MARKETING & MEDIA
Höhere Anzahl an Beschwerden © ÖWR/Katharina Schiffl

Michael Straberger (Dialog Marketing Verband Österreich) ist Präsident des Österreichischen Werberats. Straberger wurde Anfang April 2020 für drei Jahre wieder­gewählt.

© ÖWR/Katharina Schiffl

Michael Straberger (Dialog Marketing Verband Österreich) ist Präsident des Österreichischen Werberats. Straberger wurde Anfang April 2020 für drei Jahre wieder­gewählt.

Redaktion 30.10.2020

Höhere Anzahl an Beschwerden

Der Österreichische Werberat veröffentlicht die Beschwerdebilanz des Werberatsjahres 2019/20.

WIEN. Alle Werberatsjahre ist es wieder so weit: Der Trägerverein „Gesellschaft zur Selbstkontrolle der Werbewirtschaft” – der Österreichische Werberat – hat seine aktuelle Beschwerde­bilanz veröffentlicht. Das Ergebnis: Im vergangenen Werberatsjahr, welches von Oktober 2019 bis September 2020 „stattfindet”, erreichten den Österreichischen Werberat mehr Beschwerden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Entscheidungen der Räte

Vor allem in der Zeit während des Corona-bedingten Lockdowns (März bis Mai 2020) stieg die Zahl der eingebrachten Beschwerden deutlich an. Dennoch konnte ein deutlicher Rückgang an Stopp-Entscheidungen verzeichnet werden. Weniger Stopp-Entscheidungen wurden von den Werberäten auch während des Zeitraums Oktober 2019 bis September 2020 getroffen. So sprachen sich die Werberäte in zwölf beanstandeten Fällen für die Aufforderung zum sofortigen Stopp der Werbemaßnahme beziehungsweise sofortigen Sujetwechsel aus und das bei insgesamt 240 getroffenen Entscheidungen.

Im Vergleich dazu kam es im Zeitraum Oktober 2018 bis September 2019 zu 26 Stopp-Entscheidungen bei insgesamt 194 getroffenen Entscheidungen. Im vergangenen Werberatsjahr kam es in sechs Fällen zu Sensibilisierungssprüchen (im Vergleich 2018/19: 8) und 26 Mal wurde mit „Kein Grund zum Einschreiten” (im Vergleich 2018/19: 20) bewertet. „Wie in den Jahren zuvor wurden vor allem in Bezug auf geschlechterdiskriminierende Werbemaßnahmen Stopp-Entscheidungen getroffen”, erklärt ÖWR-Präsident Michael Straberger.

Gegen Diskriminierung

Die Zahlen zeigen dies sehr deutlich, sagt Straberger: „So bezogen sich elf der zwölf Stopps auf dieses Thema. Die Entwicklung zeigt uns einmal mehr die eindeutige Ablehnung betreffend geschlechterdiskriminierende Elemente in der Werbung und eine weitere Handlungsnotwendigkeit an uns. Schulungen und Aufklärungsarbeit werden jedenfalls Schwerpunkte für die kommenden Jahre sein.” Insgesamt gingen im Zeitraum Oktober 2019 bis September 2020 404 Beschwerden (zum Vergleich 2018/19: 372) beim Österreichischen Werberat ein, die zu den genannten 240 Entscheidungen führten.

Erfreulich sei einmal mehr die zunehmende Bereitschaft zur Kooperation mit dem Österreichischen Werberat. Denn es zogen im Werberatsjahr 2019/20 insgesamt 35 Unternehmen nach Kontaktaufnahme durch den ÖWR das beanstandete Sujet umgehend zurück, während es im Vergleichszeitraum des Vorjahres zu 24 sofortigen Sujet-Rücknahmen kam.
Das Bewusstsein der Werbetreibenden ist demnach großteils vorhanden. Dies bestätigt Straberger: „Darüber hinaus zeigten sich die meisten werbetreibenden Unternehmen einsichtig und entfernten oder änderten ihre Werbemaßnahme, wenn die Maßnahme mit einem Stopp oder einer Sensibilisierung belegt wurde – ein weiterer Beweis für die Durchsetzungskraft des Österreichischen Werberats.” Die Gründe für diesen Erfolg sehe Straberger in den Entscheidungsträgern und der österreichischen Medienlandschaft: „Das haben wir vor allem unserem hochkarätigen Entscheidungsgremium, aber auch der Kooperation mit den österreichischen Medien zu verdanken.”

Gemeinsam statt dagegen

Dem Österreichischen Werberat gehe es um ein Miteinander statt um ein Gegeneinander. „Auch die transparente und dialog­orientierte Abwicklung von Beschwerden schafft zunehmendes Vertrauen”, sagt Straberger dazu. Denn: „Wir wollen mit der Branche agieren. Uns ist wichtig, immer zuerst mit den Werbe­verantwortlichen ins Gespräch zu kommen und dann nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.” In der Zeit des Corona-bedingten Lockdowns hat es einen Anstieg der Beschwerden gegeben. Dies betrifft genauer gesagt die Zeit zwischen März und Mai 2020. In dieser Zeit erreichten den Österreichischen Werberat 102 Beschwerden, welche zu 64 Entscheidungen führten. Im selben Zeitraum des Vorjahres wurden lediglich 65 Beschwerden eingebracht, die zu 39 Entscheidungen führten. Die deutlichen höheren Beschwerdezahlen resultierten allerdings nicht in einer erhöhten Zahl an Stopp-Entscheidungen. Während von März bis Mai 2020 zwei Mal für die Aufforderung zum sofortigen Stopp beziehungsweise sofortigen Sujetwechsel entschieden wurde, gab es im Vergleichszeitraum des Vorjahres fünf Stopp-Entscheidungen. Die Sensibilisierungssprüche (1) sowie die Entscheidungen für Keinen Grund zum Einschreiten (5) sind in diesem Zeitraum gleichbleibend.

Über den Werberat

Der Österreichische Werberat (ÖWR) ist ein unabhängiges Organ des Vereines „Gesellschaft zur Selbstkontrolle der Werbewirtschaft”. Der ÖWR fördert mit freiwilliger Selbstbeschränkung der Werbewirtschaft das verantwortungsbewusste Handeln der Werbewirtschaft und ihr Ansehen in der Öffentlichkeit. (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL