Selten, aber dafür umso belastender
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Die Einstellung der Schilddrüse und regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind entscheidend, um EO rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
HEALTH ECONOMY Redaktion 30.04.2026

Selten, aber dafür umso belastender

Seltene Erkrankungen werden oft übersehen – wie die endokrine Orbitopathie. Das hat Folgen für Betroffene.

••• Von Evelyn Holley-Spiess

WIEN. Sie kommen nicht häufig vor, ihre Namen sind meist unbekannt und dadurch schaffen sie es auch kaum in die Schlagzeilen: seltene Erkrankungen wie die endokrine Orbitopathie (EO). Dahinter verbirgt sich eine Autoimmunerkrankung, die Augen, Lider und Augenmuskeln betrifft – und die den Alltag tiefgreifend verändert. Eva Stifter, Fachärztin für Augenheilkunde, beschäftigt sich schon lange und intensiv mit dieser Erkrankung. Im Gespräch mit medianet erklärt sie, welche Risikofaktoren mitunter übersehen werden und warum – wie sooft – auch bei endokriner Orbitopathie die Früherkennung so wichtig ist. Bei EO „handelt es sich um eine Fehlreaktion des Immunsystems, die Entzündungen und Schwellungen auslöst – mitunter so stark, dass die Augen hervortreten,“ schildert Stifter.

Die Krankheit tritt dabei meist im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen auf, vor allem bei Morbus Basedow. Der Anfang wirkt harmlos, weiß die Ärztin: Die Augen brennen oder tränen, sind lichtempfindlich oder fühlen sich trocken an. „Manche Betroffene beschreiben es, als hätten sie ständig Sand im Auge. Dazu kommen Druckgefühl und Schmerzen bei Augenbewegungen.“  Diese ersten Anzeichen seien oft schwer einzuordnen. EO werde daher häufig erst erkannt, wenn die Veränderungen wirklich sichtbar – und damit für die Betroffenen zur Belastung werden.

Arbeitsalltag eingeschränkt
EO werde nach wie vor häufig als kosmetisches Problem gesehen und abgetan. Obwohl die Erkrankung mit Schmerzen und eingeschränkter Augenbeweglichkeit einhergeht und auch den Sehnerv in Mitleidenschaft ziehen kann. Patienten würden oft mitten im Leben getroffen, der Alltag sei dann nicht mehr derselbe: Betroffene könnten ihren Beruf über Jahre nur eingeschränkt oder gar nicht mehr ausüben, weiß die Expertin. Bildschirmarbeit sei schwierig, Lesen anstrengend, Autofahren mitunter unmöglich.

Damit es nicht soweit kommt, empfiehlt die Fachärztin vorbeugende Kontrollen: Entscheidend sei, EO früh zu erkennen und zu behandeln. Dazu gehören eine stabile Einstellung der Schilddrüse, regelmäßige augenärztliche Kontrollen und – je nach Aktivität und Schweregrad – eine abgestimmte Therapie.

Nicht weniger wichtig ist die Information für die Menschen, gerade auch über Risikofaktoren. Stifter: „Raucher haben ein höheres Erkrankungsrisiko, sprechen schlechter auf die Behandlung an und haben häufiger schwere Verläufe mit Dauerfolgen als Nicht-Raucher“. In Österreich sind rund 8.000 Personen – und hier vor allem Frauen – von endokriner Orbitopathie betroffen.

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