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Der Strom in den Zeiten des Virus © Verbund
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Redaktion 19.03.2020

Der Strom in den Zeiten des Virus

Verbund präsentiert Maßnahmenpaket für heimische Versorgung und jubelt über „sehr gute Geschäftsentwicklung“.

WIEN. Als größter Stromerzeuger Österreichs „beherrscht“ Verbund 131 Wasserkraftwerke sowie zwei thermische Anlagen als Rückgrat der heimischen Stromversorgung und beschäftigt sich strategisch mit „Resilienz“, also der Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse. Das sind nicht nur Elementarereignisse wie Hochwasser, sondern auch andere Krisen wie die aktuelle. CEO Wolfgang Anzengruber setzt dabei auf folgende Maßnahmen:

* Wartung und Bauprojekte: Von Einsatzstäben in den Kraftwerksgruppen wurden Prioritäten für laufende Arbeiten festgelegt; Vorrang haben alle Wartungen, welche die Sicherheit der Anlagen bei Hochwasser betreffen, z.B. Wehrfelder. Natürlich steht dabei die Versorgungssicherheit im Vordergrund. Weniger dringliche Arbeiten werden zurückgestellt, um Reserven aufzubauen.
* Kraftwerksbetrieb: Fachpersonal wird entsprechend regelmäßig geübter Szenarios abgesondert, Teams werden gesplittet. Um unnötige Kontakte zu vermeiden, wurden autonome „Arbeitsinseln“ bei den Kraftwerken geschaffen. Hier hilft, dass man über jahrzehntelanger Erfahrung mit zentraler Fernsteuerung der Kraftwerke verfügt.
* Kunden: Verbund will „während dieser herausfordernden Zeit“ bis auf Weiteres keine Kunden wegen Zahlungsrückständen kündigen. Kunden werden lediglich an Zahlungsrückstände erinnert, ihre Energieversorgung wird bis auf Weiteres sicher gestellt.
* Stromhandel: Dezentrale Teams sorgen dafür, dass Kundenplattformen und Stromlieferungen störungsfrei ablaufen. Die Ausführung der Maßnahmenpläne hat keine Auswirkungen auf die strengen Daten- und IT-Sicherheitsstandards.
* Mitarbeiter-Gesundheit: Frühzeitig wurden die Mitarbeiter auf die Risiken einer Covid-19 Übertragung hingewiesen. Daher war Verbund in der Lage, den Geschäftsbetrieb sehr früh weitgehend über Homeoffice abzuwickeln. Für Verdachtsfälle wurde ein Meldesystem eingerichtet, das eine Ausbreitung innerhalb des Unternehmens minimieren soll.
* Bereitschaftspersonal: für Stördienste stehen Fachkräfte jederzeit auf Abruf zur Verfügung.

Sehr gutes Jahresergebnis 2019
Das verbesserte energiewirtschaftliche Umfeld, v.a. die stark gestiegenen durchschnittlichen Absatzpreise für Strom sowie gestiegene Preise für CO2-Zertifkate, haben die Ergebnisentwicklung 2019 positiv beeinflusst. Dies wurde am Kapitalmarkt entsprechend honoriert und führte neben einer guten Jahresperformance der Aktie in Höhe von 20,1% auch zu zwei Ratingverbesserungen für die Verbund AG. S&P erhöhte sein Rating von „A–/stable outlook“ auf „A/stable outlook“. Moody’s hob sein Rating von „Baa1/positive outlook“ auf „A3/stable outlook“ an. Damit befindet sich Verbund in der Spitzengruppe der Versorger in Europa.

Alle steuerungsrelevanten Kennzahlen des Konzerns konnten erheblich verbessert werden. Diese positive Entwicklung ist vor allem auf die Realisierung der stark gestiegenen durchschnittlichen Absatzpreise, bedingt durch ein höheres Strompreisniveau auf dem Großhandelsmarkt für Strom, zurückzuführen. Der durchschnittliche Absatzpreis im Bereich der Eigenerzeugung aus Wasserkraft konnte um 9,7 €/MWh auf 39,0 €/MWh gesteigert werden. Auch die Erzeugung aus Wasserkraft erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag mit 1,01 um sieben Prozentpunkte über dem Vergleichswert des Vorjahres und um einen Prozentpunkt über dem langjährigen Durchschnitt. Der Ergebnisbeitrag aus dem Segment Netz fiel aufgrund höherer temporärer Mehrerlöse ebenfalls besser aus als in der Berichtsperiode des Vorjahres. Auch die Finanzlage des Konzerns hat sich erheblich verbessert. Der operative Cashflow stieg um 81,3% auf 1.204,3 Mio. €, der Free Cashflow nach Dividende erreichte einen Rekordwert von 639,3 Mio. €. Mit dieser Finanzkraft konnte die Verschuldung weiter reduziert werden. Das Net Debt/EBITDA lag zum 31.12.2019 bei 1,9 und zählt damit zu den Top-Werten aller europäischen Versorger. Auch hinsichtlich Rentabilität und Profitabilität erzielt der Konzern Spitzenwerte: Der Return on Capital Employed (ROCE) bzw. die Eigenkapitalrentabilität verbesserten sich auf 7,8 bzw. 10,2%, die EBITDA-Marge liegt bei attraktiven 30,4%.

In der Hauptversammlung am 28.4.2020 wird für das Geschäftsjahr 2019 eine Dividende von 0,69 € je Aktie vorgeschlagen. Die Ausschüttungsquote, bezogen auf das berichtete Konzernergebnis, beträgt 2019 43,2%, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis 43,7%. Auf Basis einer durchschnittlichen Eigenerzeugung aus Wasser- und Windkraft sowie der Chancen- und Risikolage wird für das Geschäftsjahr 2020 ein EBITDA zwischen rund 1.150 und rund 1.340 Mio. € und ein Konzernergebnis zwischen rund 510 und rund 630 Mio. € erwartet. Der Verbund plant für das Geschäftsjahr 2020 eine Ausschüttungsquote zwischen 40 und 50%, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis in Höhe zwischen rund 510 und 630 Mio. €. (pj)

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