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Ganzheitlich im Detail © Einwaller Architects (3)

Christian L. Einwaller

© Einwaller Architects (3)

Christian L. Einwaller

Manuela Hötzl 29.06.2018

Ganzheitlich im Detail

Ein Gespräch über Architektur, Design, Kunst und die eigene Homecollection von Christian L. Einwaller.

Wien. Vom Bauplan bis zur Dessertschale: Christian L. Einwaller architects baut „die Bühnen des Lebens” und verleiht den Visionen der Klienten der passende architektonische Rahmen. Atelierleiterin und Architektin Katrin Einwaller über den Leitsatz „we put excellence in every detail”.

medianet:
Mittlerweile hat das Kreativunternehmen Christian L. Einwaller architects seit fast 25 Jahren seinen Sitz im repräsentativen Palais Harrach in der Wiener Innenstadt. Was hat sich für Sie im Laufe der Zeit hier verändert?
Katrin Einwaller: Nun, zuallererst haben wir uns seitdem langsam vergrößert und neben den Schauräumen das Atelier, Besprechungsräume und eine kleine Galerie rund um den ganzen Hof etabliert. Zu Beginn war der Standort im ersten Bezirk gar nicht so gefragt. Die Innenhoflage schien außerdem für einen Schauraum nicht geeignet – mittlerweile hat sich der Standort jedoch sehr bewährt. Und wir arbeiten nicht nur um den Hof, sondern oft auch im Hof.

medianet:
Auch das Konzept mit Marken und eigenen Kollektionen hat sich erfolgreich gestaltet.
Einwaller: Durch die Lage kommt zu uns jetzt auch viel Laufpublikum. Manchmal suchen unsere Kunden nur nach Produkten, einem Sofa, einer Küche oder nach Beleuchtung – und entdecken im Zuge des Gesprächs dann die Möglichkeiten des Gesamtpakets Planung und Ausstattung. Oder umgekehrt, wir werden für ein architektonisches Konzept beauftragt und können auch die gesamte Möblierung und Beleuchtung anbieten. Die meisten Bauherrn kommen aber dennoch auf Empfehlung zu uns. Wir sagen immer: Ein gutes Projekt und zufriedene Bauherren bringen drei weitere.

medianet:
Welche Leistung bekommt man bei euch?
Einwaller: Wir haben in der Leitung des Büros alle Architektur, Innenarchitektur und Industriedesign studiert – generell besteht unser Team aus Architekten, Innenarchitekten, Lichtplanern, Industriedesignern und Kunstexperten. Wir sind ein ‚Gemischtwarenladen' für schönes Design – wir können damit die gesamte Bandbreite einer Planung – außen, wie innen – abdecken. Idealerweise kommt – wie aktuell bei einer Villa am Ossiachersee – alles aus einer Hand. So wird das Design stimmig. Vom Bauplan über Lichtplanung bis zur Dessertschale wird immer auf beste Qualität gesetzt.

medianet:
Seit einiger Zeit gibt es auch die Homecollection von Einwaller; neben Leuchten oder einem Stuhl haben Sie sogar einen eigenen Raumduft entwickelt. Wie kam es dazu?
Einwaller: Wenn man sich so lange tagtäglich mit Marken, Produkten und Design auseinandersetzt, und selbst designt, dann ist die eigene Produktlinie fast die logische Erweiterung. Wir arbeiten erst seit Kurzem an der umfassenderen ‚Einwaller-Linie' und produzieren bereits in Österreich und Italien. Lichtplanung war uns immer schon ein Anliegen, da geht es um Stimmung und nicht um reine Leuchtmittel. Deswegen sind in diesem Bereich schon früh auch eigene Kreationen entstanden.

medianet:
Ein wichtiger Aspekt ist die Kunst. Wie integrieren Sie die Kunst im Design?
Einwaller: Christian L. Einwaller ist schon lange Sammler, und mit Galeristen und Künstlern befreundet – und im Sinne unserer Vorstellung von Rundumgestaltung empfehlen wir auch immer wieder unseren Bauherren den einen oder anderen jungen Künstlernachwuchs oder etablierte Künstler. Einrichtung ist ja auch eine kuratorische Leistung. Kunst gehört für uns zum Gesamtkonzept dazu, und die langjährige Erfahrung in der Kunstszene teilen wir sehr gern mit unseren Kunden.

medianet:
Die Bandbreite eurer Projekte ist vielschichtig, sowohl lokal als auch international. Aktuell werden, neben Wien und Öster­reich, Projekte in der Schweiz, Spanien, Peking, Hongkong und Manila betreut. So unterschiedlich diese Projekte, von Sanierungen bis Hotelbau, auch sind – wie kommt man zu diesem Spektrum?
Einwaller: Unsere Auftragslage kommt schon länger zu 50 Prozent von ausländischen Bauherrn. Diese bauen natürlich nicht nur in Österreich, sondern auch in ihren Heimatländern oder anderswo. Der 2., 3. oder 4. Wohnsitz ist ja durchaus üblich geworden. Und durch unseren Anspruch an Qualität – in Planung, Budget und Handwerk – hat man uns auch immer öfter gefragt, ob wir die Projekte im Ausland auch übernehmen können. Das hat sich relativ schnell entwickelt.

medianet:
Euer Hauptmarkt ist generell Österreich und Europa, er wird aber auch immer internationaler …
Einwaller: Nun ist im Moment ist vor allem Manila ganz stark. Dort planen wir auch mit unseren – ebenfalls familiären – Zivilitechniker-Partnern Fialik unter der ARGE Einwaller & Fialik zum Beispiel einen Büro- und Hotelbau mit 300 Einheiten und haben eine Villa realisiert. Aber auch in Malaysia oder Saudi-Arabien haben wir Projekte.

medianet:
Neben Private Residences – wie weit geht das Spektrum?
Einwaller: Wir planen und realisieren auch Büroprojekte, Gastronomieprojekte, Shopdesigns, sind in der Hotellerie vertreten oder bauen ganze Wohntürme – in Österreich, Europa und auf der ganzen Welt.

medianet:
Wie werden diese abgewickelt? Andere Bauordnungen, verschiedene klimatische Bedingungen – worauf muss man sich da einstellen?
Einwaller: Wir arbeiten fast immer mit ortsansässigen Partnerarchitekten. Das funktioniert ganz gut und macht im Zeitalter von digitaler Datenübertragung andere Bürostandorte nicht notwendig. Klimatische Bedingungen sind aber durchaus ein Thema beim Bauen im Ausland. Gerade im asiatischen Raum haben wir viel mit Winden und Stürmen oder Erdbebennormen zu tun; das wirkt sich auch auf die Baukosten aus. Bei uns muss man rund ein Drittel der Baukosten für Haustechnik, also Heizung Klima, Lüftung, Sanitär, rechnen; in Manila macht das nur 15 Prozent aus. In Österreich sind wir auch mit nicht so hohen Ansprüchen an Sicherheitstechnik konfrontiert wie im Ausland. Aber bei allen Projekten gilt der hohe Anspruch an Qualität. Das schaffen wir auch außerhalb Österreichs – manchmal mit höherem Aufwand, das ist klar.

medianet:
In dieser globalen Welt unterscheiden sich eure Projekte je nach Standort – oder wie würden Sie den ‚Einwaller-Stil' beschreiben?
Einwaller: Ich würde sagen, für uns gilt immer, einen Lebensraum zu gestalten und nicht einen bestimmten Stil umzusetzen. Wir sehen uns als Maßschneider, hören sehr gut zu und versuchen, die Wünsche der Bauherrn bestmöglich umzusetzen. Wir wollen nicht uns verwirklichen, wir wollen, dass unsere Bauherrn ihre Träume verwirklichen.

medianet: Und gibt es auch lustige oder absurde Wohnträume?
Einwaller: Absurd ist gar nichts für uns! Nicht alltäglich jedoch vielleicht: ein Medikamentenraum mit Turnringen, Rutschen zwischen Geschoßen, die Inszenierung von Autoabstellplätzen als Teil des Wohnraums oder ein Dachausbau komplett im Stile der ‚Bounty', inklusive Steuerrad. Auch ein Haifischbecken wurde schon als Zwischengeschoß gewünscht. Das wurde aber dann zu einem schönen Seepferdchen-Aquarium … Wir sind dafür da, eine neue Realität nach Wunsch zu gestalten.

medianet:
Und wie wohnen ‚Einwaller' selbst?
Einwaller: Einwallers wohnen derzeit im klassischen Altbau – in einem Mix von Alt und Neu, mit viel Kunst … und fühlen sich da sehr wohl.

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