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Und ewig lockt das Vermarktungspotenzial © APA/AFP/Thomas Coex

Super League? Ursprünglich scheiterten die Pläne der Großklubs im Jahr 2021. Nun gibt es einen neuen Anlauf.

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Super League? Ursprünglich scheiterten die Pläne der Großklubs im Jahr 2021. Nun gibt es einen neuen Anlauf.

Redaktion 28.10.2022

Und ewig lockt das Vermarktungspotenzial

Mögliche Konkurrenz zur UEFA: Auch der Ex-RTL-Deutschland-Chef Bernd Reichart soll die Idee einer Super League wieder verfolgen.

••• Von Georg Sander

WIEN. Im April 2021 ließen zwölf europäische Topklubs wie Real Madrid, Juventus Turin oder der FC Barcelona, aber auch Klubs aus England aufhorchen: Wir gründen eine Super League. Das wäre eine Konkurrenz zur UEFA Champions League gewesen. Und der Fußballkontinentalverband schob dem Ganzen einen Riegel vor. Nach und nach nahmen die anderen Klubs Abstand von der Super League, nur die drei erwähnten wollten sich nicht distanzieren. UEFA-Präsident Alexandar Ceferin verlautbarte aber, nachdem die Liga nach zwei Tagen schon wieder kein Thema mehr war: „Ich denke, sie ist tot.”

Der zweite Anlauf

Deutsche Klubs gehörten nicht zu den zwölf, sie sollen aber ins Boot geholt werden. Mit der Agentur „A22 Sports Management” und Ex-RTL-Deutschland-Chef Bernd Reichart soll die Idee Super League wieder verfolgt werden. Das wurde vergangene Woche bekannt. „Natürlich möchte ich auch den deutschen Clubs vermitteln, was sich an der Herangehensweise geändert hat”, wird er zitiert, „Ich freue mich auf Gespräche in jedem europäischen Territorium, natürlich auch in Deutschland. Ich werde gerade die Offenheit des Wettbewerbs hinterlegen.”

Millionenwerte

Aber worum geht es eigentlich? Ums Geld. Denn die lukrative Champions League und die weiteren Klubbewerbe werden von der UEFA vermarktet, gerade Topklubs wie Barca oder Juve sind hoch verschuldet. Rei-chart: „Das System ist instabil geworden und finanziert sich nicht mehr selbst. Der europäische Clubfußball verliert seine führende Rolle im Weltsport, weil er nicht Woche für Woche die besten Spiele anbietet.”

Der Fußball, und somit die allermeisten globalen Sportarten, ist in Verbänden organisiert, die die großen Turniere veranstalten und das Geld einnehmen bzw. verteilen. Das hat lange Zeit niemanden gestört. Im Fußball gab es zwar schon länger Profis, Millionäre wie heutzutage waren sie aber nicht nach der Karriere. Diese Entwicklung hat in den letzten 30 Jahren Fahrt aufgenommen.
„Im Rahmen ihres Dialogs mit der EU strebt die UEFA eine stärkere Anerkennung der Besonderheit des Sports an, d.h. der besonderen Merkmale, durch die sich der Fußball und andere Sportarten von den übrigen Wirtschaftszweigen unterscheiden”, erklärt der Sportverband dazu. Doch diverse Korruptionsaffären im internationalen Fußball und Vergaben von Großveranstaltungen an Autokratien lassen die Beteiligten hellhörig werden. Denn es geht um massiv viel Geld. Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat in der alljährlichen Fab-40-Liste unter anderem die wertvollsten Sportveranstaltungen anhand des Markenwerts gekürt. Nach dem Superbowl im American Football und Olympia folgen die Fußball-WM auf Platz vier, das Champions League-Finale sieben.

Ein Monopol?

Ob dieses System von Verbänden überhaupt mit EU-Recht vereinbar ist, soll geklärt werden. Derzeit liegt diese Grundsatzfrage, ob die UEFA und der Weltverband FIFA mit ihren Wettbewerben ein Kartell bilden, beim Europäischen Gerichtshof. Die European Super League Company hatte Klage gegen die UEFA und FIFA bei einem Gericht in Madrid eingereicht, dieses hatte den EuGH gebeten, EU-Recht für das Verfahren auszulegen. Ein Urteil wird im kommenden Jahr erwartet.

Die größten deutschen Fußballklubs haben übrigens wiederholt abgesagt, wie etwa Ex-Tormann und Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn wissen ließ: „Der Versuch einer Super League ist vor eineinhalb Jahren krachend gescheitert.” Mittlerweile haben englische Klubs abgewunken. Allzu sicher sollte sich der Fußball aber nicht sein.

Golf macht es vor

Weil der Sport ein Business ist, an dem die Involvierten verdienen und sich Marken gut präsentieren können, geht es eben ums Geld. Im Golf entschloss sich eine saudische Firma, mit der LIV-Series genauso eine Super League „gegen” die PGA zu gründen. Was die LIV ausmacht? Letztlich wohl vor allem höhere Preisgelder, die an die Topgolfer gezahlt werden können. Die Reaktion der etablierten PGA: drohender Ausschluss der an den LIV-Turnieren teilnehmenden Profis. Die Saudis wiederum reagierten mit der Möglichkeit, eigene Major-Turniere zu veranstalten.

Auch medial ist die Sachlage mehr als spannend. Denn in Österreich überträgt Sky die großen Turniere, die Rechte an der LIV hat ServusTV. Wo sollen sich da Werbepartner positionieren? Was macht man mit Topgolfern, die beides spielen wollen, wenn er da (oder dort) ausgeschlossen wird?
Diese Fragen müssen nun alle Golf-Stakeholder beantworten, vielleicht müssen es nächstes Jahr auch jene im Fußball. Letztlich aber müssen sich die Verbände klar sein: Im Freizeitbereich werden sich die Kunden für das beste Produkt entscheiden und nicht für das, das es immer schon am Markt gegeben hat.

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