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Radiotest-Manipulationen - GfK untersucht Vorfall nur bis 2011 APA Georrg Hochmuth

Kronehit Geschäftsführer Ernst Swoboda schätzt die Höhe des verursachten Schadens durch die GfK auf 20 Mio. Euro.

APA Georrg Hochmuth

Kronehit Geschäftsführer Ernst Swoboda schätzt die Höhe des verursachten Schadens durch die GfK auf 20 Mio. Euro.

Redaktion 11.05.2016

Radiotest-Manipulationen - GfK untersucht Vorfall nur bis 2011

Marktforschungsunternehmen bestätigt Eingriff in Rohdaten "nach Bauch und Erfahrung"

WIEN. Das Marktforschungsunternehmen GfK nimmt die Manipulationen beim Radiotest nur bis 2011 unter die Lupe. Es gebe keinen Anhaltspunkt, auch frühere Jahre untersuchen zu müssen, sagte GfK-Manager Stefan Raum gegenüber der APA. Er verwies auf eine im Jänner erhaltene Info und die bisherigen Ermittlungen. Für 2015 liegen bereits korrigierte Werte vor, für 2014 bis 2011 läuft die Aufarbeitung noch.

GfK geht aber davon aus, dass es 2015 die größten Abweichungen gab. Die Marktforscher sprechen von "unsachgemäßen Glättungen", durch die eine Schere aufgegangen sei. Eine Handvoll Mitarbeiter habe in die Radiotest-Rohdaten "nach Bauch und Erfahrung" eingegriffen. Außerdem seien in den vergangenen fünf Jahren 1.450 der 129.000 Interviews erfunden worden. GfK hat die involvierten Personen abgemahnt bzw. versetzt. Das Unternehmen schließt nicht aus, sich nach Abschluss der Untersuchung auch von Mitarbeitern zu trennen.

Eine Schadenshöhe will GfK noch nicht nennen, dafür sei es zu früh. Im Vordergrund steht derzeit die Aufklärung. Den Auftraggebern, den Radiosendern, wird aber versprochen, für den entstandenen Schaden "gerade zu stehen". Ob sich GfK und die Radiosender aber über die Höhe des Schadens einig werden, ist fraglich. Eine Schätzung des Kronehit-Chefs Ernst Swoboda auf bis zu 20 Mio. Euro weist GfK als "unseriös" zurück. GfK hat für die Radiotest-Manipulationen noch keine Rückstellungen gebildet, wie Raum sagte.

Als Motiv für den Eingriff in die Daten hätten die Mitarbeiter angegeben, dass sie Schwankungen bzw. Überraschungen und dadurch ausgelöste Diskussionen der Sender über die Glaubwürdigkeit des Radiotest vermeiden wollten. Trendabweichungen, die sie sich nicht erklären konnten, seien nach Bauchgefühl geglättet worden. Dem Vorwurf die kommerziellen Radiosender des ORF bewusst bessergestellt zu haben, wird widersprochen. Strafrechtlich relevant sind die Manipulationen laut GfK nicht.

Für die Zukunft will GfK die firmeninternen Kontrollen verschärfen und die Prozesse umkrempeln, GfK Austria mit 280 Mitarbeitern soll umstrukturiert werden. Den Radiotest will man halten. Der aktuelle Vertrag läuft Ende 2018 aus. Laut APA-Infos steht seitens der Auftraggeber aber auch ein vorzeitiger Ausstieg im Raum. Die Radiosender zahlen GfK für die Erhebung rund eine Dreiviertel Million Euro jährlich.(APA)

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