Rüge von OECD
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Zu chronischen Folgeerkrankungen wie Fatigue und zu Fehlzeiten kann es bei Long Covid kommen. Das kostet viel Geld.
HEALTH ECONOMY Redaktion 17.04.2026

Rüge von OECD

Long Covid-Patienten werden laut OECD unzureichend behandelt. Ohne Änderung drohe eine Kostenexplosion.

••• Von Sabine Stehrer

WIEN/PARIS. Zwar wurde die Corona-Pandemie vor etwa drei Jahren als beendet erklärt. An Long Covid könnte laut Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Hauptsitz in Paris aber noch in den nächsten neun Jahren bis 2035 ein Prozent der Bevölkerung erkranken. Das entspricht hierzulande 92.000 Menschen.

Die Krankheit verursacht nicht nur viel Leid zu Lasten der Patienten und ihrer Angehörigen, sondern auch hohe Kosten. Diese könnten bis zum Jahr 2035 den Umfang von 0,1 bis 0,2% des Bruttoinlandsprodukts erreichen, warnt die OECD. In Österreich wären das Beträge in der Höhe von 513 Millionen bis zu einer Milliarde Euro. Die Kosten ergeben sich durch mehrere Faktoren. Dazu zählen krankheitsbedingte Fehlzeiten, Behandlungen chronischer Folgeerkrankungen wie Atemwegserkrankungen, Blutdruckschwankungen, Behandlungen des Fatigue-Syndroms oder psychischer Probleme, für die Long Covid-Patienten besonders anfällig sind. Aber auch Kosten, die sich aus einem verfrühten Ausscheiden Betroffener aus dem Berufsleben ergeben, wurden in die errechneten Summen miteinbezogen.

Vor allem durch Letzteres drohe eine Kostenexplosion, und Frühpensionierungen müssten nicht sein, wenn Änderungen vorgenommen würden und Long Covid-Patienten nicht mehr so unzureichend wie jetzt behandelt würden. Was es brauche sei ein besseres Diagnostizieren und eine entsprechende Organisation der Gesundheitsversorgung der Betroffenen, heißt es seitens der OECD. Die Organisation rügte ihre 38 Mitgliedsstaaten aber noch für weitere Defizite.

Nicht einmal eine Strategie
Es mangele auch an klinischen Leitlinien für die Diagnose und Behandlung von Long Covid. Darüber hinaus gebe es für medizinisches Fachpersonal kaum bis gar keine Möglichkeiten, sich entsprechend weiterzubilden.
Am meisten fortgeschritten seien in diesen Angelegenheiten noch Deutschland und die Niederlande. Alle übrigen 36 OECD-Mitgliedsstaaten hätten nicht einmal eine Strategie, um die Missstände in Sachen Long Covid zu beseitigen.

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