INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Die MSV als Opfer von Covid-19 © Messe Brünn

Jiří Kuliš, Generaldirektor der Messe Brünn

© Messe Brünn

Jiří Kuliš, Generaldirektor der Messe Brünn

Paul Christian Jezek 02.07.2020

Die MSV als Opfer von Covid-19

Die Internationale Maschinenbaumesse Brünn musste abgesagt werden – Jiří Kuliš im Gespräch.

BRÜNN. „Es war keine leichte Entscheidung, die schwierigste, die ich je treffen musste“, kommentiert Jiří Kuliš, General Direktor der Brünner Messe, die Auswirkungen der Annullierung der wichtigsten Industrie-Messe in der CE-Region. „Die Absage der MSV war eine verantwortungsvolle Entscheidung gegenüber den Ausstellern und allen Beteiligten, aber gleichzeitig eine Unternehmenskatastrophe.“

medianet: Was waren die Hauptgründe für die Absage?
Jiří Kuliš: Die anhaltende Coronovirus-Krise. Im März hofften wir, dass alles im Mai enden und dann normal weitergehen wird. Aber jetzt hören wir, dass die Situation bis Ende des Jahres andauern kann. MSV ist eine so große, internationale und prestigeträchtige Veranstaltung, dass wir alle Risiken berücksichtigen mussten. Die Bedingungen für die Organisation von Veranstaltungen, einschließlich Messen, sind nun in Tschechien leider so festgelegt, dass eine normale mittelgroße Messe nicht durchführbar ist – ganz zu schweigen von einer Messe wie der MSV.

medianet: Warum haben Sie jetzt entschieden und nicht abgewartet? Immerhin sollte es im Sommer zur weiteren Lockerung kommen.
Jiří Kuliš: Es war unmöglich zu warten. Wir entschieden uns zehn Minuten nach zwölf. Die Austeller und wir würden sonst zusätzliche Kosten für die Vorbereitung tragen, was zu verschwendeten Investitionen werden könnte.

medianet: Auf einer Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums wurde bekannt gegeben, dass auf den Messen bis zu 5.000 Personen Platz finden können?
Jiří Kuliš: Dies wurde angekündigt, aber die Bedingungen sind für Messeveranstalter absolut unmöglich. Die Aussage war also irreführend. Diese Regeln gelten möglicherweise für Stadien, aber nicht für unser Ausstellungsgelände. Homogene Veranstaltungen können nicht auf Teilsektoren unterteilt werden, und die Menschen dürfen sich nicht zwischen diesen Sektoren vermischen.

medianet: Können Sie das genauer erklären?
Jiří Kuliš: Wir verstehen es auch nicht ganz. Offenbar ist es so gedacht, dass maximal tausend Personen in einem Pavillon sein können, einschließlich Ausstellern, Reinigungskräften und anderem Personal, sodass weniger Besucher als Aussteller anwesend sind. Und diese Besucher dürfen dann keinen anderen Pavillon besuchen. Das ist keine Messe.

medianet: Wie haben die Aussteller auf die Absage der Messe reagiert?
Jiří Kuliš: Grundsätzlich positiv. Viele – auch ausländische – Aussteller haben uns um die Absage gebeten. Die Menschen haben allgemein Angst und die Aussteller haben Angst, dass weniger Besucher und Kunden kommen. Alle haben Angst.

medianet: Was schätzen denn die Aussteller auf der MSV am meisten?
Jiří Kuliš: Repräsentative Präsenz der gesamten Branche und führender Marken auf dem Markt, hohe Internationalität, die Möglichkeit, mit in- und ausländischen Partnern persönlich zu verhandeln, hohe professionelle Präsenz. Diese Eigenschaften würden in der gegenwärtigen epidemiologischen Situation nicht erfüllt sein.

medianet: Wie wäre die MSV heuer ohne Corona ausgefallen?
Jiří Kuliš: Ohne Covid hätte es eine MSV mit Rekordzahlen geben können – mit der Präsenz aller führenden Hersteller von Werkzeugmaschinen und Umformmaschinen, Kunststoffen und Schweißtechnik. Mit der großen Beteiligung der Russischen Föderation als Partnerland, mit der ersten offiziellen nationalen Beteiligung Italiens, mit der ersten kollektiven Beteiligung Japans, mit einer großen Beteiligung der chinesischen Provinzen, Indiens und der Beteiligung aller traditionellen Aussteller und Marken. Wir hätten auch die „Show“ Digital Factory, einschließlich 3D-Druck, wiederholt, die durch die Präsentation von Unternehmen erweitert worden wäre, die an der Herstellung von Schutzausrüstung beteiligt waren. Das war die Vision; die Messe wäre wirklich gut geworden, die Nachfrage nach Ausstellungsflächen war groß. (pj)

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