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Rostige Kronen der Schöpfung
Redaktion 26.06.2020

Rostige Kronen der Schöpfung

Es gibt bis heute keine haltbare Definition von Intelligenz. Aber nachbauen kann man sie.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

HOPFEN & MALZ. Inzwischen haben neben der „Corona” getauften Pandemie auch wieder andere Themen Platz. Eines davon ist das Zukunftsthema schlechthin: die Künstliche Intelligenz. KI, AI oder „EjEi”, wie Kenner sie nennen. Seit die Maschine den Menschen nicht nur im Schach schlägt, sondern auch in Go – das als ungleich komplexer gilt –, scheint Hopfen und Malz verloren, was das menschliche Prestige als einzig wirklich nachhaltig zu innovativen, kreativen Lösungen fähige Intelligenz betrifft.

Zur Präzisierung: Dabei geht es nicht um Spielecomputer mit gesteigerter Leistungsfähigkeit, sondern darum, dass etwa Googles KI-Maschine Deep Mind die gängigen Schach-Engines, die jeden Großmeister matt setzen, in der Pfeife raucht. Hinsichtlich Go gaben die Meister des Faches staunend zu, dass die KI Spielzüge entwickelt, die man als vollkommen neu erachten müsse. Einer der weltbesten Go-Spieler, der Südkoreaner Lee Sedol, erklärte 2016 nach der verlorenen Partie, es sei „eine persönliche Niederlage, aber keine für die Menschheit”. Nun denn. Das chinesische Sozialkreditsystem etwa zeigt eben auf, wie eine Kombination von Big Data und KI sich dann doch als Niederlage für die Menschheit erweisen könnte.
Deep Minds Fokus auf öffentlichkeitswirksame Brett- und Videospiele jedenfalls war, so heißt es, immer nur Mittel zum Zweck. Hehres Ziel: „KI-Anwendungen schaffen, die in der echten Welt nützlich sind.” In der Onkologie wäre ein selbstlernender Algorithmus gut aufgehoben, erklären Mediziner. Man könnte etwa mittels vergleichender Analyse von Millionen Röntgenbildern – und den Verlaufsdiagnosen der Patienten – die Krebsfrüherkenung um den entscheidenden Schritt verbessern und damit qualvolle Therapien verringern. Dumm nur, dass die Behandlung von Krebserkrankungen längst ein globales Milliardenbusiness ist.
Themensprung. Ganz ohne Corona gehts doch nicht. Jene, die 24/7 per Mobiltelefon ihr ganzes Leben dokumentieren lassen, protestieren gegen die Stopp-Corona-App. Kenn sich einer aus.

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