Rückbesinnung
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Wolfgang Übl (l.) und Lukas Leitner leiten zusammen die Geschäfte der Cayenne Werbeagentur.
MARKETING & MEDIA Redaktion 11.12.2020

Rückbesinnung

Wolfgang Übl und Lukas Leitner, Geschäftsführer Cayenne, wünschen sich mehr Zusammenhalt in der Branche.

WIEN. Den Stempel FullserviceAgentur tragen heute viele Agenturen. Mit ihrer Werbeagentur Cayenne verfolgen Lukas Leitner und Wolfgang Übl nun bereits seit 18 Jahren einen ganzheitlichen Kommunikationsansatz. Seit jeher liegt ihr Fokus dabei auf der strategischen Planung, die ihnen mithilfe eines eigenen Modells, der „Cayenne Mill”, besonders spitz formulierte Briefings für eine Vielzahl an Kanälen ermöglicht, wie die beiden Geschäftsführer im Gespräch mit medianet erzählen.

Strategie, fein gemahlen

„Die Cayenne Mill kann man sich vorstellen wie eine überdimensionale Pfeffermühle, die sich zunächst mit dem Gesamtumfeld des jeweiligen Marktes beschäftigt”, erklärt Leitner. In dieser Phase kommt der sogenannte „Profiler” zum Einsatz, gefolgt von „Focusser” und „Spicer” – allesamt standardisierte und Trademark-geschützte Tools, die ein sehr eng formuliertes Briefing herausarbeiten. Dieses wird dann an das Kreativteam weitergegeben, das so von einem bereits sehr hohen Level starten kann, „was letztendlich auch zu entsprechend spitzer und scharfer Kommunikation führt”. Der letzte Schritt in der Cayenne Mill, der „Evaluator”, beschäftigt sich mit der Zielkontrolle und der entsprechenden Nachschärfung von Strategie und Umsetzung.

Auch die Kundenberatung wurde als Projektmanagement aus dem Tagesgeschäft der Agentur herausgelöst. So gibt es pro Kunde bei der Cayenne nur jeweils einen Ansprechpartner, der die Anliegen der Kunden intern weiterleitet und die jeweiligen Spezialisten hinzuzieht. Für Leitner und Übl hat sich dieses Konzept als großer Erfolg herausgestellt, betreuen sie einige ihrer Kunden doch bereits seit der Gründung der Agentur im Jahr 2002. Übl: „Das funktioniert nur durch die jahrelange Bindung an einen Kundenberater, der die gesamte Historie des Kunden kennt.”

Langjährige Kundenbetreuung

Stolz sind die beiden Geschäftsführer nicht nur auf die Langjährigkeit ihrer Kunden – Skoda etwa betreut die Cayenne nach einem kürzlich gewonnenen Repitch nun nach 18 Jahren für weitere vier –, sondern auch auf deren Bandbreite: Von der Lebensmittel- und Versicherungsbranche, über die Pharmaindustrie, öffentliche Auftraggeber und solche im B2B-Bereich kommen die Kunden der Cayenne aus sehr unterschiedlichen Gebieten. Das B2B-Geschäft sei einer der Kernbereiche der Agentur, erklärt Übl: „Kommunikation im Bereich Public Affairs ist vor allem aufgrund der Zielgruppenwahl sehr speziell. Wir haben viele Projekte, die man nicht einfach breit in den Markt hineinstreuen kann. Das ist mit ein Grund, warum wir viele unserer Kunden langjährig betreuen – hier macht sich die strategisch fundierte Arbeit bezahlt.”

Hybride Veranstaltungen

Viele dieser Kunden hätten während der letzten Monate reichlich in antizyklische Werbung investiert, was dazu geführt hat, dass die Cayenne von der Covid-Krise wenig bis überhaupt nicht getroffen wurde. Und das nicht nur im betriebswirtschaftlichen Ergebnis, sondern auch in der täglichen Arbeit, denn die Agentur sei seit Jahren so aufgesetzt, dass die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten können und Meetings mit Kunden regelmäßig virtuell stattfinden. „Wir können durchaus mit einem gewissen Selbstbewusstsein und Stolz sagen: Uns hat die Krise in der Technik und in unserer täglichen Arbeit überhaupt nicht getroffen.”

Maßgeblich dazu beigetragen hat auch die rasche Anpassung der Cayenne an die neuen Gegebenheiten im Eventbereich, einem weiteren Steckenpferd der Agentur. Mit der Konzeption und Umsetzung hybrider Veranstaltungen konnte die Cayenne etwa am virtuellen Nationalfeiertag punkten, der die Veranstaltung trotz Lockdown für ein Millionenpublikum erlebbar machte.

„Wir entsolidarisieren uns”

Auch wenn 2020 für die Cayenne ein sehr erfolgreiches Jahr war und die Krise der Agentur nicht viel anhaben konnte, sehen die beiden Geschäftsführer gewisse Schwierigkeiten, mit denen die Branche zu kämpfen hat – Schwierigkeiten, die sich die Branche größtenteils selbst verursacht, wie Leitner erklärt: „Wir entsolidarisieren uns. Ich bedaure es massiv, dass wir nicht ebenso geschlossen auftreten wie etwa der Handel oder der Skitourismus dies tut.” Ein Beispiel für diese Entsolidarisierung der Werbebranche seien etwa die Reaktionen auf die Veröffentlichung von Videomaterial des Terroranschlags am 2. November, die letzten Endes lediglich dazu geführt hätten, dass die Werbung österreichischer Unternehmen aufgrund der zu erzielenden Ad Impressions in ausländischen Medien zu sehen war – und dort erst recht wieder neben der Terrorberichterstattung.

„Du kannst als Agentur nicht sagen, der Inhalt dieses oder jenes Mediums gefällt mir nicht und den Kunden dazu auffordern, deshalb darin nicht mehr zu werben. Wir haben ein Berufsethos zu erfüllen, indem wir unseren Kunden Medien vorschlagen, die ihre Zielgruppe am effizientesten erreichen.” Auf dieses Ethos müsse sich die Branche zurückbesinnen. (ls)

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