„Eine Vielfalt, die  weltweit einzigartig ist“
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Conrad Seidl mit Thomas Gstaltmaier (Stiegl), Michael Stein (medianet) und Andreas Hönigsperger (Stiegl) beim Fassanstich im Freiherz in Wien.
RETAIL Redaktion 15.05.2026

„Eine Vielfalt, die weltweit einzigartig ist“

Bierpapst Conrad Seidl präsentiert den Bier Guide 2026 – und holt darin Betriebe mit einer besonders raffinierten Auswahl vor den Vorhang.

Jahr für Jahr dokumentiert Bierpapst Conrad Seidl in seinem Bier Guide Trends und Veränderungen in der heimischen Bierszene – und bildet damit nicht zuletzt auch ab, wie viel Innovationskraft in ihr steckt. In der nunmehr bereits 27. Ausgabe seines kompakten Nachschlagewerks versammelt Seidl einmal mehr rund 1.100 bieraffine Gastronomiebetriebe, diesmal mit besonderem Fokus auf die Varietät und Erlesenheit ihres Angebots.

„Österreich hat beim Bier eine Vielfalt zu bieten, die weltweit einzigartig ist – das reicht vom schön gezapften Krügel Märzenbier im bodenständigen Gasthaus bis zu exklusiven Angeboten wie mit Sekthefe vergorenen Aperitifbieren“, holt Seidl aus. „Neben international ausgerichteten Pubs erlebt auch der Lokaltypus der Bierschwemme eine Renaissance. Neben klassischen Bockbieren findet man ein ganz exotisches Ice Cream Sour Ale, das Bierfreunde wohl an die Grenzen ihres Verständnisses dafür bringt, was man eigentlich unter einem Bier versteht.“

AF-Bier „eine Ergänzung“
Längst spiegelt sich die unbändige Lust der Brauereien am Innovieren in den Getränkekarten der heimischen Lokale: „Im Schwechaterhof in Steyr gibt es eben nicht nur Schwechater, im Frodos in Obertrum nicht nur Trumer Biere und das Emsbach in Hohenems holt sogar Eigenimporte aus Tschechien ins Land – während auf der anderen Seite die Zapfmeisterei am Wiener Flughafen oder das Freiherz in Wien österreichische Braukultur in moderner Form einem jüngeren Publikum nahebringen.“

Dem hiesigen Konsumenten bietet sich ein immer breiter werdendes Angebot, wo für jeden etwas dabei ist. Der Bierpapst lobt in diesem Zusammenhang die Bemühungen der Brauwirtschaft, ihr Angebot mit alkoholfreien Bieren hoher Qualität zu bereichern. Er betont aber, dass das „bloß eine Ergänzung“ zur etablierten Bierszene sein könne. „Was bleibt, ist die Pflege der traditionellen Bierkultur. Das Lob der innovativen Bierbars. Die Empfehlung jener Wirte, die sich um die Bierpflege bemühen. Und der Brauer, die uns die Biervielfalt liefern, die unsere Bierkultur ausmacht. Ja, diese Biere enthalten zumeist Alkohol – manche sogar ziemlich viel davon. Gut so! Dazu kann, ja: dazu muss man als Bierfreund stehen.“

Lanze für die Gastro
Zu hoffen sei, dass die Brauereien mit ihrer Ankündigung ernst machen, die Gastronomie zu stärken, denn: Seit dem Jahr 2000 hat sich der Fassbierkonsum in Österreich mehr als halbiert, allein im Jahr 2025 ist der Fassbierabsatz in Österreich um vier Prozent gesunken.

„In der Gastronomie geht vielen Betrieben die Luft aus: Wer sich daran gewöhnt hat, im Supermarkt für eine Kiste Markenbier in Aktion weniger als 15 Euro hinzulegen, tut sich schwer damit, dass er für dasselbe Geld in der Gastronomie nicht einmal drei Krügel Bier bekommen kann. Wenn die Brauereien die bierorientierte Gastronomie tatsächlich unterstützen wollen, dann müssten sie gerade dort eine Bierpreisbremse einsetzen. Wenn Bier im Supermarkt verschleudert wird, schadet das der Bierkultur“, findet Seidl auch hier klare Worte. (red)

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