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Adjustiertes Risiko © Luiza Puiu

Die Aktivität am Wiener Büroimmobilienmarkt nahm Mitte des Jahres deutlich zu. Dadurch sei mit einem Anstieg der Vermietungsleistung in den kommenden Monaten zu rechnen.

© Luiza Puiu

Die Aktivität am Wiener Büroimmobilienmarkt nahm Mitte des Jahres deutlich zu. Dadurch sei mit einem Anstieg der Vermietungsleistung in den kommenden Monaten zu rechnen.

Redaktion 15.10.2021

Adjustiertes Risiko

Immobilien-Investoren verstehen momentan keinen Spaß und gehen auf Nummer sicher. Optimismus im Bereich Office.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Das Immobilien-Investmentjahr 2021 sieht die EHL Investment Consulting noch immer stark von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. Dies zeige sich jedoch nicht etwa durch eine Zurückhaltung der Investoren bei ihren Immobilieninvestments, vielmehr sei eine stark risikoadjustierte Verschiebung bei den Assetklassen, in die investiert wird, zu sehen, was die Produktknappheit in einigen Segmenten deutlich verschärft.

Besonders die sehr sicherheitsorientierten, institutionellen Investoren hätten ihr Investmentprofil überarbeitet und die zum Teil aus subjektiver Sicht risikobehafteten Segmente Hotel und Shoppingcenter in vielen Fällen bereits durch eine Verstärkung ihres Engagements in den „coronaresistenten” Bereichen Wohnen, Logistik und Nahversorgung ersetzt.

Was welche Rendite bringt

Im 3. Quartal 2021 belief sich das Transaktionsvolumen dem EHL Market Research/Q3 2021 zufolge auf ca. 900 Mio. €, im direkten Vergleich mit dem 3. Quartal des Vorjahres eine Steigerung von 50%. Das Transaktionsvolumen für das laufende Jahr kommt so auf ca. 2,7 Mrd. €. Dies sei laut EHL eine grundsätzlich gute Nachricht, da weiterhin großes Interesse an Immobilieninvestments gegeben ist; allerdings könne die Erhöhung der Nachfrage in den derzeit sehr stark nachgefragten Topsegmenten durch das vorherrschende geringe Angebot teilweise nicht mehr ausreichend gedeckt werden – was auf der einen Seite auf das Volumen drücke, gleichzeitig aber die Preise in die Höhe treibe und die Renditen immer weiter unter Druck bringe.

Im stark nachgefragten Wohnbereich liegt der Durchschnitt der Renditen in Wien bei ca. 3,25% bis 3,50% für Objekte mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung, für Topprodukte bereits bei drei Prozent mit weiter fallender Tendenz. Im Bürobereich liegen die Top-Renditen für Objekte in erstklassigen Lagen mit hochrangiger öffentlicher Verkehrsanbindung, welche an Mieter mit bester Bonität langfristig vermietet sind, derzeit weiterhin bei rund drei Prozent.
Im Bereich des sehr stark nachgefragten Logistiksektors ist die Preisrally weiterhin in vollem Gange, was die Renditen für Top-Objekte im Segment „last mile” bereits auf ein Niveau von unter 3,5%, im Standard-Logistik-Bereich auf ca. vier Prozent gedrückt hat. Für Einzelhandels­immobilien, insbesondere für Shoppingcenter, sei die Preisentwicklung derzeit aufgrund fehlender Transaktionen weiterhin schwer abzuschätzen. Sehr gut positionierte Fachmarktzentren mit starkem Nahversorgungscharakter und Lebensmittelanker liegen aktuell bei knapp unter fünf Prozent und seien investorenseitig stark nachgefragt.

Büromarkt Wien

Der EHL-Büromarktbericht weist in Summe für die ersten drei Quartale Neuvermietungen von ca. 105.000 m² aus. Zusätzlich wurden noch ca. 12.000 m² Untermietflächen verwertet, die in der Vermietungsleistung nicht offiziell erfasst werden. Da die Aktivität auf dem Markt Mitte des Jahres wieder deutlich zunahm, ist mit einem Anstieg der Vermietungsleistung in den kommenden Monaten zu rechnen. „Der Optimismus ist zurück, es werden wieder verstärkt Büroflächen gesucht, und die Unternehmen sind auch bereit, entsprechend in neue Standorte und innovative Bürowelten zu investieren”, erklärt Stefan Wernhart, Geschäftsführer der EHL Gewerbeimmobilien GmbH.

Die Leerstandsrate sinke kontinuierlich, liege aktuell bei 4,4% – und damit auf einem im internationalen Vergleich sehr niedrigen Niveau.
Das Vienna Research Forum meldet eine Vermietungsleistung auf dem Wiener Büromarkt im 3. Quartal 2021 von rund 29.200 m². Das wären um 92% mehr als im Vorquartal und um 67% weniger als im Q3 2020.

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