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Brüssel mag man eben nicht
sabine bretschneider 25.05.2018

Brüssel mag man eben nicht

Die Österreicher finden die EU mehrheitlich nicht gut. An dieser Einstellung wurde hart gearbeitet.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

MIT VORBEHALT. Seit fast 20 Jahren sind „die in Brüssel” ein oft und gern genutztes Feindbild in Österreichs politischer Landschaft. „Die in Brüssel”, das sind die Bürokraten, die uns bei Traktorsitzen und Salatgurken, bei Olivenöl und Schnitzerl, bei Pommes und Grillfleisch, bei Glühbirnen und Sparbüchern, bei Speisekarten – und sogar bei Flüchtlingsquoten dreinreden. Egal, was in den vergangenen Jahren schieflief in der Alpenrepublik, ein Stück weit konnte man es immer – ein bisschen rhetorisches Bemühen und populistisches Beharrungsvermögen vorausgesetzt – dem europäischen Staatenverbund in die Schuhe schieben.

Der stete Tropfen hat, das belegt eine aktuelle Umfrage, nicht nur den Stein gehöhlt, sondern auch die österreichische Seele mit entsprechendem Widerwillen erfüllt: Ein Jahr vor der nächsten EU-Wahl zeigt sich laut Eurobarometer-Daten, dass hierzulande nur 45 Prozent der Bevölkerung die EU-Mitgliedschaft gut finden. Unter 28 Mitgliedsländern ist dies Platz 24 (ex aequo mit Griechenland). Noch mieser schätzen nur Italien, Kroatien und Tschechien die Union ein. Sogar die Exit-freudigen Briten bewerten die EU zu 47 Prozent als gut. Noch mieser wird hierzulande der Nutzen, den Österreich aus der EU-Mitgliedschaft zieht, gesehen: Platz 26 von 28. Nur Italien und Großbritannien sind noch skeptischer. Wobei – wie erwähnt – die Briten ohnehin demnächst den Schlussstrich ziehen und Italien mittels Ankündigung höherer Sozialausgaben, niedrigerer Steuern und der Rücknahme der Rentenreform schon sehr ambitioniert an der nächsten Krise der Euro-Zone bastelt.
Andererseits aber haben wir erst vor Kurzem erfahren, dass 43 Prozent der Österreicher sich einen „starken Mann” an der Spitze des Staats wünschen – und 23 Prozent einen „starken Führer, der sich nicht um ein Parlament und Wahlen kümmern muss”. Dass ein zugegebenermaßen diffizil zu vermarktendes Konstrukt wie die EU bei den Österreichern nicht so gut ankommt, ist demzufolge ein nachrangiges ­Problem.

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