MARKETING & MEDIA
Bauernschläue
23.10.2015

Bauernschläue

Die Internet-Domain .kinder ist als Markenendung von Ferrero jetzt online. Und ein Politiker fürchtet sich mehr vor Bauern als vor Frauen.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli


GEHT DOCH. Der Süßwarenhersteller Ferrero, der unter anderem „Nutella” und die „Kinder-Schokolade” produziert, hat sich tatsächlich die Domainendung „.kinder” gesichert. All der Protest, vom deutschen Kinderschutzbund bis zur Politik, half nichts. Der Süßwarengigant bestimmt, was künftig zwischen dem „www” und der Endung „.kinder” stehen darf, denn es war dem Unternehmen gelungen, erfolgreich zu argumentieren, dass nur sie allein den Begriff „Kinder” als Marke nutzen beziehungsweise darüber verfügen dürfen.

Nur zum Verständnis: Seit einiger Zeit gibt es zahlreiche neue, sogenannte Top-Level-Domains. Früher waren das immer nur die Endungen für das jeweilige Land wie .de für Deutschland, oder .at für Österreich. Heute ist die Liste lang und reicht von .info über .bayern, .sport bis sogar .gay; und nun eben auch .kinder.
Das Problem dabei: Was sich hinter einer sport-Domain verbirgt, kann man sich relativ leicht vorstellen; es werden vermutlich Infos im weitesten Sinne über Sport sein. Nicht so bei „kinder”. Wer hier Inhalte zum Thema Kinder vermutet, liegt falsch. Was er findet, sind Produktinfos über Dinge wie Nutella oder das Kinder-Überraschungsei.
Eigentlich sind solche exklusiven Nutzungsrechte für allgemeinsprachliche Begriffe nicht erlaubt. Aber Ferrero hat geschafft, der internationalen Internetverwaltung ICCAN argumentativ zu erklären, dass der Begriff „Kinder” in diesem speziellen Fall eine international gültige Marke sei und nicht einfach nur ein Begriff.
Damit rückt Ferrero in einen Klub exklusiver Domain-Inhaber auf, die durchaus illuster ist.
Beispiel gefällig: Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat sich das Wort „Fitness” sichern lassen, genau so wie auch die Schweizer Firma Belron Hungary Kft. den Begriff „Auto” exklusiv verwenden darf. Gut für die betreffenden Unternehmen, schlecht für die User.
Themenwechsel: Als Nachwehen der vergangenen Landtagswahlen bekommt Oberösterreich eine rein von Männern besetzte Landesregierung.
Bisher mit zwei Frauen dort vertreten, verliert die Mehrheit der Wähler (diese sind nämlich weiblich) zumindest eine Vertreterin ihres Geschlechts in der obersten politischen Vertretung des Bundeslandes.

Frauen- statt Bauernkrieg

Wer meinte, hier hätte Darwin zugeschlagen, der Stärkere hätte sich durchgesetzt oder gar der Qualifiziertere hätte gewonnen, liegt ganz falsch.

Landeshauptmann Pühringer hat es auf den Punkt gebracht, als er sinngemäß meinte, er hätte es sich aussuchen können, wer quasi auf ihn sauer ist: die ÖVP-Frauen oder der Bauernbund.
Das Ergebnis kennen wir.
Sowohl die SPÖ, die ein veritables Minus eingefahren hat, hat ihre einzige Frau aus dem Team gekickt, als auch die ÖVP, bisher ebenfalls mit einer Frau in der Regierungsmannschaft vertreten, hat sich dieser unelegant entledigt.
Das Learning daraus wird den aufgeklärten Kräften in diesem Land nicht gefallen. Die Geschichte wird ohne große Wehen bei den Wählerinnen durchgehen.
Aber was reg ich mich als Mann über solche Dinge überhaupt auf!?

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