Presserat rügt "Krone" für Sichrovsky-Kolumne
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Markus Reisner wurde in der „Krone" als als "praktizierenden Skinhead“ bezeichnet.
MARKETING & MEDIA Redaktion 26.01.2026

Presserat rügt "Krone" für Sichrovsky-Kolumne

Bezeichnete Militärexperten Markus Reisner als "praktizierenden Skinhead" - Selbstkontrollorgan sieht Persönlichkeitsverletzung gegeben - "Krone"-Herausgeber entschuldigte sich schriftlich.

WIEN. Der Presserat rügt die "Kronen Zeitung" für eine im Juni 2025 erschienene Kolumne von Heinz Sichrovsky. In dem mit "350 Experten" betitelten Beitrag bezeichnete der Journalist den Militärexperten Markus Reisner als "praktizierenden Skinhead". Auch fragte er die Leserinnen und Leser, ob sie ihren Kindern nicht auch eingeschärft hätten, "vor kahlgeschorenen Herren in Tarnkleidung unverzüglich die Straßenseite zu wechseln". Damit sei eine Persönlichkeitsverletzung vorgelegen.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, hatte sich an den Presserat gewandt und die Bezeichnung von Oberst Reisner als "praktizierender Skinhead" als massiv abwertend bezeichnet. Sie spiele mit rechtsextremen Stereotypen.

Beleidigende Bezeichnung
Der Senat 3 des Presserats nahm sich des Falls an und wies darauf hin, dass bei Kommentaren die Meinungsfreiheit besonders weit reiche. Dennoch könne es zu Grenzüberschreitungen kommen - hier geschehen mit Blick auf den Persönlichkeitsschutz. Die Bezeichnung sei beleidigend. "Zumindest implizit wird hier dem Betroffenen unterstellt, eine rechtsextreme Gesinnung aufzuweisen. Dafür gibt es jedoch keine Anhaltspunkte, zumal der Betroffene in seiner Expertenfunktion neutral in der Öffentlichkeit auftritt, ohne sich in irgendeiner Weise politisch zu äußern", hieß es in einer Aussendung. Gerade für einen Berufssoldaten könne die Formulierung das persönliche Fortkommen beeinträchtigen, merkte das Selbstkontrollorgan an.

Die "Krone" wird aufgefordert, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Vonseiten der Tageszeitung machte niemand von der Möglichkeit Gebrauch, am Verfahren teilzunehmen. Auch erkennt die "Krone" die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats nicht an. Jedoch entschuldigten sich - wie der "Standard" schon im Juli 2025 berichtete - "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand und "Krone"-Chefredakteur Klaus Herrmann schriftlich bei Reisner. Wenige Wochen nach der Kolumne erschien zudem ein Artikel in der "Krone", in dem Reisners Analysen zum Ukraine-Krieg als besonders "treffsicher" gelobt werden.

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