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„Frauen sind beim Bier experimentierfreudig” © Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

Redaktion 12.07.2019

„Frauen sind beim Bier experimentierfreudig”

Jutta Kaufmann-Kerschbaum, Geschäftsführerin des Brauereiverbands, über Trends beim Bierkonsum.

••• Von Christian Novacek

Bier ist das Nationalgetränk der Österreicher – für Brauereiverbands-Geschäftsführerin Jutta Kaufmann-Kerschbaum ist dabei auch erfreulich, dass immer mehr Frauen die Freude am gepflegten Bier entdecken.

 

medianet: Bier gibt es oft in ­Dosen und sehr erfolgreich auch in der 0,33 Liter Einwegflasche. Wie problematisch ist das aus ökologischer Sicht, die vorgeblich immer mehr zur Konsumentenentscheidung beiträgt?
Jutta Kaufmann-Kerschbaum: Mit 68 Prozent ist Bier in Österreich die Getränkekategorie mit dem höchsten Mehrweganteil! 2017 wurden 400 Mio. Liter Bier in Glas Mehrweg konsumiert, 2018 waren es 405 Mio. Liter. Einwegverpackungen haben vor allem den ‚Convenience-Vorteil'. Sie sind leicht und daher praktisch für den seit einigen Jahren stark steigenden ‚Unterwegs-Konsum'. Und sie werden immer nachhaltiger, weil besser recycelbar.

 

medianet: Der österreichische Bierkonsum hält sich im internationalen Vergleich wacker; woran liegt das?
Kaufmann-Kerschbaum: Die Bemühungen der österreichischen Brauer, verstärkt durch Aktivitäten des Brauereiverbandes, werden zweifellos belohnt. Ausschlaggebend für die positive Entwicklung sind Qualität, Vielfalt, Tradition und Innovationsfreude sowie ein vermehrtes Interesse an und Wissen um das Genussmittel Bier. Denn je mehr man übers Bier weiß, desto besser schmeckt es.

medianet: 2019 ist tief in der ersten Hitzewelle. Wie hält sich der Bierkonsum im immer heißer werdenden Sommer?
Kaufmann-Kerschbaum: Ein Sommer in Österreich ist immer ein Biersommer! Mit Bekannten oder Freunden ein Bier an einem Grillabend oder im Gastgarten zu genießen, ist Lebensgenuss pur. Allerdings sind absolute Spitzentemperaturen – 30 Grad und mehr – eher etwas fürs Wasser; hier wird eher zum Wasserglas gegriffen.

medianet: lst Bier eine Männerdomäne oder ist ein Geschlechtertrend erkennbar?
Kaufmann-Kerschbaum: Frauen werden immer selbstbewusster, was den Biergenuss und das Wissen um Bier betrifft. Zum Beispiel in Sachen Biersommelier – hier haben wir mit mehr als 1.400 Biersommeliers, ca. 400 Diplom-Biersommeliers und knapp 1.000 Bier-Jungsommeliers das größte Bier-Wissen weltweit. Und der Frauenanteil ist mit insgesamt 41 Prozent extrem hoch; bei den Bier-Jungsommeliers sind es sogar 80 Prozent, was besonders erfreulich ist.

medianet:
Lässt sich das auch auf die Probierfreudigkeit umlegen?
Kaufmann-Kerschbaum: Ja, hier haben jüngere Damen (unter 50) die Männer bereits überholt. Während bei den Männern genau 50 Prozent angeben, gern neue Biersorten zu probieren, sind es bei den Frauen (unter 50) 53 Prozent. Bier ist also schon längst keine Männerdomäne mehr.

medianet: Gibt es bei der Bierauswahl Unterschiede in den geschmacklichen Präferenzen von Männern und Frauen?
Kaufmann-Kerschbaum: Eigentlich nicht; Es wird zwar immer wieder vermutet, dass Frauen malzige Biere bevorzugen, es stellt sich aber immer mehr heraus, dass Frauen – wie Männer – eher ausgewogen gehopftem Bier den Vorzug geben.

medianet: 2018 haben die Exporte der heimischen Brauereien stark zugelegt.
Kaufmann-Kerschbaum: Die Exporte haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt – hoffen wir, dass unsere Brauereien auch künftig im Ausland so erfolgreich sind.

medianet: Die Dachmarke ‚Bierland Österreich' ist bestens eingeführt. Wie geht es damit weiter?
Kaufmann-Kerschbaum: Das Bierland Österreich wächst – nicht nur in Hinblick auf Brauereianzahl, Biervielfalt und Gesamtausstoß, sondern besonders auch bezüglich Anerkennung und Beliebtheit. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage (2/2019) des Linzer market Instituts. Mehr als die Hälfte bzw. 52 Prozent beantworten die Frage, ob Österreich ein Bierland sei, uneingeschränkt mit ‚Ja'. Das ist eine schöne Bestätigung für die ausgezeichnete Arbeit unserer Brauerinnen und Brauer, die tagtäglich mit qualitativ höchstwertigen Rohstoffen aus der heimischen Landwirtschaft jeden bierigen Wunsch von Konsumentin und Konsument erfüllen. Zum Vergleich: 2016 lag dieser Wert noch bei 32 Prozent.

medianet:
Wie lange gibt es das ‚Bierland Österreich' schon?
Kaufmann-Kerschbaum: Seit März 2015 kommuniziert Österreichs Brauwirtschaft unter dieser Dachmarke in immer stärkerem Ausmaß Qualität, Vielfalt sowie Genusskultur rund ums Bier. Diese Arbeit zeigt Wirkung. Seit vier Jahren steigen auch Wissen und Akzeptanz in der Öffentlichkeit rund um den gepflegten Bier-Genuss kontinuierlich – eine schöne Bestätigung von Konsumentenseite.

medianet: Was ist Ihre be­vor­zugte Biermarke und warum?
Kaufmann-Kerschbaum: Bei weit über 1.000 in Österreich gebrauten verschiedenen Bieren gibt es viele Marken, die mir gut schmecken. Was die Sorten betrifft, bevorzuge ich ein schlankes, gut gehopftes Pils, trinke aber gern auch einmal ein interessantes India Pale Ale.

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