INDUSTRIAL TECHNOLOGY
AustroCel liefert fortschrittliches Bio-Ethanol an OMV © AustroCel Hallein/Michael Schartner
© AustroCel Hallein/Michael Schartner

Paul Christian Jezek 14.01.2021

AustroCel liefert fortschrittliches Bio-Ethanol an OMV

Betrieb der weltweit größten Anlage auf Holzbasis erfolgreich angelaufen.

HALLEIN. Die AustroCel und die OMV haben noch im Dezember 2020 ihre langfristige Kooperation begonnen. Inzwischen wurde der Vollbetrieb aufgenommen und es wurden die regelmäßigen Lieferungen gestartet. Die Halleiner Anlage hat eine jährliche Kapazität von bis zu 35 Mio. l und ist damit die weltweit größte Bio-Ethanol-Anlage auf Holzbasis. Im ersten Jahr wird AustroCel Hallein monatlich bereits mehr als 1,5 Mio. l Bio-Ethanol der zweiten Generation an die OMV liefern. „Wir werden unsere langfristige Strategie der ‚Green AustroCel‘ weiterführen und Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Erfolg verbinden“, erklärt AustroCel-CEO Jörg Harbring.

Bio-Ethanol aus Hallein wird ausschließlich auf Basis von zellulosischen Reststoffen hergestellt und gilt als besonders umweltfreundlich, da keine Futter- oder Nahrungsmittel verwendet werden. Das Bio-Ethanol wird aus Holzzucker gewonnen, der bei der Zellstoffherstellung anfällt und dann fermentiert und destilliert wird. Mit dieser nachhaltigen Basis zählt das Bio-Ethanol der AustroCel Hallein zur Kategorie der „fortschrittlichen Biokraftstoffe“. So kann es in Zukunft Benzinkraftstoffen beigemengt werden.

Durch den Ersatz von fossilem Brennstoff werden pro Jahr rund 45.000 t CO2 eingespart; das Produkt wird so einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Intensität des OMV Produktportfolios liefern. „Mit dem Einsatz eines fortschrittlichen Biokraftstoffs der zweiten Generation kann die OMV einen wertvollen Beitrag leisten, um die Erfüllung der internationalen Klimaziele zu unterstützen“, kommentiert OMV-Vorstand Thomas Gangl.

Die AustroCel GmbH hat in die neue Bio-Ethanol-Anlage am Betriebsgelände in Hallein rund 42 Mio. € investiert und Arbeitsplätze für zusätzliche 10 Mitarbeiter geschaffen. „Trotz der Herausforderungen der aktuellen Situation konnten wir mit höchsten Sicherheitsstandards über die gesamte Umsetzungszeit des Projekts unseren Zeit- und Kostenplan einhalten“, sagt Franz Dieterich, Leiter Projektmanagement bei AustroCel.

Hinter den Kulissen
In der EU regelt eine Reihe von Richtlinien den Einsatz von Biokraftstoffen. Mit der EU-Richtlinie 2009/28/EG „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ (Renewable Energy Directive, RED) wurden verbindliche Ziele gesetzt: 20% des Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien sowie ein Mindestanteil von 10% Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor (Strom, Wärme und Verkehr).

Im Dezember 2018 folgte die „Erneuerbare-Energien-Richtlinie II“ (EU 2018/2001, bzw. RED II), die ein verbindliches Ziel von 32% Erneuerbarer Energien für die EU 2030 sowie 14% für Erneuerbare Energien im Verkehrssektor bis 2030 festlegte. Ebenso wurde ein ansteigendes Ziel für fortschrittliche Biokraftstoffe (zweite Generation) festgesetzt. Die Höhe des Ziels liegt 2021 bei 0,2% und steigt 2025 auf ein und 2030 auf 3,5% an. Herkömmliche Biokraftstoffe (erste Generation) sind bis zu 7% zugelassen.

Die AustroCel Hallein GmbH beschäftigt derzeit 280 Mitarbeiter und zählt zu den Marktführern in China für Textilzellstoff aus Nadelholz mit einem Gesamtumsatz von rund 130 Mio. €. In der Bio-Raffinerie in Hallein werden bis zu 155.000 t Viskosezellstoff und 100 GWh Fernwärme sowie 100 GWh Grünstrom produziert. Damit versorgt das Halleiner Hightech-Unternehmen die eigene Produktion ebenso mit sauberer Energie wie rund 25.000 Haushalte mit Grünstrom und 10.000 Haushalte mit Fernwärme. (pj)

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