••• Von Elisabeth Schmoller-Schmidbauer
Seit Juni 2025 steht mit Jürgen Bauer ein neuer Obmann an der Spitze des Fachverbands Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Österreich. Der Wiener Agenturunternehmer und Gründer von Omnes wurde einstimmig gewählt und folgte auf Michael Mrazek. Gemeinsam mit seinem ebenfalls einstimmig bestellten Vorstandsteam will Bauer die bundesweite Zusammenarbeit stärken, zentrale Branchenthemen wie Regulierung und Werbeverbote aktiv mitgestalten und den Bundeswerbepreis Austriacus neu positionieren.
Im Interview mit medianet zieht Bauer eine erste Bilanz seiner bisherigen Funktionsperiode, spricht über die Neuausrichtung des Austriacus, die Reform der Berufsbilder, effizientere bundesländerübergreifende Formate und darüber, welche Prioritäten er für die rund 36.000 Mitgliedsbetriebe des Fachverbands in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten setzt.
medianet: Herr Bauer, Sie sind nun seit Juni letzten Jahres WKO-Obmann des Fachverbandes Werbung und Marktkommunikation. Welche persönliche Bilanz ziehen Sie bislang: was ist gelungen, wo gab es vielleicht auch unerwartete Herausforderungen?
Jürgen Bauer: Unsere erste Strategieklausur mit dem gesamten Fachverband war schon mal ein erster großer Erfolg. Wir haben neun Bundesländer gemeinsam an einen ‚Tisch‘ bekommen und konnten viele größere Themen angehen, das ist schon einmal ein wirklich großer Erfolg. Auch wenn das für viele außerhalb der Wirtschaftskammer komisch klingt, ist das schon eine ganz coole Sache, wenn man neun Bundesländer zu gemeinsamen Meinungen und Sichtweisen bringt. Ich habe den Großteil der Bundesländer bereits auch persönlich besuchen können, um mir die regionalen Unterschiede und Herausforderungen vor Ort anzusehen. Insgesamt ist die Kommunikation von Fachverband mit den Bundesländer aus meiner Sicht massiv besser geworden. Immerhin ist der Fachverband die Serviceeinrichtung der Bundesländer-Fachorganisationen.
medianet: Mit welchem inhaltlichen Anspruch sind Sie in Ihre Funktionsperiode gestartet und inwiefern konnten Sie diese Schwerpunkte bereits umsetzen oder konkretisieren?
Bauer: Der Fachverband ist im wesentlichen eine Serviceeinrichtung für die Landesorganisationen und beschäftigt sich mit den großen, bundesweiten Themen. Da geht es um Werbeverbote, Regulierungen und so weiter. Da möchte ich als Fachverbandsobmann stark aktiv sein, um hier bessere Bedingungen für meine Branche zu schaffen bzw. keine Verschlechterungen zuzulassen. Zusätzlich will ich den Bundeswerbepreis in eine stabile neue Zukunft führen, da sind wir mit Hochdruck dran und zwar über alle Fraktionen und Bundesländer hinweg auf wirklich gutem Weg.
medianet: Der Austriacus steht also vor einer Neuausrichtung. Was waren die Beweggründe dafür und was wird sich für Einreicher und Einreicherinnen und die Branche konkret verändern?
Bauer: Ja, das stimmt, den Bundeswerbepreis überarbeiten wir gerade völlig neu und als Fachverbandsobmann war mir das ein besonderes Anliegen ihn neu auszurichten und wirklich progressiv komplett neu zu denken. Wir haben da also bereits einiges umgesetzt und der neue Austriacus wird zu 100 Prozent unter Regie von mir und meinem neuen Team sein. Ich glaube das wird wirklich revolutionär neu.
medianet: Die Reform der Berufsbilder ist auch ein zentrales Thema. Wo sehen Sie aktuell den größten Anpassungsbedarf und wie stellen Sie sicher, dass die Ausbildungsprofile mit der rasanten Entwicklung in der Kommunikationsbranche Schritt halten?
Bauer: Berufsbilder zu überarbeiten bzw. anzugehen ist mit Sicherheit die Königsdisziplin in Österreich, da gibt es unglaublich viele Stakeholder die da mitreden. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen, warum es auch so herausfordernd ist. Aber diesen Prozess muss ich starten, der ist wesentlich, auch wenn es viele gibt die sich davor scheuen würden – auch verständlicherweise. Gemeinsam mit meinen Stellvertretern im Vorstand schaffe ich das.
medianet: Sie haben von einer ‚Wissensreise‘ österreichweit gesprochen. Was genau verbirgt sich hinter diesem Format?
Bauer: Derzeit ist es so, dass viele Bundesländer für Ihre Mitglieder im jeweiligen Bundesland eine internationale Reise planen und organisieren. Dann fährt Oberösterreich zum Beispiel nach London zu einer Fachmesse, Betriebsbesuchen oder Weiterbildungen. Zwei Monate später macht das dann zum Beispiel Salzburg. Das ist sehr ineffizient. Wenn man das einmal plant und dann auf alle Bundesländer ausrollt, ist das effizienter und fördert die Verbindung und das Netzwerk unter den Bundesländern und schafft so eine eventuelle Kooperationsmöglichkeit länderübergreifend für unsere Mitglieder.
medianet: Ein weiterer Schwerpunkt ist die österreichweit engere Zusammenarbeit bei Bundesthemen. Wo sehen Sie hier Synergien und welche Themen dulden aus Ihrer Sicht keinen föderalen Flickenteppich mehr?
Bauer: Ehrlich gesagt sind die meisten Themen bundesweite Themen und können zentral vom Fachverband aufbereitet und dann auf alle Bundesländer ausgerollt werden. Wir sind da gerade in der Evaluierung in den Bundesländern, welche Themen das sein können und werden diese dann im Fachverband aufbereiten und allen Bundesländern zur Verfügung stellen. Die bekannten Whitepaper, die ich als Fachgruppenobmann in Wien gemacht habe, sind da ein gutes Beispiel dafür. Die kann man sicherlich österreichweit umsetzen und die Kosten auch auf mehrere Bundesländer aufteilen – bei gleichen Nutzen für alle.
medianet: Welche Projekte oder Initiativen stehen also für das kommende Jahr ganz oben auf Ihrer Agenda?
Bauer: Wie angesprochen: der Austriacus, die gemeinsame Reise, gemeinsame Whitepaper und Services für alle Bundesländer. Außerdem eine gemeinsame Versicherung für alle unsere Mitglieder österreichweit ist auch in Planung.
medianet: Wenn Sie der österreichischen Werbe- und Kommunikationsbranche derzeit eine zentrale Botschaft mitgeben könnten, welche wäre das?
Bauer: Realistischerweise: Durchhalten! Wir sind eine Branche, die stark von der Stimmung lebt und die war im vergangen Jahr nicht die Beste. Es liegt aber auch an uns diese Stimmung wieder in die richtige Richtung zu drehen. Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen und 2026 quasi ein ‚Wechseljahr‘ wird.
