Ein Markt für  Survival-Profis
MARKETING & MEDIA Redaktion 08.05.2026

Ein Markt für Survival-Profis

Beständigkeit im Mediengeschäft ist eine Tugend – und nahezu ein Akt des Widerstands.

Leitartikel  ••• Von Sabine Bretschneider

EINGEDENK. Vergangenes Jahr feierte medianet das erste Vierteljahrhundert (inklusive zehn Jahre xpert.network). Heuer sind wir im – aus Jubeljahrperspektive betrachtet – unspektakulären 26. respektive elften Jahr. Wiewohl: So unspektakulär ist es in Wahrheit nicht; seit dem Start von medianet verzeichnete die heimische Medienlandschaft einige durchaus relevante Verluste.

Hier eine, hinsichtlich der Verblichenen ­unvollständige, Trauerrede: Kurt Falks täglich Alles – vom Start weg hinter der Krone die Tageszeitung mit der zweitgrößten Druckauflage Österreichs – segnete schon kurz nach der Jahrtausendwende das Zeitliche. Wer über das Mediensterben spricht, kommt auch an der Einstellung der täglichen Printausgabe der Wiener Zeitung im Jahr 2023 nicht vorbei. Sie war Institution, Amtsblatt und (vermeintlich) publizistische Konstante – und die älteste bis dahin noch gedruckt erscheinende Tageszeitung der Welt. Ein scharfer kulturpolitischer Einschnitt.

Davor verschwand mit dem WirtschaftsBlatt (2016) eine Zeitung mit einzigartiger Positionierung – und mit ihr ein Stück wirtschaftsjournalistischer Vielfalt. Das Magazin Format (2015) steht exemplarisch für den Bedeutungsverlust klassischer Wochenmagazine, die sich zwischen Aktualitätsdruck, Rechercheanspruch und entsprechender Monetarisierung aufrieben.
Im TV wiederum markierten Viva Austria (2018) und zuletzt gotv (2022) das Ende eines ganzen Genres – Musikfernsehen wurde nicht reformiert, sondern von Plattformen ersetzt. Die österreichische Medienlandschaft ist fragiler geworden – und deutlich abhängiger von Plattformlogiken, der Achse des Bösen im Mediengeschäft. Gesellschaftliche Relevanz garantiert noch lange kein tragfähiges Geschäftsmodell.

Und, um zum Ende zu kommen: medianet gibt es immer noch, geprägt von den Krisen, die alle „klassischen“ Medienhäuser quälten und weiterhin quälen werden. Vielleicht ist Beständigkeit im heimischen Mediengeschäft keine Tugend mehr, sondern vielmehr ein Akt des Widerstands. In diesem Sinne: Jetzt erst recht!

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