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Noch mehr Abstimmung unter den ORF-Radios © Panthermedia.net/Peus
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Redaktion 01.12.2023

Noch mehr Abstimmung unter den ORF-Radios

Die ORF-Radioflotte rüstet sich für neue Zeiten. Motto: Programmlücken schließen und Junge im Fokus.

••• Von Dinko Fejzuli

Die ORF-Radioflotte rüstet sich für neue Zeiten, auch mit den Angeboten, die nicht nur das neue ORF-Gesetz im digitalen Bereich ermöglicht, sondern auch quasi auf der organisatorisch-inhaltlichen Seite mit den neuen Möglichkeiten des multimedialen Newsrooms, der hier ein paar Neuerungen mit sich bringt.

Content für alle

Welche Änderungen genau für das Radio all das mit sich bringt, erklärten ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und ORF-Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher Mitte dieser Woche in einem Hintergrundgespräch heimischen Medienjournalis­tinnen und -journalisten gegenüber.

Die Frage am Anfang des nun abgeschlossenen Strategieprozesses lautete dabei: „Wie positionieren wir uns optimal, um möglichst vielen Menschen ein Angebot zu machen”, so Weißmann.

Breiter Strategieprozess

An der Antwort auf diese Frage haben im letzten Dreivierteljahr gut 50 ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in der Zentrale, aber auch in den Landesstudios gearbeitet. Die Conclusio am Ende: Man muss die Innovation vorantreiben, und die programmliche Abstimmung ­innerhalb der Radioflotte des ORF soll noch intensiver werden.

Angebot für die Jungen

„Das Mediennutzungsverhalten der jungen Zielgruppe ändert sich sehr rasch. Manche Jugendliche wissen gar nicht mehr, was mit Radio gemeint ist. Über genau diese Gruppe müssen wir reden, wenn wir über Audio nachdenken”, so Thurnher.

Dieser Zielgruppe möchte man im ORF – entsprechend deren Medienkonsumverhalten – vor allem ein digitales Angebot machen – ob in Form von Podcasts, zum reinen Nachhören von on Air gegangenen Sendungen, aber auch in Form von rein digitalen Playlists für bestimmte Musikgenres oder auch in Form von Live-Übertragungen von Konzerten über digitale Kanäle.
Die Playlist auf ORF Sound, dem digitalen Audio-Angebot des ORF, etwa nennt Thurnher „unsere Antwort auf den Umstand, dass wir auf unsere zwölf Radios beschränkt sind. Hier machen wir auf ‚ORF Sound' ein breites Angebot.”

Keine Lücken im Programm

Insgesamt könnte das Motto für die Radioflotte lauten: Innerhalb der Radiosender noch besser abstimmen und weitere, digitale Angebote ins Audiphon-Schaufenster stellen. Was das Angebot für das Publikum betrifft, so soll es keine Lücken geben, weder im Musik- noch im Wortbereich, so die Radiodirektorin.

Dazu werde man auch ein Radio-Innovationslab einführen, das durch internationale Marktbeobachtung Innovationen ins Haus holen soll, um „am Puls der Zeit zu bleiben”.
Was die flotteninterne Abstimmung etwa für FM4 bedeutet, skizziert Thurnher folgendermaßen: „FM4 wollen wir vor allem im digitalen Raum deutlich weiterentwickeln. Wir wissen, dass die Zielgruppe der FM4-Gemeinschaft dort stark unterwegs ist. Inhalte, die für FM4 produziert werden, müssen sich digital wiederfinden und eigentlich online first gedacht werden.”

Ö1 klarer strukturieren

Bei Ö1 werde man das Programm „etwas klarer strukturieren. Da gab es früher viele Programmteile, die frei schwebend waren”, meint Thurnher. Zudem führe man eine Tagesmoderation ein, eine Art „Gastgeber” für die Hörerinnen und Hörer, die diese durch den Tag führen sollen.

Für das ORF-Radioflaggschiff Ö3 findet die Radiodirektorin nur lobende Worte: „Ö3 sitzt ganz genau in der Mitte der Altersstruktur und auch bei der Aufteilung der Hörerschaft nach Geschlecht deckt man den Markt perfekt ab, und genau hier soll Ö3 seine Wirkung weiter entfalten.” Die neue Strategie fasst die Hörfunkdirektorin folgendermaßen zusammen: „Wir wollen nicht, dass sich die Wellen überschneiden. Wir brauchen nicht drei Ö3s in jedem Bundesland. Was wir brauchen, ist ein starkes Ö3, einen starken Regionalsender je Bundesland und einen alternativ positionierten Sender.” Um dies zu erreichen, will man beim Radio mit den Hörerinnen und Hörern mehr in den Dialog treten.

Im Dialog mit dem Publikum

Als gutes Beispiel nennen die beiden etwa das Ö3-Format „Frag das ganze Land”. „Das ist ein gut etabliertes Programm, und das wollen wir als Marke mitnehmen für eine große, interaktive Initiative”, so Thurnher. Und Weißmann ergänzt: „Wir sind keine Oberlehrer. Wir wollen miteinander kommunizieren, mit anderen reden und auch Anderes und Konfrontatives zulassen.” ORF-Generaldirektor Weißmann ging auch auf die künftige Finanzierung und personelle Zukunft der ORF-Belegschaft ein. Hier gehen ja in den nächsten vier bis fünf Jahren 400 bis 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pension. Hier wolle man „strategisch möglichst viel nachbesetzen”.

„Maßvolle Verjüngung”

Wie viel oder wenig, hänge davon ab, wie sich der ORF-Beitrag und die Werbeeinnahmen gestalten würden. Aktuell hat sich der ORF ja vorgenommen, in vier Jahren 325 Mio. € einzusparen, davon sind in 2024 90 Mio. ins Auge gefasst, so Weißmann.

Einen Umstand hob der Generaldirektor in Sachen Personal auch noch hervor: Hier habe man seit seinem Amtsantritt bereits 40 neue Mitarbeiter unter 30 Jahren ins Haus geholt. „Damit machen wir eine maßvolle Verjüngung des Unternehmens”, so Weißmann abschließend.

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