SCHILTERN. Klimawandel, geopolitische Unsicherheiten und steigender Druck auf die Landwirtschaft erhöhen die Bedeutung von Biodiversität. Beim Biodiversitätsgipfel von Spar und Arche Noah im niederösterreichischen Schiltern diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Forschung, Handel und Gastronomie darüber, wie Arten- und Sortenvielfalt langfristig gesichert werden kann.
Mehr als Naturschutz
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft widerstandsfähiger werden können. Einigkeit herrschte darüber, dass Biodiversität weit mehr als Naturschutz ist. Sie gilt als Grundlage für stabile Erträge, die Anpassung von Kulturpflanzen an veränderte Umweltbedingungen und die langfristige Versorgungssicherheit. „Sortenvielfalt ist keine romantische Idee, sondern kann auch ein handfester Wettbewerbsfaktor sein“, betonte Markus Kaser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Spar Österreich.
Kritisch diskutiert wurde die geplante EU-Saatgut-Verordnung. Arche Noah warnt vor zusätzlichen bürokratischen Hürden für kleinere Züchtungsbetriebe und Erhalter traditioneller Sorten. Geschäftsführer Volker Plass betonte, dass Sortenvielfalt nicht durch Verordnungen entstehe, sondern durch die praktische Arbeit von Landwirten, Gärtnern und Züchtern.
Schlüsselposition LEH
Auch der Handel könne einen wichtigen Beitrag leisten. Spar verweist auf langfristige Partnerschaften mit Produzenten sowie Projekte wie BeeWild, bei denen gemeinsam mit Frutura inzwischen 60 Hektar Bienenweiden geschaffen wurden. Mehr als 30% des Obst- und Gemüsesortiments stammen mittlerweile aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.
Wie groß die Wissenslücken beim Thema noch sind, zeigt eine aktuelle Marketagent-Umfrage im Auftrag von Spar. Zwar halten 49,5% der Österreicher Biodiversität für ein wichtiges gesellschaftliches Thema, doch nur 32,9% wissen genau, was darunter zu verstehen ist. Weitere 53,5% haben den Begriff zwar schon gehört, können ihn aber nicht näher erklären.
Beim Lebensmitteleinkauf spielen Biodiversitätsaspekte bislang nur eine untergeordnete Rolle. Während Frische, Preis und Angebote die Kaufentscheidung dominieren, achten lediglich 49,1% der Konsumenten zumindest teilweise auf Biodiversität. Gleichzeitig sehen knapp 80% einen direkten Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt sowie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Experten am Wort
Um Wissen aus Landwirtschaft, Forschung und Handel stärker zu bündeln, kündigte Spar die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Expertenrats an. Dieser soll sich künftig mit Themen wie Klimaanpassung, Sortenerhalt und Ressourceneffizienz befassen. (red)
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