„Nähe und persönlicher Austausch sind wichtig“
© Anker/Barbara Ster
Norbert Friedrich, Tina Schrettner und Iris Ruschak
RETAIL Redaktion 23.01.2026

„Nähe und persönlicher Austausch sind wichtig“

Tina Schrettner steigt in die Anker-Geschäftsführung auf. Sie spricht über die aktuellen Trends der Branche.

••• Von Georg Sohler

Birgit Aichinger verlässt Ankerbrot Ende März, die bisherige Marketingleiterin Tina Schrettner steigt in die Geschäftsführung auf. Im Zuge der Neuordnung wird sie auch den Anker-Filialbereich und das Nachhaltigkeitsmanagement verantworten. Johannes Ruisz, langjähriger Geschäftsführer Produktion und Supply-Chain-Management, wird zukünftig auch dem B2B-Vertrieb (LEH und Gastronomie/Hotellerie) vorstehen, Gerold Hellmich zusätzlich zu Finanzen und IT auch dem HR-Bereich.

Tina Schrettner ist seit 2019 als Marketingleiterin und Prokuristin im Unternehmen tätig. Davor war die 1975 geborene Wienerin nach dem Studium der Handelswissenschaften sechs Jahre bei Unilever und knapp zwei Jahre als Marketingleiterin bei iglo Austria. 14 Jahre war sie zudem bis 2019 geschäftsführende Gesellschafterin der FastForward Markenmanagement GmbH. Der Kurs, so der Aufsichtsrat, soll weiter behalten werden. medianet hat folglich mit Schrettner über die aktuelle Marktlage für das Unternehmen gesprochen.

medianet: Die Arbeitswelt wird immer flexibler, was bedeutet dies für eine Bäckerei?
Tina Schrettner: Schon seit Längerem sehen wir, dass sich unser Filialgeschäft immer mehr in Richtung einer ‚On-the-Go‘-Versorgung bewegt – für ein junges, modernes Wien. Die klassische Situation mit drei Mahlzeiten zu Hause im Familienverband gibt es immer weniger. Etwas mehr als die Hälfte der Österreicher – insbesondere unsere jüngeren Kunden – isst flexibel, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag, teilweise unterwegs. Man könnte auch sagen, es geht vom Brotwecken hin zum fix-fertig gestrichenen und belegten Jausenbrot oder den gefüllten Weckerln, die bei Ankerbrot übrigens mehrmals am Tag frisch zubereitet werden – ein wichtiger Qualitätsaspekt, der sehr geschätzt wird.

medianet: Welche Trends gibt es innerhalb von ‚to-go‘ zu beobachten?
Schrettner: Mit unserem dichten Filialnetz können wir sehr schnell auf Entwicklungen reagieren. So haben wir beispielsweise den internationalen Trend zu gefüllten, pikanten Croissants aufgenommen und in kürzester Zeit – Ende 2025 – Körnercroissants mit einer Fülle auf Basis von iglo Erbsen beziehungsweise iglo Rotkraut aus dem Marchfeld für unsere Filialen entwickelt. Sie entsprechen auch einem anderen wichtigen Trend im To-go-Bereich: Produkte müssen handlich sein, das heißt, sie sollten ohne Besteck und Teller einfach mit der Hand essbar sein. Das ist mittlerweile ein wichtiger Aspekt in unserer Entwicklungsarbeit.
Abgesehen davon wird auch vegan immer beliebter. Auch da waren wir Vorreiter und unser Sortiment umfasst mittlerweile mehr als 50 vegane Produkte. Hinzu kommt die wachsende Nachfrage nach Eiweißprodukten. Wir bieten daher unter anderem ein Puten-Protein-Weckerl an, das sehr gut angenommen wird.

medianet: Wie stellt man sicher, dass die Menschen auch wissen, was es Neues gibt?
Schrettner: Immer mehr online. In einer zunehmend digitaler werdenden Welt haben aber auch unsere Filialen eine wichtige Funktion – als ‚Anker-Punkt‘ im Grätzel, wo die Kollegen ihre Kunden und ihre Vorlieben kennen. Die Nähe und der persönliche Austausch sind immens wichtig – auch indem Neuheiten aktiv angeboten werden. Denn neue Produkte probieren zu können, ist essenziell – und hier hat online seine Limitationen.

medianet: Inwiefern unterscheiden sich Ihre Kundengruppen?
Schrettner: Hier gibt es große Unterschiede. Lebensphase oder Tagesroutine sind wesentliche Einflussfaktoren. Pendler konsumieren routinierter als Touristen und bewegen sich natürlich auch anders von A nach B. Schüler unterscheiden sich durch ihre täglichen Gewohnheiten von Pensionisten.
Speziell sieht man das am Beispiel Kaffee: Während für die jüngere Zielgruppe ein Kaffee-to-go zum Alltag gehört, sehen die Älteren hier weniger Konsumanlass. Sie trinken ihre Melange lieber in der Filiale vor Ort und gönnen sich diesen Moment ganz bewusst. Das berücksichtigen wir auch im Sortiment und wenn wir eine neue Filiale eröffnen. Die erst im Dezember eröffnete Anker-Filiale an der Station der Badner Bahn in Wiener Neudorf ist zum Beispiel eine To-go-­Filiale.

medianet: Abschließend: Wie schätzen Sie die allgemeine wirtschaftliche Lage derzeit ein?
Schrettner: Auch wenn sonst vielleicht gespart wird, gönnt man sich das Briochekipferl, das neue pikante Croissant oder einen guten Kaffee zum Mit

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