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Wenn auch der Freund mithört
Dinko Fejzuli 26.01.2018

Wenn auch der Freund mithört

Braucht es Warnschilder an der Tür, wenn man interaktive Lautsprecher wie Alexa & Co benutzt?

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

SELBSTAUSLIEFERUNG. Betritt man ein Gebäude, in dem es Videoüberwachung gibt, wird man vor Betreten desselbigen darauf aufmerksam gemacht: „Achtung, Videoüberwachung”, heißt es dann. Und will man zum Beispiel, um Vandalismus zu verhindern, im eigenen Wohnblock eine Videokamera installieren, so geht das nicht so einfach. Niemand darf andere einfach so und ­ohne deren Wissen überwachen.

Auch ist das Thema Dash-Cam, also jene zigarettenschachtelgroßen Kamera, die sich Menschen in ihr Auto montieren, um im Falle des Falles beweisen zu können, dass nicht sie schuld an einem etwaigen Verkehrsunfall sind, noch nicht ausjudiziert. Doch wenn sich jemand freiwillig eine Wanze in Form von interaktiven Lautsprechern wie Alexa oder Echo ins Haus holt – weil sie so „convenient” sind –, dann weiß ich das als Besucher dieser Wohnung oft nicht und werde damit, ohne dass ich davon in Kenntnis gesetzt wurde oder zugestimmt hätte, abgehört.
Und trotz der Beteuerungen der Unternehmen, dass sich das Mikrofon nur einschalten würde, wenn man den Lautsprecher mit Aktivierungsbegriffen anspricht, ist nicht sichergestellt – und das geben Google, Amazon & Co. auch zu –, dass bei ähnlich klingenden Worten wie eben „Alexa” der Lautsprecher plötzlich mithört und mitschneidet.
Das ist die eine Problematik, dass ich ungewollt und ohne meine Zustimmung de facto abgehört werden kann. Die andere ist, dass die gesammelten Daten auch für andere als die Unternehmen wie Google und Amazon selbst von größtem Interesse sind; nämlich eine Stimmprobe von jedem einzelnen von uns, die auch etwa für den Staat von Interesse sein könnte.
Wohin Systeme und Instrumente dieser Art führen können, sieht man bereits jetzt schon in China, wo ein Punktesystem für jeden Bürger eingeführt wird, man nur bei Wohlverhalten diese auch sammeln kann, und jene, die wenig Punkte haben, plötzlich nicht mehr studieren oder einen bestimmten Beruf ausüben können – und das ist dann alles andere als „convenient”.

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