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Chanel tickt völlig richtig © Chanel (7)

Für die neue Limited Edition hat sich die Première in ein pechschwarzes Outfit gehüllt. Die RJ-Serie zeigt sich nicht nur optisch im neuen Look, in ihr gibt das neue Automatik-Kaliber 12.1 den Takt an.

© Chanel (7)

Für die neue Limited Edition hat sich die Première in ein pechschwarzes Outfit gehüllt. Die RJ-Serie zeigt sich nicht nur optisch im neuen Look, in ihr gibt das neue Automatik-Kaliber 12.1 den Takt an.

britta biron 22.03.2019

Chanel tickt völlig richtig

Wie gut Haute Couture und Haute Horlogerie zusammenpassen, beweist die erfolgreiche Uhrensparte von Chanel.

Paris. Während sich das Gros der Highend-Modemarken bei seinen Uhrenkollektionen mit vergleichsweise simplen Lizenzprodukten begnügt, gehört Chanel zu den ganz wenigen, die – nach der Devise „wenn schon, denn schon” – vorgehen und auf traditionelle Uhrmacherkunst setzen.

Die Première, so die passende Bezeichnung für die erste Uhrenkollektion, die 1987 präsentiert wurde, mochten Kritiker ja noch etwas despektierlich als reine Modeuhr bezeichnet haben (was dem Erfolg am Markt allerdings keinen Abbruch getan hat), aber im Laufe der Zeit hat sich Chanel in der Uhrenbranche konsequent und erfolgreich nach oben gearbeitet.

Von Quarz zur Mechanik

Längst spricht man nicht mehr „nur” die Kundinnen an, die – ob aus modischen oder Image-Gründen – eine zum edlen Outfit optisch perfekt passende Uhr möchten, sondern auch jene Klientel, die auf anspruchsvolle Technik ebenso großen Wert legt wie auf die Ästhetik.
Dass Chanel längst in der Welt der Haute Horlogerie eine ernst zu nehmende Größe ist, zeigen die Erfolge beim Grand Prix d’Horologerie de Genève, quasi der Oscar der Uhrenbranche und definitiv kein reiner Schönheitswettbewerb. 2012 erhielt die Première Flying Tourbillon diesen begehrten Preis, 2013 die Mademoiselle Privé Camélia Brodé, 2016 die Secret Watch Signature Grenat, 2017 die Première Camélia Skeleton und im Vorjahr die Boy Friend Skeleton.
Das nötige Know-how holte sich Chanel über strategische Akquisitionen: 1993 wurde G&F Chatelain in La Chaux-de-Fonds übernommen – ein renommierter Hersteller von Uhren, Schmuck und Einzelteilen für diese beiden Produktgruppen. Später folgten Minderheitsbeteiligungen an den Uhrenherstellern Bell & Ross, MB&F und Romain Gauthier. Damit hatte man dann auch die Expertise für den nächs­ten Schritt – die Entwicklung eigener Kaliber – praktisch im eigenen Haus. 2011 richtete Chanel bei G&F Chatelain eine Abteilung dafür ein und fünf Jahre später konnte dann eine doppelte Premiere gefeiert werden. Das Calibre 1 – eine recht pragmatische Bezeichnung für ein sowohl optisch als auch technisch feines Uhrwerk – gab in der Monsieur de Chanel, der ersten Herrenuhr der Marke, den Takt an. 2017 folgte das Calibre 2, ein Uhrwerk in Form einer stilisierten Kamelie, und im Vorjahr dann das Calibre 3.

Neue J12-Kollektion

Auf der zurzeit laufenden Baselworld präsentiert Chanel neben limitierten Modellen der Première, der Boy Friend und der Monsieur de Chanel aus schwarzer Keramik mit dem Calibre 12.1, einem COSC-zertifizierten Automatik-Chronometerwerk, jetzt den vierten feinmechanischen Streich.
Die edle Hülle liefert die seit dem Launch im Jahr 2010 höchst erfolgreiche J12-Kollektion. Die Modelle wurden aber nicht einfach „nur” mit dem neuen Kaliber ausgestattet, sondern Arnaud Chastaingt, Leiter des Uhren-Designstudios von Chanel, hat die RJ12 einer umfassenden Runderneuerung unterzogen.
Das Gehäuse besteht jetzt komplett aus Keramik und ist mit einem Boden aus Saphirglas versehen, der den Blick auf das neue Werk freigibt. Das charakteris­tische Kerbenmuster am Rand der Lünette, die Krone mit dem Keramik-Cabouchon, die Zeiger mit Superluminova-Beschichtung sowie die Indizes (diese sind jetzt ebenfalls aus Keramik) sind zierlicher ausgeführt, die Linienführung ist etwas softer, wodurch kaum auffällt, dass das Gehäuse bei der Höhe ein wenig zugelegt hat.
Das Calibre 12.1, das in der neuen J12 schlägt, ist aber nicht „einfach nur” ein weiteres eigenes Chanel-Werk, sondern auch Zeichen dafür, dass Chanel diesen Bereich künftig forcieren möchte. Anfang des Jahres informierte Chanel in einer für das Unternehmen bekannt kargen Meldung, dass man eine Minderheitsbeteiligung an Kenissi, einem Schweizer Hersteller von Automatikuhrwerken, übernommen habe, „um seine Position in der gehobenen Uhrenfertigung zu stärken”.
Aber diese Beteiligung unterscheidet sich von den bisherigen, die ja praktisch mit der selben Intention erfolgten, doch. Die Manufakturkaliber von G&F Chatelain ticken nur in den hochpreisigen Modellen, mit dem 12.1. gibt es jetzt auch eines für das erschwinglichere Sortiment.

Chanel & Rolex

Ob Eigenentwicklungen besser sind als zugekaufte und mehr oder weniger aufwendig adaptierte Werke bekannter Hersteller, wie zum Beispiel ETA oder Sellita, ist dabei nicht die Frage: Es geht ums Image und darum, dem immer anspruchsvolleren Kunden etwas zu bieten, dem das Flair des Besonderen und Exklusiven anhaftet und das bei seiner Kaufentscheidung dann vielleicht doch den entscheidenden Ausschlag gibt.
Abschließend lohnt sich ein Blick auf den neuen Chanel-Partner. Und der bringt Interessantes zutage. Hinter der Kenissi Manufacture SA stehen, so die im Schweizer Handelsregister eingetragenen Personen, neben einem großen Hersteller von Uhrgläsern bekannte Player aus der Luxusuhrenbranche, darunter Rolex.
Wie eng die Verbindung zwischen Kenissi und Rolex ist, sieht man auch daran, dass die beiden Unternehmen in Le Locle nahe dem Rolex-Werk bereits mit dem Bau einer Produktionsstätte für Kenissi und die Rolex-Tochter Tudor begonnen haben. 2021 soll das Werk schon in Betrieb gehen. Wie es organisiert sein wird – ob mit strikter Trennung oder partnerschaftlichem Austausch auf allen Ebenen –, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Zumindest geografisch rücken Chanel und Rolex, zwei Superstars der Luxuswelt, näher zusammen.

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