Digitale Souveränität kostet Gemeinden
© Klara Binon
(v. l.) Sachiko Muto, David Kielemoes und Teun van der Vorm beim Government Summit der DrupalCon Europe in Rotterdam.
MARKETING & MEDIA Redaktion 29.10.2026

Digitale Souveränität kostet Gemeinden

Beim ersten Government Summit der DrupalCon Europe in Rotterdam diskutierten Verwaltungen, wie sie Open Source gemeinsam bauen und finanzieren.

ROTTERDAM. Am 28. September fand in Rotterdam der erste Government Summit im Rahmen der DrupalCon Europe statt. Einen Tag lang diskutierten Teilnehmer aus Gemeinden, Ministerien und der EU-Kommission, warum digitale Souveränität etwas kostet und wer dafür zahlt. Mitorganisiert hat den Summit Nico Grienauer, Gründer der Wiener Drupal-Agentur Acolono. Dank Sponsoren gab es zehn Gratistickets für Gemeinde-Digitalteams mit knappem Budget.

Die zentrale Erkenntnis des Tages: Open Source macht Verwaltungen nur dann souverän, wenn sie nicht nur konsumieren, sondern mitbauen und mitfinanzieren. Sachiko Muto, Chair von OpenForum Europe und Senior Researcher bei Rise, sagte in Panel und Keynote, eine Verwaltung werde nicht durch passive Nutzung souverän, sondern durch Mitgestalten und das Teilen von Ressourcen. Die Beschaffung müsse so aufgebaut sein, dass Code und Feedback in die Projekte zurückfließen.

Abhängigkeiten und Barrierefreiheit
Gina Plat vom Open Source Program Office des niederländischen Innenministeriums BZK hatte vor dem Summit in einem Interview als ersten Schritt eine Abhängigkeitskarte empfohlen: Für jeden wichtigen Dienst gelte es zu klären, wer ihn liefert, was bei einer Preisverdopplung oder einem Ausstieg des Anbieters passiert und was ein Wechsel kostet. Open Source sei nicht gratis, statt Lizenzkosten zahle man für Expertise, Betrieb und Beiträge.

Mike Gifford von CivicActions plädierte dafür, Barrierefreiheit als Abnahmekriterium in Verträge aufzunehmen, damit derselbe Fehler einmal in der gemeinsam genutzten Software behoben wird statt mehrfach mit öffentlichem Geld.

Geteilte Software in der Praxis
LocalGov Drupal wuchs in Großbritannien und Irland von zwei auf 77 Gemeinden, die ihre Plattform über die Open Digital Co-operative gemeinsam entwickeln und finanzieren. Justine Pocock von der Agentur Chicken stellte das Open-Source-System Quorum für das Sitzungsmanagement von Gemeinderäten vor. Proprietäre Systeme kosten in Großbritannien typischerweise 15.000 bis 40.000 Pfund pro Jahr, ein gemeinsamer Bau grob geschätzt 80.000 Pfund einmalig.

Grienauer präsentierte erstmals LocalGov Austria, initiiert von Acolono und umgesetzt von Drupal Austria. Das Angebot für österreichische Städte und Gemeinden soll am LocalGov Day am 20. November 2026 in Wien vorgestellt werden. Auf EU-Ebene legte die Kommission am 9. September den Vorschlag für eine neue Vergabeverordnung vor, ein Abschluss wird nicht vor Ende 2027 erwartet. (red)

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