Grüne Busse auf fünf Kontinenten unterwegs
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MOBILITY BUSINESS Redaktion 20.02.2026

Grüne Busse auf fünf Kontinenten unterwegs

FlixBus-Geschäftsführer Daniel Packenius über das ­Erfolgsmodell von FlixBus und die Expansionspläne

••• Von Alexander Haide

Seit mehr als einem Jahrzehnt sind die grünen Busse und grünen Züge von Flix in Europa und anderen Kontinenten nicht mehr wegzudenken. Gegründet im Jahr 2012, bietet das globale Travel-Tech-Unternehmen unter den Marken FlixBus, FlixTrain, Greyhound und Kâmil Koç nachhaltige und erschwingliche Reisen in mehr als 8.000 Destination in 40 Ländern auf fünf Kontinenten an. Seit dem Start hat das Unternehmen mehr als 500 Mio. Reisende befördert.
Auch in Österreich gehören die FlixBusse zum Alltag, auf der Bahn kooperiert man mit dem CAT zum Wiener Flughafen und mit der WestBahn auf der Weststrecke. Was hinter dem Erfolg der Marke steckt und wie die Zukunft im Zeichen der Nachhaltigkeit aussieht, erläuterte Daniel Packenius, Geschäftsführer von FlixBus Deutschland, Österreich und Schweiz, im medianet-Interview.

medianet: Was ist das Erfolgsgeheimnis von FlixBus? Die rund 2.500 innereuropäischen Verbindungen, oder ‚nur‘ der günstige Preis?
Daniel Packenius: Flix ist ein Travel-Tech-Unternehmen. Das heißt, bei uns steckt ganz viel Technologie dahinter. Die hilft uns, die Routen zu planen, die Auslastung der Busse und Züge smart zu steuern und günstige Preise anzubieten. Für unsere Fahrgäste ist die Kombination aus einfacher Buchung, einem umfassenden Angebot und günstigen Preisen daher entscheidend. Seit dem Start haben wir so weltweit mehr als 500 Millionen Reisende befördert.

medianet: Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Geschäft in Österreich entwickelt? Wie beurteilen Sie die Rahmenbedingungen?
Packenius: Neben unseren starken Kernverbindungen wie zum Beispiel zwischen Graz und Wien sehen wir besonders im internationalen, grenzüberschreitenden Verkehr auch in Zukunft deutliches Wachstumspotenzial. Das wollen wir künftig noch stärker nutzen.
Ein wesentlicher, einschränkender Faktor sind aktuell aber die Haltestellensituationen in größeren Städten wie Salzburg oder Linz. Diese liegen außerhalb der Innenstädte und sind dadurch für Fahrgäste wenig attraktiv. Zentrumsnahe, fahrgastfreundliche Haltestellen, idealerweise an denselben Standorten wie die unserer österreichischen Partner, könnten das Angebot für Reisende in ganz Österreich deutlich verbessern.

medianet: Sie konnten im Jahr 2024 mehr als 90 Millionen Fahrgäste verzeichnen. Ist da noch Luft nach oben?
Packenius: Ja, auch im Jahr 2025 sind wir weiter gewachsen. Erst kürzlich haben wir verkündet, dass wir eine Mehrheitsbeteiligung an der Flughafentransfer-Plattform Flibco erworben haben, die seit Jahren erfolgreich Flughafenshuttles in Europa anbietet. Das Investment zeigt ganz klar, dass Flix auch im Heimatmarkt Europa weiter wächst.

medianet: Nach welchen Kriterien wählt FlixBus neue Routen aus? Welche werden heuer hinzukommen, welche Strecken werden eingestellt?
Packenius: Bei der Anbindung von neuen Halten werden viele Faktoren analysiert, dazu gehören auch erwartete Fahrgastströme, die geographische Lage und das bestehende Netzwerk. Die Nähe zur Autobahn kann bei kleineren Ortschaften ein Pluspunkt sein und sich positiv auf eine mögliche Anbindung auswirken.
FlixBus wächst auch im Jahr 2026 in Österreich weiter. Zwei Linien, die aktuell nicht mehr nach Österreich fahren, stehen heuer viele neue Verbindungen gegenüber. Dazu gehören die Linie von München ins Kleinwalsertal, Florenz – Innsbruck – Basel, Kopenhagen – München – Innsbruck sowie Berlin – München – Innsbruck und Budapest – Bratislava – Wien – Linz – Salzburg.

medianet: Mit FlixTrain sind Sie in Österreich nur nicht mit eigenen Zügen vertreten, sondern kooperieren auf der Weststrecke mit der WestBahn und in Wien mit CAT zum Flughafen. Ist ein eigener Markeneintritt geplant?
Packenius: Wir fahren aktuell sehr erfolgreich mit unseren Kooperationen vor Ort, das wollen wir auch zukünftig so beibehalten.

medianet: Durch die Komplexität hat FlixBus eine eigene Technologie-Plattform entwickelt. Setzen Sie dabei auch KI ein?
Packenius: Flix hat sich seit 2013 von einem kleinen nationalen Angebot zu einem globalen Netzwerk mit 400.000 täglichen Busverbindungen entwickelt. Mithilfe eines eigens entwickelten KI-Systems optimieren wir so datenbasiert zum Beispiel unsere Netzwerkplanung, steigern die Effizienz des Flotteneinsatzes und nutzen KI auch punktuell bei der Preisgestaltung oder per Chatbot im Kundenservice – da, wo es sinnvoll ist.

medianet: Wie sehen Sie die Zukunft der E-Mobilität bei FlixBus? Ist das bei Fernstrecken aufgrund der Reichweiten von E-Bussen überhaupt möglich? Ist Wasserstoff ein Thema?
Packenius: Die Rahmenbedingungen für den Umstieg auf Elektromobilität sind insgesamt positiv zu bewerten. Besonders möchte ich hier das bestehende Förderprogramm hervorheben, das offen für alle Arten von Bussen ist, sowohl im lokalen als auch im Fernverkehr. Dadurch kann der Wechsel zur Elektromobilität in Österreich deutlich schneller erfolgen als in vielen anderen Ländern. Wir arbeiten hier aktuell am Einsatz von mehr E-Bussen.

medianet: Gerade in Wien ist seit Jahren der veraltete und hässliche internationale Busterminal ein Thema. Ein neuer Terminal wird erst im Jahr 2029 in Betrieb genommen. Eine zufriedenstellende Entwicklung?
Packenius: Die Stadt Wien bietet heute mit dem durch den ÖPNV angeschlossenen internationalen Busterminal bereits eine gut funktionierende Möglichkeit für Fahrgäste, die Reise mit dem Fernbus anzutreten.
Der geplante neue Fernbusterminal wird die Attraktivität für Kunden mit Gastronomie, Services und Wartebereich dann nochmal deutlich erhöhen. Für uns ist das eine gute Möglichkeit, unser Angebot noch besser an den Kundenbedürfnissen auszurichten.

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