HEALTH ECONOMY
Nichtraucherschutz: Kampagne der Ärzte läuft © Generation Rauchfrei
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Martin Rümmele 28.09.2018

Nichtraucherschutz: Kampagne der Ärzte läuft

Das „Don’t Smoke”-Volksbegehren geht kommende Woche in die finale Phase. Ärzte und Krebshilfe machen mobil.

••• Martin Rümmele

Es könnte das größte Volksbegehren in der Geschichte werden und die Regierung in kräftige Probleme bringen. Dabei schien es, als sei die Aufkündigung des Rauchverbots in der Gastronomie genau als Gegenteil gedacht, nämlich als Ablenkung von anderen politischen Themen. Doch das könnte nun wie ein Bumerang zurückkehren. Ab 900.000 Unterstützungen solle es künftig verpflichtende Volksabstimmungen geben, gab einst Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) die Linie vor. Jetzt peilen die Initiatoren des Nichtraucherschutzvolksbegehrens genau diese Linie an. Fast zwei Drittel der Strecke sind bereits zurückgelegt: Schon in der Unterstützungszeit, die für den Start des Volksbegehrens nötig war, haben mehr als 590.000 Personen unterschrieben. Jetzt soll der Rest folgen.

Die Wiener Ärztekammer, die Österreichische Krebshilfe und die einst vom später an Lungenkrebs verstorbenen News-Redakteur Kurt Kuch gegründete Initiative „Don't Smoke” fahren ein inhaltlich deutliches Programm mit harten Fakten: Das Rauchen verursacht einer Untersuchung der Instituts für Höhere Studien zufolge in Österreich etwa jährlich Kosten von rund 2,4 Mrd. €. „Das ist eine erhebliche Summe, die man einfach vermeiden könnte”, sagte der Studien-Leiter Thomas Czypionka bei einer Pressekonferenz. Schon eine Tabakpolitik, die sich an führenden europäischen Ländern orientiert, würde mehr als eine Milliarde Euro einsparen. Zum Vergleich: Das ist jene Summe, die die Regierung durch die Fusion der Krankenversicherungen einsparen will.

Österreich steht schlecht da

Der Anteil an Rauchern ist in Österreich jedenfalls deutlich höher als in anderen EU-Ländern. In der jüngsten Gesundheitsbefragung der Statistik Austria gaben 24% der Befragten an, täglich zu rauchen; im EU-Schnitt beträgt dieser Anteil laut Eurostat nur 18%. Auf dem European Tobacco Control Scale, der europaweit die verschiedenen politischen Maßnahmen zur Tabakreduktion vergleicht, belegt Österreich den letzten Platz.

Die hohe Anzahl an Rauchern sorgt nicht nur für menschliches Leid und deutlich reduzierte Lebenszeit bei den Tabakkonsumenten, sondern auch für immensen wirtschaftlichen Schaden. Das Argument, dass Raucher dies mit der Tabaksteuer abfedern, ist Czypionka zufolge nicht richtig. Die Einnahmen von 1,8 Mrd. € durch die Steuer decken die Kosten bei Weitem nicht ab. Gleich mehrere Studien sind inzwischen auch zum Schluss gekommen, dass sich ein Rauchverbot – bis auf Bars und Pubs – nicht negativ auf die Gastronomie wirkt. „Die Gastronomen müssen sich nicht fürchten”, sagt Czypionka.
Was in der Diskussion bisher untergeht: Die Tabakpreise sind in Österreich im internationalen Vergleich niedrig. „Ein Prozent Preiserhöhung bei Zigaretten macht 0,5 Prozent Konsumrückgang. Das ist heute Lehrbuchwissen, ist aber im Bundes­ministerium für Finanzen noch nicht angekommen. Preiserhöhungen sind das Wichtigste, siehe auch zum Beispiel Aus­tralien, wo eine Packung Zigaretten auf 17 Euro kommt”, stellte der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze gegenüber der APA fest.
Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres wird indes nicht müde, zu betonen, dass sich das Volksbegehren nicht gegen Raucher wende, sondern zum Schutz der Nichtraucher gedacht sei, denn auch Passivrauch sei gefährlich. „In Österreich ist ein Drittel aller Krebserkrankungen auf das Rauchen sowie das passive Mitrauchen zurückzuführen. Rund 13.000 Österreicher sterben jährlich an den Folgen des Tabakkonsums”, sagt Szekeres. Lungenkrebs ist mit 21% die häufigste Todesursache sämt­licher Krebsarten in der EU.
Zwischen dem Beschluss der Regierung im Mai, das geplante Rauchverbot wieder aufzuheben und dem Start der Eintragungswoche am Montag seien statistisch 431 Menschen an Passivrauch verstorben, rechneten am Mittwoch junge Ärzte und Apotheker der Initiative „Generation rauchfrei” vor.

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