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Love is on the Air © Panthermedia.net/Arne Trautmann
© Panthermedia.net/Arne Trautmann

Peter Mathes 11.01.2019

Love is on the Air

Zum Start der Privatradios war eine Agentur, die sich nur mit Radiowerbung beschäftigt, unvorstellbar – auch, weil man dachte, die Gattung stirbt aus.

Gastbeitrag ••• Von Peter Mathes


KLAGENFURT. Als wir vor über 15 Jahren einem gewieften „alten Hasen” der österreichischen Medienszene bei einem Glas Rotwein beim Edelitaliener die Idee vorstellten, mit einer Agentur zu starten, die sich ausschließlich mit dem Thema „Radiowerbung” befassen würde, verschluckte sich dieser fast an seinem Rosmarin-Grissini.

„Na – da wünsch ich euch ja recht viel Spaß, vor allem weil’s in 15 Jahren das Radio in der Form gar nicht mehr geben wird.” Woher hatte er nur diese Gewissheit – jetzt blieb mir das Grissini im Hals stecken: Es gab ja noch nicht einmal YouTube, und der Begriff „Podcast” ist auch erst ein Jahr später von Ben Hammersley, einem MTV-Moderator präsentiert worden, im Jahr 2004.
Die größten „Bedrohungen” des Radios waren also noch nicht einmal erfunden.
83 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher hörten zu dem Zeitpunkt Radio – auch ich, nach dem Zähneputzen und beim ersten Kaffee – vor 15 Jahren.

Starke (private) Vielfalt

Immer weitere Medien erschienen auf der Bildfläche, Napster, YouTube, clipfisch, vimeo und die ersten Zeitungen wagten sich vorsichtig online. Die Zahl der Medien wuchs stetig – und wir wollten mit einem über 100 Jahre alten Medium arbeiten: na servus!

Neben den stärker werdenden Privatradios – vor allem dem nationalen privaten Sender KroneHit – entwickelten sich auch kleine, regionale oder gar lokale Radiosender erstaunlich gut. Inzwischen kamen Medien wie Facebook und Twitter dazu – die klassischen Medien hatten zunehmend zu kämpfen. Nur Radio hielt weiter eine stattliche Reichweite von über 80 Prozent und über drei Stunden Nutzungsdauer – mehr als alle Sozialen Medien oder überhaupt online zusammen. Sollte sich unser Medienguru getäuscht haben?
Spotify, Sky, netflix, googleplay, amazon, applemusic, sound­cloud – es wurden immer mehr, und der Wettbewerb wanderte immer stärker ins Netz: TV-Programme online, Zeitungen online, jede Würstelbude hat ihren eigenen Instagram-Auftritt. Wer soll denn da bitte noch Radio hören – dieses Uralt-Medium –, aus knisternden Lautsprechern. Und vor allem die jungen Hörer – die mussten ja in Scharen ins Web fliehen. Und erst unsere potenziellen Kunden? Wozu sollten die einen neuen Werbespot benötigen?

Entwicklungspotenzial

Tatsache war, dass sich vor allem junge Radiosender wie KroneHit oder NRJ prächtig entwickelten, und auch Hitradio Ö3 hielt trotz des immer schärfer werdenden Wettbewerbs die Stellung und blieb das erfolgreichste Radio Österreichs – ganz abgesehen vom immer stärker genutzten Streaming-Angebot der Sender.

Im Jahr 2017 hörten laut Radiotest immer noch 77 Prozent der Menschen Radio – 183 Minu­ten lang. Die Hördauer war sogar leicht gestiegen. Im Gegensatz zu allen anderen Werbeträgern „leidet” Radio überhaupt nicht an den „neuen” Medien – nein, es entwickelte sich geradezu wegen der neuen Medien. Kein Medium hat eine höhere Affinität zum Web und zu den Sozialen Medien als das Radio, kein Medium eine höhere Nutzungs­dauer in Österreich. Wer heute seine Kunden schnell online bringen will, der braucht vor ­allem eines – Radio! Google wirbt seit 2014 im Radio – Amazon sowieso- und noch nie wurde im deutschsprachigen Raum so viel Radiowerbung vermarktet, wie 2017 – seit Bestehen des Radios!

Radiowerbung: eine gute Idee

Da hat sich unser „Medienkenner” vor 15 Jahren zu unrecht am Grissini verschluckt – es war eine gute Idee, auf Radiowerbung zu setzen –, und auch morgen werde ich wieder Radio hören – nach dem Zähneputzen, beim ersten Kaffee oder auf der Fahrt zur Arbeit, wie fast sechs Millionen Menschen in Österreich täglich – ich liebe dieses besondere, immer aktuelle Medium wie am ersten Tag – Love is on (the) air!

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