INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Covid-Pandemie verstärkt Digitalisierungsbedarf © APA/dpa/Sina Schuldt
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Redaktion 02.04.2021

Covid-Pandemie verstärkt Digitalisierungsbedarf

Großes Breitbandgipfel-Ziel: Bis 2030 soll es österreichweit feste und mobile Gigabit-Anschlüsse geben.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Die Anforderungen an die digitalen Infrastrukturen sind massiv gestiegen. „Der rasche und effektive Ausbau der Breitbandinfrastruktur mit fester und mobiler Technologie ist essenziell. Darum habe ich die Vertreter von Ländern, Gemeinden, Wirtschaftskammer und Telekom-Unternehmen an einen Tisch zusammengeholt, um das gemeinsam festgelegte Tempo für den Breitband-Ausbau in Österreich zu erhöhen”, betonte Telekommunikationsministerin Elisabeth Köstinger im Anschluss an den von ihr initiierten Breitbandgipfel in Wien. „Wir wollen Österreich bis 2030 flächendeckend mit festen und mobilen Gigabit-Anschlüssen versorgen.”

Aber auch wenn der kürzlich abgehaltene Breitbandgipfel das Thema wieder in die Schlagzeilen brachte, ist es ja nun nicht so, dass sich diesbezüglich gar nichts getan hätte.
Genaueres ließ sich in der zuständigen Sektion IV – Telekommunikation, Post und Bergbau im Bundesministerium Regionen, Landwirtschaft und Tourismus in Erfahrung bringen.

Wir werden schneller

Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der Gigabit-fähigen Internetanschlüsse in Österreich in den letzten 18 Monaten von 14% auf 38% der Haushalte angestiegen ist. Unter Berücksichtigung des geförderten Ausbaus werden Gigabit-fähige Anschlüsse in naher Zukunft für mehr als 45% der Haushalte verfügbar sein.

Damit liegt Österreich bei der Gigabit-Versorgung nahe dem europäischen Durchschnitt und vor Deutschland (33%), Italien (30%) und Großbritannien (10%). Betrachtet man die Gigabit-Versorgung auf Bundesländerebene, so zeigt sich, dass sich einzelne Bundesländer, wie Wien (93%), Vorarlberg (54%), Salzburg (50%) und Tirol (46%), bereits heute mit den besten Ländern Europas messen können.
Auch in den Bundesländern Oberösterreich und Niederösterreich konnten mithilfe der Initiative Breitband Austria 2020 bei der Versorgung mit Gigabit-fähigen Anschlüssen bereits subs­tanzielle Verbesserungen erzielt werden. In Oberösterreich kommt es mithilfe des geförderten Breitbandausbaus zu einem Anstieg auf insgesamt über 26% der Haushalte, in Niederösterreich auf knapp 20%.



5G in Stadt und Land

Die erste 5G-Frequenzversteigerung [3.4-3.8 GHz] wurde ja im März 2019 abgeschlossen. Bei der Auktion konnten alle Mobilfunkbetreiber eine ausreichende und homogene 5G-Frequenzausstattung für ganz Österreich erwerben – abhängig von der Region zwischen 100 und 140 MHz.

Durch die frühe Vergabe der Frequenzen konnten die drei Mobilfunkbetreiber bereits Anfang 2020 mit dem kommerziellen Betrieb von 5G starten. Heute, knapp ein Jahr nach dem Start, werden bereits mehr als 50% der Haushalte in Österreich mit 5G versorgt. Die Versorgung beschränkt sich heute in erster Linie jedoch noch auf die Ballungsgebiete. Durch die Multi­bandauktion (700, 1.500 und 2.100 MHz) im September 2020 haben die Mobilfunker jedoch auch bereits 5G-Frequenzen erworben, die sich insbesondere auch für die Versorgung ländlicher Regionen eignen.
Um einen Anreiz für eine zusätzliche Versorgung zu schaffen, hat die Telekom-Control-Kommission (TKK) ein Bonus-System kreiert: Die Bieter konnten gegen die Übernahme der Verpflichtung von zusätzlicher Versorgung einen Preisabschlag auf die vorher gegebenen Gebote ersteigern. Mit diesem Anreizsystem konnte erreicht werden, dass insgesamt 1.702 Katastralgemeinden – rund 80% aller bisher in Österreich schlecht oder gar nicht versorgter Gebiete – in Zukunft eine flächendeckende 5G-Versorgung erhalten.

Investitionsfreundlich

Der Ausbau von Netzen und die damit verbundene termintreue Erfüllung der Versorgungsauflagen seien sehr kostenintensiv, betont man in der Sektion IV. Um diesen Bedingungen Rechnung zu tragen, wurden die Rahmenbedingungen für den Netzausbau möglichst investitionsfreundlich gestaltet. So würden Laufzeiten von mehr als 24 Jahren die Amortisation erleichtern.

Der Sharing-Rahmen ist zudem deutlich liberaler gestaltet als in der Vergangenheit. Erlaubt sind aktives und passives Sharing sowie auch unter bestimmten Bedingungen die gemeinsame Nutzung von Spektrum. Zur Versorgung von Autobahnen, Schnellstraßen, Bundes- und Landesstraßen sowie von Bahnstrecken würden Kooperationsmodelle zwischen Betreibern dieser Verkehrswege einerseits und Mobilfunkbetreibern andererseits gefördert.
Mit der zweiten Breitbandmilliarde soll nun der Breitbandausbau massiv vorangetrieben werden, ist doch die digitale Infrastruktur das Rückgrat für den wirtschaftlichen Erfolg im Digitalzeitalter – nicht nur in den Ballungszentren, auch im ländlichen Raum.

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