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„Privatsender in Bedrängnis” © VÖP/Michael Gruber (2)

ReformkonzeptCorinna Drumm, Geschäftsführerin des VÖP, und Ernst Swoboda, Vorstandsvorsitzender des VÖP, fordern eine Bekämpfung der Schieflage am österreichischen Medienmarkt.

© VÖP/Michael Gruber (2)

ReformkonzeptCorinna Drumm, Geschäftsführerin des VÖP, und Ernst Swoboda, Vorstandsvorsitzender des VÖP, fordern eine Bekämpfung der Schieflage am österreichischen Medienmarkt.

Redaktion 20.09.2019

„Privatsender in Bedrängnis”

Mehr Public Value für den ORF, mehr Kooperationen und privatsenderfreundliche Gesetze – das fordert der VÖP.

WIEN. Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hat vergangenen Mittwoch unter dem Titel „Medienzukunft Österreich” ein umfassendes Reformkonzept vorgestellt, in dem er Maßnahmen zur Verteidigung des Medienstandorts Österreich fordert – mit dem Ziel, den Medienmarkt nachhaltig abzusichern und noch mehr Angebot und Qualität bieten zu können.

Schieflage im Medienmarkt

„Die Privatsender geraten zunehmend in Bedrängnis”, sagt Ernst Swoboda, Vorstandsvorsitzender des VÖP und Geschäftsführer von Kronehit. Neben der Bedrohung durch Streaminganbieter und Onlinemedien sieht er einen der Hauptgründe dafür in der zunehmenden Kommerzialisierung des ORF: Knapp 70% der Sendezeit auf ORF 1 würden mittlerweile mit kommerziellen Inhalten – also etwa Hollywoodfilmen und -serien – befüllt, was zu einer Schieflage im österreichischen Medienmarkt führe.

„Der ORF sollte seine Förderungen dafür verwenden, dass etwas produziert wird, das die Zuseher auf anderen Kanälen nicht sehen”, fordert Swoboda und unterstellt dem ORF, aktuell in Filme und Serien zu investieren, nur, damit diese auf keinem anderen Kanälen konsumiert werden. „Der ORF wird dem Profil eines öffentlich-rechtlichen Senders teilweise nicht gerecht”, fasst Swoboda seine Kritik zusammen.

Kooperation mit Privatsendern

Neben der Forderung, dem ORF mehr Public Value abzuverlangen und ihn so aus der Rolle des kommerziellen Konkurrenten zu holen, umfassen die Reformvorschläge des VÖP zwei weitere Kernpunkte: Durch Kooperationen des ORF mit den Privatsendern bei der Inhalteverbreitung und Infrastrukturnutzung solle der österreichische Medienmarkt von innen heraus gestärkt werden.

Die Forderung nach mehr Kooperation zwischen Privat und Öffentlich-rechtlich gelte jedoch nicht für Social Media, erklärt Corinna Drumm, Geschäftsführerin des VÖP, und fordert ein Verbot der Bereitstellung von ORF-Inhalten auf Non-EU-Social Media: „Was wir nicht unterstützen, sind digitale Alleingänge des ORF. Der ORF sollte diesen Plattformen nicht seinen hochqualitativen Content zur Verfügung stellen, damit diese noch erfolgreicher werden.”

Begleitmaßnahmen

Als letzten Punkt fordert Drumm Begleitmaßnahmen zur Weiterentwicklung des österreichischen Medienangebots, darunter Steuerfairness im Wettbewerb mit internationalen Digitalkonzernen, Angebotserleichterungen und Bereinigungen in den Privatrundfunkgesetzen sowie die Förderung der Digitaltransformation und des Inhalte-Angebots der Privatmedien. (ls)

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