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Wohnst du schon oder sparst du noch? © PantherMedia / jrphoto
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Redaktion 09.09.2022

Wohnst du schon oder sparst du noch?

Wohnimmobilienpreise steigen in Österreich zweistellig, weiß der ­Deloitte Property Index 2022. Und nirgends wird so viel gebaut.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Lebensmittel, Treibstoff, Energie – alles wurde teurer und wird es sehr wahrscheinlich noch weiterhin. Und auch der Traum vom Eigenheim gestaltet sich ob der zunehmenden Preise von Wohnimmobilien eher zum Alptraum. Deloitte hat sich die Preise und deren Entwicklung europaweit genauer angesehen und die Ergebnisse in den Deloitte Property Index 2022 gegossen.

2021 wurde schon teurer …

Laut besagtem Index ist der Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen im Jahr 2021 in Österreich im Schnitt um elf Prozent gestiegen – und das, obwohl die Alpenrepublik in Sachen Wohnbauvorhaben pro 1.000 Einwohner europäischer Spitzenreiter ist. Für Mieter bleibt es hierzulande dagegen vergleichsweise leistbar. In Wien war die Miete mit durchschnittlich 8,66 € pro m² sogar günstiger als in Graz oder Linz. Damit liegt man in Europa im unteren Drittel.

Mit dem Property Index analysiert das Beratungsunternehmen Deloitte jährlich den europäischen Immobilienmarkt. Und die Analyse bestätigt das, was viele Menschen bereits wahrgenommen haben: Der Kauf von Immobilien wird immer schwerer leistbar. So betrug der durchschnittliche Quadratmeterpreis 2021 bei neuen Wohnungen hierzulande 4.782 €, plus besagte elf Prozent.

… und 2022 wird nicht besser

Und der Preiszuwachs gehe weiter, bedauert Deloitte: Laut aktuellen Analysen haben die Immobilienpreise im ersten Quartal 2022 um knapp 13% weiter angezogen. Damit zählt Österreich – neben Deutschland und Frankreich – mittlerweile zu den teuersten europäischen Teilnehmerländern des Property Index. Mehr müssen Wohnungskäufer nur im Vereinten Königreich aufbringen; dort liegt der Preis pro m² bei 4.905 €.

Erschwingliche Neubauten

Im Städteranking lag die österreichische Hauptstadt mit einem durchschnittlichen Preis für Neubauwohnungen von 5.788 € pro m² im Untersuchungszeitraum allerdings weit hinter Städten wie Paris mit 13.462 € oder München mit 10.500 €.

„Wien liegt zwar mit den Immobilienpreisen rund 21 Prozent über dem Österreichschnitt, doch auch wenn es für manche paradox klingen mag: Unsere Hauptstadt ist damit relativ erschwinglich”, sagt Gabriele Etzl, Partnerin und Head of Real Estate bei Deloitte Legal. „Zum Vergleich: In Lissabon zahlt man in Relation zum durchschnittlichen Immobilienpreis in Portugal mehr als das Dreifache. Hier ist die Stadt-Land-Schere um einiges größer.”

Bauvorhaben-Europameister

In Sachen Wohnbauvorhaben pro 1.000 Einwohner zeigt sich erneut Folgendes: Nirgendwo sind mehr Bauprojekte in Planung als in Österreich. So sind im Jahr 2021 ganze 10,6 Projekte pro 1.000 Einwohner initiiert worden.

Mit deutlichem Abstand folgen Polen mit 7,3 und Slowenien mit 6,1 Bauvorhaben auf 1.000 Einwohner. Italien liegt in der Deloitte-Studie mit 1,0 initiierten Bauprojekten auf 1.000 Einwohner auf dem letzten Platz.

Wiener mieten preiswert

Österreichs Bundeshauptstadt konnte ihrem Ruf als erschwingliche Mieterstadt auch in der diesjährigen Analyse wieder gerecht werden. Während man in der Pariser Innenstadt mit einem m²-Preis von 29,10 € rechnen musste, bezahlte man in Wien im Untersuchungszeitraum im Durchschnitt lediglich 8,66 €. Damit ist Wien sogar günstiger als andere heimische Städte wie Graz mit 10,40 € oder Linz mit 10,22 € pro m².

Noch preiswerter mietet es sich in Städten wie Bukarest (7,50 €), Turin (6,86 €) oder Sofia (4,60 €). Sehr viel kostspieliger platzierten sich hinter Spitzenreiter Paris Oslo (26,6 €/m²), London Innenstadt (25,1 €/m²) und Amsterdam (22,5 €/m²).
Deloittes Fazit: Die Covid-19-Krise und die historisch niedrigen Zinsen lösten 2021 eine regelrechte Flucht ins „Betongold” aus. „Diese Entwicklung führte dazu, dass Wohnen auch hierzulande zunehmend teurer wird. Während die Mietpreise in der Hauptstadt für die breite Bevölkerung noch leistbar sind, ist Eigentum mittlerweile ein Luxusgut”, analysiert Etzl.

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