••• Von Sabine Stehrer
WIEN. Jurgen Willems ist Leiter des Instituts für Public Management & Governance im Department Management an der Wirtschaftsuniversität Wien. Im Interview mit medianet spricht er über den boomenden Life-Sciences-Sektor und das neue Studium „Life Science & Healthcare Management“.
medianet: Warum gewinnt der österreichische Life-Sciences-Sektor gerade immer mehr an Bedeutung?
Jurgen Willems: Nicht nur in Österreich wird dieser Sektor immer bedeutender. Der Life-Sciences-Sektor boomt in ganz Europa. Ich denke, das kommt von Corona. Corona hat uns gezeigt, wie wichtig dieser Bereich ist. In Österreich, vor allem in Wien, geht die zunehmende Bedeutung von Life Sciences aus meiner Sicht darüber hinaus noch darauf zurück, dass man eine starke Tradition als Forschungsstandort hat und zugleich sehr gute Universitäten mit guten Forschungsinstituten und vielen hochqualifizierten Fachkräften, Topleuten aus der ganzen Welt.
medianet: An der Wirtschaftsuni haben Sie auf den Boom reagiert und bieten das neue Studium ‚Life Science & Healthcare Management‘ an. Was lernt man, wenn man das studiert?
Willems: Diejenigen, die im September 2025 mit diesem Executive MBA-Studium begonnen haben, sind alle Topspezialisten aus dem Life-Sciences-Bereich mit einiger Berufserfahrung. Sie lernen gerade und noch bis September 2026, wie Management im Allgemeinen funktioniert. Danach wird es ein halbes Jahr lang um Management konkret in den Life Sciences gehen. Also darum, zu lernen, wie man in Teams arbeitet, die ausschließlich aus hochspezialisierten Fachkräften bestehen, von denen jeder aber eine andere Sprache spricht, also eine andere Fachsprache. Das ist von der Dynamik her ja sehr speziell.
medianet: Lernen die Studierenden auch voneinander etwas aus den jeweils anderen Fachgebieten?
Willems: Ja, auch das ist ein Ziel, das wir mit dem neuen Studienangebot verfolgen. Die Studierenden sollen ein breites interdisziplinäres Verständnis entwickeln. Uns ist wichtig, dass es viel Interaktion zwischen ihnen gibt. Das coachen wir. Wir machen auch eine Reise mit den Studierenden, und zwar nach Brüssel zu dem dortigen Life Science Hub.
medianet: Sie selbst hatten ja die Idee für das Studium. Wie sind Sie darauf gekommen?
Willems: Ich habe mir in Anbetracht der Entwicklung, dass Wissenschafter, Ärzte, Biologen, Pharmakologen oder Biotech-Unternehmer zunehmend in Managementpositionen in den Life Sciences wechseln, gedacht, dass es für sie eine Ausbildung braucht.
medianet: Wie wird sich der Life-Sciences-Sektor in Österreich in den nächsten Jahren entwickeln?
Willems: Sehr gut, meine ich. Denn mit dem Life Science Austria besteht ein tolles strategisches Schwerpunktprogramm zur Förderung der Biotechnologie und der Pharmabranche. Mit Biotech Austria gibt es dann noch eine starke Interessensvertretung der österreichischen Biotechnologiebranche, die schon 60 Mitglieder hat. Und noch einmal einen Aufwind wird der-Life-Sciences-Sektor in Wien bekommen, wenn 2029 das neue Life Science Center eröffnet wird.
medianet: Dann wird auch der Bedarf an Ihrem neuen Studium steigen?
Willems: Das hoffe ich. Ich hoffe außerdem, dass die Leute, die in ihrem Forschungsbereich gut sind, rasch realisieren, dass sie auch Managerfähigkeiten brauchen und sich diese schnell aneignen.
