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„Wir sind viel mehr als ein klassischer Verlag” © Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

sabine bretschneider 15.03.2019

„Wir sind viel mehr als ein klassischer Verlag”

Manz-Geschäftsführer Peter Guggenberger über die Juristerei, den technologischen Wandel und die Rolle als Enabler für die Kunden.

••• Von Sabine Bretschneider

Wer sich mit Recht beschäftigt, kennt den Manz Verlag – und nutzt dessen Produkte. Heuer wird das Familienunternehmen 170 Jahre alt. Sein neuer Leitspruch lautet „Wir digitalisieren Recht”. Und das Thema Digitalisierung nimmt man bei Manz nicht auf die leichte Schulter. So informiert der „Gesetzesbutler”, ein Newsletter-Service, Kunden der RDB Rechtsdatenbank vorab über novellierte Normen, und die „Manz Cloud” ermöglicht unter dem Motto „Auf Wolke sicher” DSGVO-konformes Arbeiten mit Speicherort in Österreich.

50% Umsatz mit Digital

„Manz hat schon vor mehr als 30 Jahren mit der RDB-Rechtsdatenbank ein digitales Produkt für Juristinnen und Juristen auf den Markt gebracht”, erzählt Geschäftsführer Peter Guggenberger. „Man konnte dort in Judikatur und Aufsätzen aus zahlreichen Fachzeitschriften recherchieren. In der Zwischenzeit wurde das digitale Angebot so erweitert, dass unsere Kunden auch Zugriff auf die Fachliteratur unseres Verlagsprogramms haben.” Manz erwirtschaftet mittlerweile 50% des Umsatzes mit digitalen Produkten. „Wir befinden uns mitten in dieser Transformation”, sagt Guggenberger.

Für den Verlag sei die Umstellung nicht so schwierig, sehr wohl aber für viele Kunden: „Wir sehen, dass sich der juristische Markt im Vergleich zu anderen Märkten, etwa der Finanzindustrie, langsamer entwickelt. Es gibt mehr Beharrungsvermögen als in anderen Branchen. Juristerei, das heißt bis heute: Das Geschriebene zählt.”
Vergangenes Jahr hat Manz eine Umfrage unter Tausenden Juristen und anderen Fachprofis in Auftrag gegeben. „Am Anfang stand die Frage, wofür Manz steht und wohin wir uns bewegen wollen”, so Guggenberger, „auch, um zu erforschen, wie der digitale Wandel bei unseren Kunden stattfindet, welche Produkte sie nutzen.”
Die Hauptergebnisse: Manz wird als traditionelles und seriöses Unternehmen wahrgenommen, und Print spielt im Vergleich zu Digital immer noch eine gewichtige Rolle. Ergo müssen digitale Produkte einen eindeutigen Mehrwert bieten, um angenommen zu werden.

Speicherort in Österreich

Die Manz Cloud etwa ist ein Resultat der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bei Manz. Guggenberger: „Die Manz Cloud ist nichts anderes als ein Speicherort, der die hohen Anforderungen der juristischen Berufsgruppen an Datensicherheit erfüllt.” Dokumente oder Dateien werden nicht als Anhang versendet, sondern als Cloud-Link. Gespeichert werden die Daten nicht, wie bei vielen anderen Anbietern, auf ausländischen Servern, sondern garantiert in Österreich. „Wir selbst nutzen dieses Produkt”, sagt Guggenberger. „Warum also sollten wir diese Funktionalitäten nicht auch unseren Kunden zur Verfügung stellen?”

Mit Jahreswechsel ging die Manz Cloud in Live-Betrieb, Interesse und Akzeptanz seien groß. Natürlich sei das Produkt „erklärungsbedürftig, aber in Gesprächen kann man Licht ins Dunkel bringen”. Das Vertriebs­team wurde für diese Zwecke entsprechend geschult.
Das Printgeschäft selbst, die Inhalte, seien autorengetrieben. Content entwickle sich aus einer Community heraus, die auf Vertrauensbeziehungen aufbaut. Das Digitalgeschäft hingegen entstehe aus der Innovation. Guggenberger: „Diesen Spannungsbogen gilt es tagtäglich aufrechtzuerhalten.”

Sprache und KI

In der Rechtsrecherche ist das Thema Künstliche Intelligenz (KI) präsent: „Es gibt durchaus schon Ansätze, wie und wo wir das in Zukunft einsetzen”, so Guggenberger. Man könne zum Beispiel Algorithmen dazu nutzen, um Inhalte automatisch Rechtsgebieten zuzuweisen.

Der Weg zur Automatisierung sei in dieser Disziplin eine große Herausforderung, meint Guggenberger. „Die Rechtssprache ist eine sehr spezifische – und wenn eine Maschine den Kontext von Sprache verstehen soll, dann muss man ihr schon sehr viel beibringen. Aber: Man kann heute bereits mit Machine-Learning-Methoden die Qualität der Recherche-Ergebnisse deutlich verbessern.”
Behilflich ist dabei die Tochtergesellschaft Manz Solutions. Hier arbeiten 24 Software-Ingenieure an diesen und anderen, ähnlich komplexen Prozessen. Guggenberger: „Nur das große Versprechen, das ursprünglich IBM mit Watson gegeben hat: ‚Wir lösen jetzt all eure ­Probleme' – das wird es so in abseh­barer Zeit nicht geben.”
Der technologische Wandel sei anspruchsvoll – für alle Beteiligten: „Ein Verlag produziert das Werk und kümmert sich um den Vertrieb. Bei den neuen Technologien bleibt zwar der Inhalt wichtig, aber die Nutzungsform verändert sich. Verlagsinhalte fließen in neue Lösungen ein. Mittels dieser können Kunden künftig ihre eigenen Dokumente bzw. Inhalte entweder strukturieren oder mit unseren Verlagsinhalten verknüpfen. Wir sind inzwischen mehr als ein Informationsanbieter und viel mehr als ein klassischer Fachverlag. Wir werden immer mehr auch zum Enabler für unsere Kunden.”

„Die Arbeit erleichtern”

Im wirtschaftlichen Wandel den Fokus allein auf die Rolle als Content-Anbieter zu richten, sei zu wenig: „Damit ginge man das Risiko ein, sich à la longue auf der Verliererstraße wiederzufinden.”

Guggenberger: „Unsere mittelfristige Perspektive ist die: Wir wollen unseren Kunden unsere strukturierten Inhalte in Kombination mit von uns entwickelten Werkzeugen zugänglich machen. Und wir wollen den Schatz unserer Kunden, die riesige Menge an Information, die in ihren Archiven lagert, für sie auswertbar und durchsuchbar machen. Dafür stellen wir unsere Expertise zur Verfügung, dafür setzen wir unser Know-how ein. Mit dem Ziel, unseren Kunden die Arbeit zu erleichtern – getreu unserem neuen Motto: ‚Wir digitalisieren Recht'.”

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