Marktkonzentration im Handel auf Höchststand
© APA/Zoe-Sophie Zimmermann
RETAIL Redaktion 30.01.2026

Marktkonzentration im Handel auf Höchststand

Der heimische Lebensmittel- und Drogeriefachhandel zeigt weitere Oligopolisierungstendenzen, wie eine RegioData-Langzeitanalyse zeigt.

Der österreichische Lebensmittelhandel wird bekanntlich von weniger Playern beherrscht: Auf die „Big Four“ – Spar, Rewe, Hofer und Lidl – entfielen 2024 rund 94% Marktanteil. Mit dem Rückzug von Unimarkt verschärft sich diese Entwicklung weiter: Der Großteil der zuletzt 90 Standorte des Händlers wird von Spar und Rewe übernommen oder geschlossen.
Damit setzt sich ein seit über 30 Jahren andauernder Trend Richtung zunehmender Marktkonzentration fort, an dessen Anfang 1995 die Zerschlagung des Handelskonzerns Konsum stand. Infolge der zum damaligen Zeitpunkt größten Insolvenz der Nachkriegsgeschichte wurden die über 600 Filialen zwischen Adeg, Billa, Löwa, Meinl und Spar aufgeteilt.

Nur wenige Jahre später zog sich die Meinl-Gruppe (inkl. Pampam) aus dem Supermarktgeschäft zurück und gab sämtliche Geschäfte an Spar und Billa – seit 1996 Teil der deutschen Rewe – ab. 2007 stieg die Marktkonzentration erneut: Die Rewe, bis dahin mit 24,9% an der kriselnden Kette Adeg beteiligt, erhöhte ihren Anteil auf 75% und übernahm sie 2010 zur Gänze.
Parallel zum Aufstieg der Diskonter Hofer, Lidl und Penny schlitterte Mitbewerber Zielpunkt (ehemals Löwa) in die Krise – der oberösterreichischen Pfeiffer-Gruppe gelang es nicht, der Marke neues Leben einzuhauchen, keine zwei Jahre nach der Totalübernahme meldete Zielpunkt kurz im November 2014 Konkurs an.

Ähnliche Situation im DFH
Traditionell von sehr niedrigen Margen geprägt, setzt sich die Konzentrationsspirale im Lebensmittelhandel durch das Unimarkt-Aus nun also weiter fort – doch zeigt sich diese Tendenz nicht nur im LEH: Eine Langzeitanalyse von RegioData dokumentiert etwa eine ähnliche Situation im Drogeriefachhandel – die sich auch nach der Schlecker-Pleite 2012 (und dem zum Rohrkrepierer mutierten Versuch, das Konzept als „dayli“ zu revitalisieren) prolongiert.

Demnach erhöhte sich der Marktanteil der drei übriggebliebenen Platzhirsche von 79,1% im Jahr 2014 auf 85,8% im Jahr 2024 und dürfte heuer laut Prognose weiter auf 87% klettern. In diesem Zeitraum konnte dm seinen Marktanteil von 29% auf 36% ausbauen und damit nachhaltig die Marktführerschaft erobern. Doch auch die nunmehrige Nummer 2 Bipa hat längst den Weg aus der Krise gefunden – und ist infolge einer konsequenten Eigenmarken- und Modernisierungsstrategie wieder sicher in der Spur.

Mit deutlichem Abstand rangiert die vor allem in Einkaufszentren stark vertretene Kette Müller auf Platz drei; inzwischen über hundert Filialen in Österreich zählend, ist sie längst selbst Treiber der Marktkonzentration. Der Wettbewerb findet laut Studienautoren „primär zwischen den führenden Unternehmen statt“, alternative Formate und kleinere Marktteilnehmer gewinnen kaum an Bedeutung.

Sportartikler in der Krise
Deutliche strukturelle Veränderungen ohne eindeutige Zunahme der Marktkonzentration kennzeichnen den krisengeplagten Sportartikelhandel: Während Intersport und Sport 2000 (trotz zwischenzeitlicher Insolvenz der Einkaufsgenossenschaft Zentrasport) den Markt seit Jahren dominieren, wechselte der drittgrößte Marktteilnehmer in jüngster Zeit mehrfach. Der einstige Marktführer Sports Direct (vormals Intersport Eybl) spielt laut Studienautoren heute keine relevante Rolle mehr; Hervis, die aktuelle Nummer drei, hat einen längeren Downsizing-Prozess hinter sich und wechselte vergangenen Freitag schließlich den Besitzer.

Generell stehen die Zeichen im Sportartikelhandel, der 2024 ein reales Minus von 2,1% einfuhr, weiter auf Konsolidierung. Der norwegische Mitbewerber XXL zog sich 2023 aus dem Markt zurück, die französische Kette Decathlon hat sich bei ihren Expansionsbemühungen zumindest eingebremst – auch wenn nun eine Neueröffnung im Kaufhaus Gerngross auf der Mariahilfer Straße angekündigt wurde.

Baumarkthandel stabil
In weiteren ausgewählten Branchen zeigt sich ein differenziertes Bild: Nach dem Marktaustritt von Baumax 2015 ist Obi heute klarer Marktführer, insgesamt seien im Baumarkthandel jedoch „nur leichte Konzentrationstendenzen“ erkennbar.
Im Möbelhandel führten die bekannten Turbulenzen rund um das Aus der Kika/Leiner-Gruppe zu einer Neuordnung, von der vor allem XXXLutz und Ikea profitierten. Weitere Konzentrationsschübe seien hier aktuell nicht zu beobachten.

Weitere Branchen
Besonders schwankend zeigt sich der Schuhhandel, geprägt von zahlreichen Marktaustritten: Die Top-3-Unternehmen wechselten mehrfach, aktuell dominiert die Deichmann-Gruppe, gefolgt von der Leder & Schuh AG.
Im Elektronikhandel sei hingegen eine „leichte Zunahme“ der Marktkonzentration festzustellen, Marktführer ist mit großem Abstand MediaMarkt.  Traditionell wenig konzentriert ist der Bekleidungshandel – wiewohl auch hier die Top 3 (H&M, Peek & Cloppenburg, Inditex) „nach dem Corona-Schock 2020“ wieder beständig Marktanteile gewinnen.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL