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Digitalagentur Datenwerk unter dem Skills-Dach © Sebastian Philipp
© Sebastian Philipp

Redaktion 24.01.2020

Digitalagentur Datenwerk unter dem Skills-Dach

Im Interview mit "medianet" erklärt die Skills-Geschäftsführung die Hintergründe für die Übernahme der Digitalagentur.

••• Von Dinko Fejzuli und Nadja Riahi

Mit der mehrheitlichen Übernahme der Wiener Digital- und Innovationsagentur Datenwerk baut die Kommunikationsagentur Skills ihr Angebot in den Bereichen Social Media und Online-Kommunikation weiter aus. Dadurch wird die Skills Group, die zu den führenden des Landes zählt, künftig komplexe Mobil-, Web- und IT-Projekte auch in-house umsetzen können. Die Gruppe beschäftigt nunmehr über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zählt mit einem Honorarumsatz von rund 4,5 Mio. € zu Österreichs größten Kommunikationsagenturen.

medianet traf die Geschäftsführer von Skills, Jürgen H. Gangoly und Jörg Wollmann, sowie von Datenwerk, Wolfgang Zeglovits, anlässlich der Übernahme zu einem Gespräch über die Gründe für den Deal, die künftige Zusammenarbeit und die immer digitaler werdende Kommunikationsbranche.
„Seit der Fusion im Jahr 2000 mit der Internet-Marketing- Agentur Shortcut ist die Online-Kommunikation ein fixer Bestandteil unserer Arbeit. Durch den weltweiten Social Media-Boom hat sich der Bedarf unserer Kunden im Digitalbereich in den letzten Jahren noch vergrößert. Vor etwas mehr als vier Jahren haben wir im Rahmen einer Strategieklausur die Ziele für ‚Skills 2020' abgesteckt. Dabei haben wir definiert, dass wir noch digitaler werden müssen, um auch in Zukunft zu den führenden Agenturen Österreichs zu gehören. Die Jahre sind rasch vergangen, und im Dezember 2019 haben wir mit dem Erwerb von 80 Prozent an Datenwerk von einer Gruppe von Privatinvestoren einen großen Schritt zum Erreichen dieses Ziels gesetzt: Wir haben jetzt die erforderliche digitale Umsetzungskompetenz im Haus, um auch große Online-Projekte zu stemmen”, erklärt Jürgen H. Gangoly, Managing Partner bei Skills.
Die restlichen 20% verbleiben beim langjährigen Datenwerk-Gesellschafter und Geschäftsführer Wolfgang Zeglovits. „Wir hatten im Laufe unserer langen Unternehmensgeschichte mehrere Eigentümer und waren auch eine Zeit lang Teil eines Konzerns. Seit 2015 sind wir unabhängig am Markt erfolgreich. Die Idee, einen Partner zu suchen, mit dem wir gemeinsam schneller wachsen können, war jedoch immer ein Thema. Wir wollten keine kleine eigentümergeführte Agentur bleiben. Als Partner der Skills Group können wir unsere Lösungen jetzt einem deutlich größeren Kundenkreis zur Verfügung stellen”, sagt Zeglovits, der Datenwerk auch unter dem Dach von The Skills Group weiter operativ leiten wird.

Neuer Mehrheitseigentümer

Wichtig zu betonen sei, dass The Skills Group und Datenwerk nicht fusionieren, sondern Skills nun Mehrheitseigentümer ist. Datenwerk werde weiterhin als eigenständiges Unternehmen am Markt bestehen, so Gangoly. „Wir werden aber unter dem Namen The Skills Group auch gemeinsam auftreten. Es ist geplant, dass Datenwerk an den Skills-Standort in den fünften Bezirk zieht und es so rasch zu unternehmensübergreifenden Expertenteams kommen wird. Dann werden 40 Leute in der Margaretenstraße zusammenarbeiten, um für unsere Kunden noch bessere Ergebnisse zu erzielen”, sagt Gangoly.

Keine „reine” PR-Agentur

„Aufgrund unserer Geschichte werden wir am Markt teilweise noch ausschließlich als klassische Strategie- und PR-Agentur gesehen, obwohl der Anteil an digitalen oder digital begleiteten Projekten in den letzten Jahren stark zugenommen hat. In der neuen Konstellation wird sich nicht nur unser Image, sondern tatsächlich unsere DNA ein Stück weit verändern. Klassisches PR-Handwerk bleibt wichtig, doch mit dem Durchmischen der Teams streben wir eine neue Qualität im ganzheitlichen Planen und Umsetzen von Kommunikationsprojekten an”, sagt Jörg Wollmann, ebenfalls Managing Partner bei Skills.

IT-Umsetzungskompetenz

„Datenwerk hat jetzt mit Skills eine strategisch denkende Content-Factory. Wir haben mit Datenwerk die Umsetzungskompetenz im IT-Bereich. Die Kommunikation ist in den letzten Jahren komplexer geworden. Spitzenberater können natürlich Gesamtprojekte denken, planen und steuern, aber ein guter PR-Berater wird selten auch ein hervorragender Programmierer sein und umgekehrt. Es gilt, für die Kunden Top-Qualität sicherzustellen, indem man für alle Kommunikationsaufgaben wirkliche Top-Experten und eingespielte Teams hat”, erklärt Gangoly.

Dadurch, dass sich die beiden Agenturen bereits seit vielen Jahren kennen, sei die Zusammenarbeit in einer Unternehmensgruppe laut Zeglovits besonders reizvoll: „Wir haben für Skills immer wieder technische Umsetzungen für Kundenprojekte gemacht.” Dass Kommunikations-Agenturen ihr Leistungsportfolio am Markt ausbauen, ist ein internationaler Trend, der nach und nach auch in Österreich ankommt. „Wir sind in der internationalen PR-Branche bestens vernetzt und natürlich reagieren wir auch auf internationale Trends, die wir für den österreichischen Markt adaptieren. Die Kommunikationsagentur der Zukunft ist auf jeden Fall auch eine IT-kompetente Agentur”, sagt Gangoly.

In beiden Welten zuhause

„Ziel der Übernahme ist es, bei den unterschiedlichen Disziplinen der Kommunikationsbranche möglichst wenig Reibung an den Schnittstellen zu haben. Davon profitieren unsere Kunden natürlich. Wir sind davon überzeugt, dass es von der strategischen Beratung bis hin zur Umsetzung ein ständiges Zusammenarbeiten und ein gutes Verständnis für beide Welten braucht, damit es im Arbeitsalltag funktioniert. Schließlich müssen wir uns an die sich immer schneller drehende Geschwindigkeitsspirale anpassen, die in der Kommunikationsbranche dazugehört”, so Gangoly weiter.

Auf die Frage, was sich jetzt genau ändert, antwortet Gangoly: „Wir haben natürlich bisher schon Gesamtkommunikationskonzepte angeboten. Der Benefit für unsere Kunden ist, dass es jetzt vom Pitch bis zur Jahresplanung und Umsetzung – egal ob offline oder online – immer ein eingespieltes Team mit gemeinsamen Betreuungs- und Qualitätsstandards im Haus geben wird.” Das neue Angebot spreche all jene Unternehmen und Institutionen an, die Strategieberatung und professionelle PR-Arbeit ebenso erwarten wie Umsetzungskompetenz im IT- und Webbereich.
„Auch wenn sich jetzt alles sehr schlüssig darstellt, war das Ergebnis keinesfalls von langer Hand geplant”, so Wollmann. Das Angebot zum Erwerb von Datenwerk habe man ursprünglich anonymisiert erhalten. „Als wir dann gemerkt haben, dass es sich um die Agentur Datenwerk handelt, hat uns das umso mehr gefreut. Denn der Arbeitsmarkt an IT-Experten, mit denen man selbst eine Digitalunit aufbauen kann, ist nicht so groß in Österreich.”

Eigentümergeführt als Vorteil

Der gesamte Prozess – von der Analyse, über die Finanzierung bis zum Signing – habe dann aber gerade einmal drei Monate gedauert. Eine Geschwindigkeit, die nur bei einer eigentümergeführten Agentur möglich ist, sind die Skills-Geschäftsführer überzeugt. „Wir haben die unternehmerische Chance ergriffen und uns im Bieterprozess gegen Mitbewerber aus Österreich und Deutschland durchgesetzt”, so Gangoly und Wollmann.

„Unsere Kunden wollen kontinuierliche Qualität und die können wir ihnen jetzt auch im Digitalbereich bieten. Unsere neue Größe hilft uns generell bei der Umsetzungsgeschwindigkeit und der Betreuung von größeren Projekten”, so Gangoly weiter. „Wer sich mit dem Web und der IT auseinandersetzt, merkt schnell, dass es nicht nur ein ‚one stop' ist”, sagt Zeglovits.
„Es gehören auch rechtliche Herausforderungen dazu, wie sie die DSGVO und die ePrivacy-Richtlinie darstellen. Ich bin daher auch zertifizierter Datenschutzbeauftragter”, sagt er. Ein Vorbild für die neue Agenturguppe sei auch die internationale Netzwerkagentur in London, FleishmanHillard, die ebenfalls große Digitalagenturen zugekauft hat. Mit einem Gesamtumsatz von über 4,5 Mio. € wird The Skills Group in seiner neuen Zusammensetzung wohl im kommenden PR-Agenturranking vom fünften Platz einen kräftigen Sprung nach vorn machen.
„Wir sind sehr viel für internationale Unternehmen tätig, auch für solche, die erstmals in den österreichischen Markt einsteigen”, sagt Gangoly. „Das Ranking ist für solche Unternehmen natürlich eine wichtige Orientierungshilfe. Gleichzeitig interessiert uns Umsatz ohne Rendite aber wenig”, sagt Wollmann. Für die Zukunft wünschen sich Zeglovits, Wollmann und Gangoly weiter hohe Kunden­zufriedenheit und ein generisches Wachstum. „Nach der Übernahme sind wir jetzt mitten im Integrationsprozess. Unser Potenzial ist jetzt auf jeden Fall größer und eröffnet uns neue Möglichkeiten”, so die drei abschließend.

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