PRIMENEWS
Erschütternde ­Erkenntnisse
sabine bretschneider 26.06.2015

Erschütternde ­Erkenntnisse


Laut einer aktuellen Studie ist die Frage, ob Geld den Charakter verdirbt, keine akademische mehr, sondern nun auch experimentell nachweisbar.

Geldwert Die Nachrichtenagentur pressetext ist ein wahrer Quell der Inspiration: „In Versuchen belegt: Geld verdirbt den Charakter” lautet der Titel einer aktuellen Aussendung. Pecunia non olet könnte man dem entgegenhalten; wobei dieser Ausspruch auf einer Urin-Steuer im Alten Rom basiert – im Grunde eine Idee, die so uninteressant nicht ist. Aber das führt zu weit.

Also: „Menschen, die an Geld denken oder auf geldbezogene Gedanken gebracht werden, nehmen seltsame – genauer gesagt nutzenmaximierende – Charakterzüge an”, zitiert pte den Ökonomen Jörg Kraigher-Krainer von der FH Oberösterreich. Bei vielen Menschen, heißt es weiter, reichten schon unauffällig platzierte Geldsymbole aus, um die Bereitschaft, zu helfen, zu spenden oder zu kooperieren, deutlich zu senken.

Trauriges Pleitenminus

Die Frage, ob Geld den Charakter verderbe, sei also längst keine akademische mehr, resümiert Kraigher-Krainer, sondern vielmehr nun auch experimentell nachweisbar. Schockiert? Nein? Tja, manchmal bestätigt das Forscherhirn, was das Bauchgefühl längst weiß.
Auf den ersten Blick weniger flott zu erfassen ist im Gegensatz dazu die Schlussfolgerung, die der Kreditschutzverein KSV1870 am Donnerstag zog: Das erfreuliche Minus in der Pleitenstatistik heimischer Unternehmen sei nicht etwa sorgfältigerer Unternehmensführung, besserer Auftragslage oder auch dem aktuellen Ökonomie-Triumvirat „billiges Öl, günstiger Euro, Geldflut der EZB” geschuldet, sondern ganz im Gegenteil: Die historisch niedrige Zinslage aufgrund der Wirtschaftsflaute wirke auf viele Unternehmen wie ein – temporäres – „Sauerstoffzelt”. So niedrige Zinsen gestatteten nämlich auch hoch verschuldeten Unternehmen ein Weiterwirtschaften, da die Zinslast so erträglich ist.
Bei anziehender Wirtschaftslage und steigenden Zinsen seien allerdings diese Schuldenkaiser die ersten, die dann in die Insolvenz schlittern. „Wenn das Wirtschaftsgeschehen dynamisch ist, dann gibt es auch viele Insolvenzen”, schreibt der KSV. Daher sei die gegenwärtige Flaute bei Insolvenzen nur bedingt erfreulich. Vielmehr reflektiere sie „die allgemeine Bewegungslosigkeit”. Wenn das kein Pradigmenwechsel ist. Inwiefern ein Minus bei den Privatinsolvenzen negativ interpretiert werden sollte, ist noch offen.

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