INDUSTRIAL TECHNOLOGY
E-Control: Österreich verliert Eigenständigkeit bei Stromversorgung © Georges Schneider E-Control

E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer.

© Georges Schneider E-Control

E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer.

Redaktion 17.05.2018

E-Control: Österreich verliert Eigenständigkeit bei Stromversorgung

E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer: "Versorgungssicherheit künftig nicht ohne weiteres garantiert" - Energie-Strategie darf nicht zu stark auf Importe setzen.

WIEN. Wenn in Österreich keine thermischen Kraftwerke gebaut und bestehende Kapazitäten nicht erhalten werden, indem man den Betreibern garantiert, dass sich die Investition für sie rechnet, ist die Versorgungssicherheit bei Strom im Jahr 2030 nicht gewährleistet, warnt E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Sich bei "Dunkelflaute" zu stark auf Importe zu verlassen, sei jedenfalls keine gute Strategie.

Bei der Bewertung der Versorgungssicherheit dürfe man das Augenmerk nicht zu sehr auf die installierte Leistung der sehr volatilen erneuerbaren Erzeugung - Windräder, Photovoltaik - richten, sagte Eigenbauer bei einem Pressegespräch. "Wir müssen feststellen, dass wir heute schon in der Situation sind, dass wir uns nur noch eingeschränkt selbst versorgen können und jedenfalls langfristig keine gesicherte Versorgung mehr haben."

Wenn im Winter drei Wochen lang der Großteil der erneuerbaren Kapazitäten ausfällt, "dann bedeutet das, dass aus 25 Gigawatt installierter Leistung nur rund acht werden, weil es nur noch die kalorischen Kraftwerke, Speicher und den Import gibt". So habe sich etwa im Jänner 2017 gezeigt, dass Österreich seinen Strombedarf nur an zehn Tagen aus eigener Kraft decken konnte. Ohne Importe hätte man aber wöchentlich bis zu 60% des aktuell vorhandenen Speicherinhalts verwenden müssen.

Der Stromimport werde immer mehr zu einer Art Strategie, sagte Eigenbauer. "Wenn man 'Import' hinschreibt, muss man nichts tun, das wird dann schon jemand anderer machen." Das funktioniere aber nicht, wenn alle die gleiche Strategie fahren. So seien bereits im Winter 2017 nur Deutschland und Tschechien exportfähig gewesen; Deutschland plane aber für das Jahr 2030 selbst eine Unterdeckung von sechs bis knapp 30 TWh gegenüber einem Exportüberschuss von etwa 50 TWh heute. Tschechien wolle seine Exporte reduzieren, nämlich von heute 20 TWh auf drei TWh im Jahr 2030. "Versorgungssicherheit wird in Zukunft nicht mehr ohne weiteres garantiert sein", warnt Eigenbauer. (APA)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL