INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Die erste Erholungsphase soll im 3. Quartal kommen © Agrana
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Redaktion 30.04.2020

Die erste Erholungsphase soll im 3. Quartal kommen

Heimische Industrie will den Wirtschaftsstandort Österreich für die Zeit „nach Corona” stark und effizient aufstellen.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Krisen decken Unzulänglichkeiten schonungslos auf. „Das müssen wir als Chance begreifen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen und den Standort Österreich für die Zeit nach Corona stark und wettbewerbsfähig aufzustellen”, wünscht sich Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). „Die Situation ist ernst. Covid-19 stürzt die Weltwirtschaft in eine Rezession. Für Österreich ist es die schwerste seit 1929 in Friedenszeiten.”

Laut dem IV-Chefökonomen Christian Helmenstein sei für 2020 mit einem Rückgang der Bruttowertschöpfung in Höhe von 7,6 Prozent zu rechnen. Österreich könne sich von den weltweiten Entwicklungen nicht entkoppeln, sehr wohl aber den Schaden minimieren; seitens der Industrie gebe es dafür einige klare Empfehlungen.
Investitionsgetriebenes Wachstum sei der sicherste und nachhaltigste Weg aus der Krise, ist Neumayer überzeugt. „Daher braucht es Anreize für Unternehmen, die den Weg für Investitionen in Zukunftsbereiche wie Innovation, Technologie, Klima- und Umweltschutz ebnen und gleichzeitig entlasten.”
Dies könnte einen Investitionsfreibetrag auf Anschaffungs- und Herstellungskosten von digitalisierungs- und umweltfördernden Investitionen in der Höhe von 25% für Digitalisierungsinvestitionen und 50% für umweltfördernde Investitionen beinhalten.

Zu Global Playern aufschließen

Eine weitere Lehre aus der Coronakrise sei, dass Österreich und Europa im Bereich Forschung, Technologie und Innovation – aber auch in der Produktion – wieder zu den Global Playern aufschließen müssen.

„Wir müssen erfolgreiche Produktionsstandorte forschungsintensiver, innovativer Unternehmen am Standort absichern und die weitere Ansiedlung ausländischer Technologieunternehmen und vor allem die (Wieder-)Ansiedlung besonders systemrelevanter Produktionen in Österreich fördern”, betont Neumayer.
Weiters benötige man ein klares Konzept für den Abbau der Staatsschulden. „Mittels eines konkreten, verbindlichen und mehrjährigen Stufenplans müssen wir deren Rückführung in Angriff nehmen”, stellt Neumayer klar. „Es braucht dazu einen Mix aus wachstumsfördernden Maßnahmen auf der Einnahmen- und effizienzsteigernden Maßnahmen auf der Ausgabenseite. Denn gerade in einem Höchststeuerland wie Österreich muss der Fokus auf der Ausgabenseite liegen. Eine wachstumsorientierte und effizienzsteigernde Budgetkonsolidierung ist möglich – wie man auch in den vergangenen Jahren gesehen hat.”
„Statt einer Wende zum Besseren nach einer schon zwei Jahre andauernden Phase der Abwärtsdynamik hat Covid-19 einen regelrechten konjunkturellen Fadenriss ausgelöst”, konstatiert IV-Chefökonom Helmenstein. Das IV-Konjunkturbarometer, das als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, präsentiert sich tiefrot. Sein Wert ist aktuell um 37,8 Punkte von plus 18,0 Punkten auf –19,8 Punkte abgestürzt. Insgesamt waren während der letzten 100 Quartale (entsprechend 25 Jahren) 14 solcher schärferen konjunkturellen Rücksetzer zu beobachten, aber noch niemals kam es in der Historie des IV-Konjunkturbarometers zu einem derart großen Punktverlust.

Ein enorm schwieriges Umfeld

Die Covid-19-bedingte Rezes­sion stellt selbst noch die Negativdynamik des Jahres 2008 in den Schatten – vor allem beim beispiellosen Einbruch bei der Komponente der Geschäftserwartungen um 55 Punkte. „Bis in das dritte Quartal hinein werden sich weite Teile der Industrie mit enorm schwierigen Marktbedingungen konfrontiert sehen”, sagt Helmenstein.

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