ist, dass zum Jahresende 2026 das Vorjahrsergebnis bei den Unternehmensinsolvenzen wohl nicht überschritten werden wird, so Götze.
Auch die gesetzlichen Anpassungen des Insolvenzwesens und das unverändert hohe Kostenniveau werden ihre Auswirkungen erst im Laufe des Jahres entfalten. (rk)

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