Umbruch im Markt
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HEALTH ECONOMY Redaktion 20.03.2026

Umbruch im Markt

Der Arzneimittelhandel verändert sich. Die Apotheken sind Treiber und Getriebene, sagen die Spitzen des Apothekerverbandes.


••• Von Martin Rümmele

WIEN/SCHLADMING. Die österreichischen Apotheken stehen vor einem tiefgreifenden Umbruch. Steigende Kosten, Lieferengpässe und wachsender Wettbewerb setzen die Betriebe zunehmend unter Druck – gleichzeitig eröffnen neue Dienstleistungen wie die geplante Impferlaubnis ab 2027 und digitale Ansätze Perspektiven. Ein zentrales Problem sei derzeit der stark gestiegene Aufwand rund um Arzneimittel, sagt der Präsident des Apothekerverbandes, Thomas Veitschegger im medianet-Interview. Vor allem bei generischen Medikamenten bleibe die wirtschaftliche Deckung gering, während die Beschaffung durch Lieferprobleme immer komplexer werde. Apotheker müssten deutlich häufiger eingreifen und Alternativen organisieren.

Wirtschaftlicher Druck
Auch die gesamtwirtschaftliche Lage verschärfe die Situation zusätzlich, ergänzt Vizepräsident Alexander Hartl. Nicht nur die Betriebe selbst, sondern auch die Krankenkassen stünden unter Druck. Ziel müsse daher sein, Apotheken stärker zu unterstützen – etwa durch Instrumente, mit denen sie ihre wirtschaftliche Lage besser analysieren und mit anderen vergleichen können.

Vor diesem Hintergrund rückt die strategische Neuausrichtung der Branche in den Fokus. Veitschegger betont, dass die klassische Arzneimittelspanne langfristig kaum wachsen werde. „Wir müssen den Blick nach vorne richten“, macht er deutlich. Zusätzliche Dienstleistungen seien daher unverzichtbar.
Ein zentrales Element dieser Erweiterung könnte das Impfen in Apotheken werden. Veitschegger verweist darauf, dass entsprechende Modelle in vielen europäischen Ländern bereits etabliert seien – ein Beleg dafür, dass das Konzept funktioniere.

Hartl sieht auch in den Erfahrungen aus der Pandemie einen wichtigen Beweis für die Leistungsfähigkeit der Branche. Innerhalb kürzester Zeit sei ein flächendeckendes Testsystem aufgebaut worden, das für viele Menschen den einfachsten Zugang dargestellt habe. Diese Dynamik könne nun auch bei Impfangeboten genutzt werden. Veitschegger betont jedoch, dass es nicht darum gehe, Ärzten Patienten abzunehmen. Vielmehr wolle man zusätzliche Zielgruppen erreichen – etwa Menschen, die Impfungen im Alltag aufschieben oder keinen Termin vereinbaren.

Neben regulatorischen Fragen wächst auch der Wettbewerbsdruck. Der Versandhandel mit Gesundheitsprodukten gewinne zunehmend an Bedeutung, beobachtet Hartl. Immer mehr Anbieter drängten in den Markt. Veitschegger sieht dabei auch kritisch zu betrachtende Geschäftsmodelle entstehen, etwa wenn eingesandte Tests automatisch zu Produktempfehlungen führen. Hier stelle sich die Frage nach der Qualität und Regulierung solcher Angebote. Aus Sicht der Branche wäre eine stärkere Kontrolle insbesondere von Produkten aus dem Ausland wünschenswert.

Flächendeckendes Netz
Entscheidend sei aus Verbandssicht vielmehr die strategische Positionierung der Apotheke im Gesundheitssystem. Veitschegger sieht hier großes Potenzial: „Die rund 1.450 Apotheken in Österreich bilden ein flächendeckendes Netz, das weit über die reine Arzneimittelabgabe hinausgehen könne.“ Perspektivisch könnten sie sich zu dezentralen Gesundheitszentren entwickeln – mit stärkerem Fokus auf Beratung, Prävention und zusätzliche Services.

Parallel dazu bleibt der Fachkräftemangel ein strukturelles Problem. Die Zahl der Lehrlinge gehe österreichweit seit Jahren zurück, sagt Hartl – ein Trend, der auch die Apotheken betrifft. Dennoch zeigen erste Maßnahmen Wirkung. Laut Veitschegger ist das Interesse an der Ausbildung zur pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenz (PKA) zuletzt wieder gestiegen, ebenso die Qualität der Bewerbungen.

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