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Gemeinsame Stimme für regionale TV-Vielfalt © Eva Kelety
© Eva Kelety

Redaktion 04.10.2019

Gemeinsame Stimme für regionale TV-Vielfalt

Kürzlich präsentierte R9 seinen ersten Bundessprecher Josef Aichinger. medianet bat ihn gemeinsam mit R9-Geschäftsführer Marcin Kotlowski zum Interview.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. Kürzlich präsentierte die Sendergruppe R9 Josef Aichinger als ihren ersten gemeinsamen Sprecher des Senderverbundes. Der Geschäftsführer des Salzburger Fernsehsenders RTS Regionalfernsehen GmbH ist in Steyr (OÖ) aufgewachsen; seine berufliche Laufbahn weist verschiedene öffentliche Funktionen auf. Im Jahr 2009 gründete er den Sender Regional TV Salzburg (RTS).

medianet nahm dies zum Anlass und bat ihn gemeinsam mit Marcin Kotlowski, Geschäftsführer der R9 und des Stadtsenders W24, zum gemeinsamen Interview.


medianet:
Herr Aichinger, wie wollen Sie Ihre Rolle als Sprecher anlegen? Wird es einen gemeinsamen Namen für alle Sender geben?
Josef Aichinger, Sprecher RTS und R9: Ich stelle immer das Gemeinsame in den Vordergrund. Wir sind seit sieben Jahren zusammen im R9-Senderverbund und wollen nun mehr in die Breite gehen. Ich möchte, dass man Anliegen zu mir bringen kann. Neben Marcin Kotlowski als Geschäftsführer ist eine sehr verbindende Funktion. Es ist nicht leicht, neun Landlords, wie sie genannt werden, unter einen Hut zu bringen und das ist zu zweit mit Sicherheit leichter als alleine.

medianet:
Das heißt, Ihre Funktion ist eher nach innen und nicht nach außen gerichtet?
Marcin Kotlowski: Wir müssen zuallererst sehen, dass die Services, die wir zur Verfügung stellen, von den Ländern auch angenommen werden. Auf der anderen Seite fordern wir aber durchaus gemeinsame Standards ein. Deswegen werden wir alle zwei Jahre einen neuen Sprecher wählen, um auch die Breite zu zeigen, die wir haben. Wir haben eine gewisse Wienlastigkeit und merken auch anhand der letzten Diskussionen, die entstanden sind, zum Beispiel rund um die Entwürfe des Medienministers, hinsichtlich der Reihung von Sendern, dass wir hier die Kollegen im Westen stärker mitnehmen müssen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die kleinen Sender vor Ort eine hohe Relevanz haben – die Leute wollen sehen, was vor ihrer Haustür passiert. Bei dem momentanen Trend, den wir haben, beispielsweise bei Diskussionen, ob der ORF nur mehr einen Kanal braucht, geht die kulturelle Vielfalt schnell verloren. Wir wollen Dingen mehr Raum geben, die in der Region passieren, um auch breiter kommunizieren zu können. Deswegen sind Salzburg und Josef eine sehr gute Wahl: Er ist selbst Eigentümer des Senders, und Salzburg liegt gut in der Mitte für alle Länder.
Aichinger: Die Funktion ist durchaus nach innen ausgelegt, auch marketingtechnisch, um uns breiter aufzustellen und mehr Gewicht zu geben. Wir wollen den Satelliten überall positionieren, auch mit HbbTV, sodass wir den Westen stärken und ihm mehr Aufmerksamkeit schenken.
Kotlowski: Bevor wir nach außen gehen und mit einer Stimme auftreten können, müssen wir uns einigen. Die jeweiligen Programme werden weiterhin in der Verantwortung der Partnersender bleiben. Das ist uns wichtig, damit sie nah am Alltag der Menschen in der Region bleiben. Wir wollen in der Saison 2019/2020 gemeinsam weitere technische Standards etablieren und weitere gemeinsame Programmflächen vermarkten. ‚ÖsterreichBlick' gibt es seit 2015, hat auf allen Sendern gleichzeitig eine Werbeinsel, die von der RTL-Tochter IP Austria vermarktet wird. All diese Dinge merkt man nach außen natürlich nicht. Mit HbbTV wollen wir dem Zuschauer den gesamten Content einfach zur Verfügung stellen. Im Zentrum steht nach wie vor die massive Verbreitung des Satellitenangebots. Wir beobachten auch die Broadcastvariante bei 5G. Sobald diese Technologie alltagstauglich wird, wäre das natürlich für uns ein spannender Distributionsweg, um mit unseren vielfältigen regionalen Inhalten mehr Menschen zu erreichen.

medianet:
Die Sprecherfunktion wurde das erste Mal eingeführt; was waren denn die Beweggründe dazu?
Kotlowski: Für uns ist es wichtig und notwendig, neben der klassischen, betriebswirtschaftlichen, technischen Entwicklung, auch politisch die Stimme in Österreich zu erheben. Wir haben das sehr intensiv diskutiert und uns darauf geeinigt, dass wir beispielsweise im Zuge von Branchenvertretungen, wie dem VÖP und anderen, versuchen, mit einer Stimme zu sprechen. Wir wollen unsere Breite abbilden.

medianet:
Übertragen auf R9, ist das Bild der Einheit der ‚ÖsterreichBlick'. Wie zufrieden sind Sie hier hinsichtlich der Vermarktung?
Kotlowski: Es ist ein Produkt, das schon länger am Markt ist und sehr gut angenommen wird. Wir sind mit Eva Pölzl gestartet, die nun wieder im ORF-Frühstücksfernsehen zu sehen ist. Jetzt haben wir mit Gerhard Koller und Juliane Ahrer ein ­Moderatorenduo.

Wir entwickeln das Produkt gemeinsam weiter, zum Beispiel im Bereich Kulinarik mit ‚Koch’ Dich fit!'. Neben der klassischen IP-Vermarktung entwickeln wir auch innovative Branded Content-Varianten, die zusätzlich digital verbreitet werden.

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