••• Von Evelyn Holley-Spiess
KUNDL. Es ist eine Ansage mit Sprengkraft: Der Generika-Hersteller Sandoz will an seinem Standort im Tiroler Kundl (Bezirk Kufstein) rund 100 Mitarbeiter abbauen. Man plane die Schließung des Development Centers, das auf die Entwicklung generischer Arzneimittel ausgerichtet ist, bestätigte das Unternehmen vergangene Woche mehrere Medienberichte. Die Entscheidung würde die Entwicklungsorganisation betreffen, nicht den Antibiotika-Produktionsstandort, wurde betont.
Kritik an Auslagerungen
In der lokalen Politik – und auch darüber hinaus – löste die Ankündigung eine Schockwelle aus. SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter und Landesparteivorsitzender Philip Wohlgemuth, machte aus seinem Unmut kein Geheimnis: „Wenn ein Unternehmen über Jahre hinweg von öffentlichen Förderungen und Investitionen in den Standort profitiert und gleichzeitig hoch qualifizierte Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, dann ist das nicht akzeptabel“, wurde er in einer Parteiaussendung zitiert. Die Steuerzahler hätten ihren Beitrag geleistet, um den Pharmastandort Tirol zu sichern. „Dass nun Entwicklungsabteilungen nach Slowenien und Indien verlagert werden sollen, wirft berechtigte Fragen auf“, sagt Wohlgemuth. Er bezieht sich dabei auch auf Äußerungen des Betriebsrats, wonach bis zu 190 Jobs wackeln könnten. Demnach soll in zwei Abteilungen Personal gekürzt sowie die aufgelöste Abteilung in die genannten Länder verlagert werden.
Scharfe Kritik – allerdings in eine andere Richtung – formulierte FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak. Er warf der Bundesregierung Unwillen vor, den Pharmastandort Österreich abzusichern.
Zentrum für Penicilline
Von Seiten des Unternehmens wurde argumentiert, dass es darum gehe, „wettbewerbsfähig zu bleiben und die Organisation zukunftsorientiert aufzustellen“. Kundl bleibe für Sandoz jedenfalls weiterhin das strategische Zentrum für Penicilline, was in Europa „einzigartig“ sei, wurde beteuert. Das Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz beschäftigt in Österreich derzeit insgesamt 2.700 Mitarbeiter.
